| Eine rote, dickflüssige Masse strömt aus einer Öffnung kurz unter der Raumdecke in einem dicken Strahl auf den Fußboden, wo sich bereits eine größer werdende Lache gebildet hat. Kristof Kintera zeigt drastisch-plastisch in seiner Arbeit „Red Is Coming“ (Polyurethan) aus dem Jahr 2007 den Fluss der Farbe aus sich selbst heraus, wie sie sich in den Ausstellungsraum ergießt, wo sie als Material des Malens eine Haltepunkt bietet, von dem aus das Bild von etwas seinen Anfang nehmen kann. Soweit, so rot. |
 Einen Tag vor der Ausstellungseröffnung, am 9. September, färbte sich die Weser vor dem Museum Weserburg grün. Nicolás Uriburu und seine Aktion „Green Bremen“ nahmen den Ausstellungstitel wörtlich – die (grüne) Farbe im Fluss, eimerweise und mit dem wasserlöslichen Uranin vermischt, produzierten kleine knallig grüne Farbwolken, die, durch die Strömung angetrieben, sich auf den Weg in die Nordsee machten. Nicht giftig und für die Umwelt verträglich, so bezeichnete Uriburu das Gebräu und trank zur Demonstration der Ungefährlichkeit einen kräftigen Schluck.
Zwischen diesen beiden gegensätzlichen Positionen zeigt die Weserburg Bremen zu seinem zwanzigjährigen Jubiläum, wie traditionelle und zeitgenössische Künstler seit den „fließenden“ Experimenten des Amerikaners Jackson Pollock mit der Farbe als Material außerhalb von Gemälden oder Aquarellen umgehen. Ende der 1940er Jahre bearbeitete Pollock flach auf dem Boden liegende Leinwände, in dem er darauf von oben Farbe laufen ließ. „Action Painting“, wie er die Aktionen nannte, inspirierte auch nachkommende Künstlergenerationen. So kontert Lynda Benglis (*1941, Lake Charles) den männlichen Gestus des Pollockschen „Drippings“ durch eine weibliche, großkalibrige Variante aus farbigem Polyurethanschaum und fügt damit ihrem künstlerischen Schaffen die Darstellung des Prozesses und die Bewegungen des Materials (Farbe) hinzu. Wie in einer Momentaufnahme im Geiste Pollocks spritzt/spuckt Tony Tasset (*1960, Cincinnati) aus seinem Mund Schokolade in die Luft.
Trotz unterschiedlicher künstlerischer Positionen weisen die bewusst kontrovers gesetzten Gegenüberstellungen der Arbeiten älterer und jüngerer Künstler eine Gemeinsamkeit auf: Sie beschäftigen sich bewusst mit der Farbe als notwendigem künstlerischem Handwerkszeug und machen sie als Material, Botschafterin und Bedeutungsträgerin selbst zum Thema künstlerischer Auseinandersetzungen. In der Ausstellung sind unter anderem Werke von Ai Weiwei, K.H. Hödicke, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, Sigmar Polke, Helen Frankenthaler, Andy Warhol und vielen anderen zu sehen. |
Farbe im Fluss (-29.01.2012)
Weserburg, Teerhof 20, 28199 Bremen
Tel.: 0421-598390
Di, Mi, Fr 10-18, Do 10-21 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr
Eintritt: 8/5 Euro
Katalog (Kerber Verlag): 29 Euro
Weitere Infos: www.weserburg.de |
| © 01. Oktober 2011 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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