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ANSELM KIEFER - AM ANFANG - Bundeskunsthalle Bonn

Das 2008 von Anselm Kiefer gemalte Ölbild „Am Anfang“, das der Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn den Titel gibt und als Bildmotiv den Katalog schmückt, verspricht Verheißung, obwohl das dargestellte Meer sich mit heftigen Wellen brüstet und kräftige graue Wolken bis zum Horizont einen etwas bedrohlichen Eindruck verbreiten. Das Verheißungssignal ist eine Strickleiter, die senkrecht durch das Bild schwebt und es in zwei Teile zerreißt. Als Himmelsleiter, als Symbol für einen Anfang, dem ein Ende vorausgeht, taugt es dennoch nur bedingt.

Bei näherem Hinsehen outet sich die Brüchigkeit der Seile, aus denen diese Leiter in eine verheißungsvolle Zukunft zusammengestellt wurde. An manchen Stellen zeigt es zerrissene Fasern, am unteren Ende scheint das Seil in wirre Knoten zu enden. Dieses großformatige, beeindruckende Bild zählt – wie alle ausgestellten Exponate – zur Privatsammlung des Kunstsammlers Hans Grothe aus Duisburg. Grothe verkaufte 2005 seine überwiegend dem Museum Küppersmühle in seiner Heimatstadt überlassene Sammlung. Mit einer Ausnahme: die Arbeiten von Anselm Kiefer blieben in seinem Besitz. Das geschah nicht ohne Grund, hat Kiefer doch auch international gesehen mit seinem Werk eine herausragende Einzelposition begründet. Die Bundeskunsthalle zeigt parallel zur Kasseler dOCUMENTA 13 wichtige Werke aus der Zeit zwischen 1978 und 2012, die weltweit als einmalige private Sammlung der Arbeiten von Anselm Kiefer gilt.



Anselm Kiefer verschmäht kein Material. Ob Farbschichten, Blei, Erde, Lack – als trägt er in dicken Schichten auf die Leinwand auf, die der Künstler mit dem Ziel einer dreidimensionalen Einheit durch Pflanzen, Kleidung oder Haare ergänzt. Dabei entwickelte er ein Faible für das Panorama, in denen er in epischer Breite Themen aus der christlich-jüdischen Kultur oder mythologische Szenen ausführt. Werke aus drei Jahrzehnten mit dem Schwerpunkt auf die 2000er Jahre zeigen Anselm Kiefers Suche nach einer Annäherung und Aussöhnung mit sich gegenüberstehenden Kulturen und ihren Mysterien und Rätseln. Kiefers Intention: die Geschichten hinter der Geschichte aufspüren und mit eigenen Informationen, Meinungen und Kommentaren ausleuchten: „Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ Da begegnen dem Besucher im Holzschnitt „Wege der Weltweisheit – die Hermanns-Schlacht“ (1978-1991) gerade noch erkennbare Porträts bedeutender Deutscher, der zerfallende Turm zu Babel präsentiert sich als zwar monumentales, jedoch äußerst instabile Bauwerk, dessen herabfallende Steine andererseits für einen Neubau welcher Art auch immer sehr geeignet erscheinen („Der fruchtbare Halbmond“, 2009).



Der Schriftsteller Peter Handke schreibt über Kiefer, der wie Handke in Frankreich lebt: „Die Malerei des Anselm Kiefer erscheint mir als etwas Gefährliches. Wahrscheinlich war sie von ihrem Anfang an schon gefahrvoll – ab dem Augenblick, da Kiefer, der 'Schüler' oder was auch immer des Joseph Beuys, von seinen Nach-Beuysschen Aktionen, Situationen und Materialien überging (oder zurückging?) zum Bilder-, Gemälde-Malen.“ („Meine Ortstafeln Meine Zeittafeln 1967-2007, Suhrkamp). Ein gefährlicher Künstler – Anselm Kiefer wagt den Blick hinter die Dinge und zieht sie nach vorne. Das kann gefährlich sein, für den Betrachter und für den Künstler. Beide ziehen an einem Strang, und aus dieser Verbindung saugt der Künstler seinen Nektar, der nicht an der Oberfläche bleibt sondern tief eindringt in geheimnisvolle Untergründe.
20.06. – 16.09.2012
Anselm Kiefer – Am Anfang. Werke aus dem Privatbesitz Hans Grothe
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Tel.: 0228-9171-0
Geöffnet: di + mi 10 – 21 Uhr, do – so 10 – 19 Uhr
Eintritt: 8/5 Euro, Familienkarte 14 Euro
Weitere Infos: www.bundeskunsthalle.de
© 01. Juli 2012  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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