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Joseph Beuys - K20 Düsseldorf

Die wichtigsten Stichwörter im Werk von Joseph Beuys – Energie, soziale Plastik, Kunst=Leben - leiten unausgesprochen den Weg durch die große Ausstellung, die dem 1986 verstorbenen Künstler in Düsseldorf gewidmet ist. Der Einheit des Beuysschen Kunstbegriffes steht die Einheit der Ausstellungsräume des K 20 für die „Parallelprozesse“ gegenüber. Inmitten der ständigen Sammlung des Museums, zwischen Jackson Pollock und Franz Marc, befinden sich in drei Räumen die Exponate (Zeichnungen, Multiples, Installationen, Objekte, Video, Aktionsrelikte) und zeigen die Untrennbarkeit von künstlerischem Denken und Handeln bei Beuys. Das Schmela-Haus in der Mutter-Ey-Straße öffnet sich der Beuys-Ausstellung als Diskussionsplattform, wo in der Gesprächsreihe „Von Beuys inspiriert...“ Künstler über ihre Beziehung zu Beuys berichten.

Die das Beuys-Werk beherrschende Formel „Kunst=Leben“ lebt in der Ausstellung, sie begleitete den Künstler schon in frühen Schaffensphasen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden vor allem plastische Arbeiten unter dem Einfluss des Beuys-Lehrers Ewald Mataré. Obwohl Beuys in der Plastik „Torso“ von 1949/51 seine Entwicklung bereits andeutet, sind die gegenständlichen Arbeiten wie die Bronzeplastik „Torso“ von 1948 oder der „Löffel“ (1949) noch von klassischer Struktur geprägt. In den frühen Werken tauchen Gegenstände auf, die Joseph Beuys auch in späteren Arbeiten wiederholt benutzt, etwa das Heftpflaster, das auseinander klaffende Wunden verbindet und in großen Installationen als Brückenschlagmaterial fungiert. Viele Werke stammen aus Privatbesitz oder von anderen wichtigen Museen und verlassen erstmals seit dem Tod von Joseph Beuys ihren angestammten Platz. Die von Wilfried Kuehn entwickelte Ausstellungsarchitektur berücksichtigt die Werkchronologie und ihre Parallelisierungsprozesse in einem Rhythmus aus offenem Raum und geschlossenen Einheiten.

Joseph Beuys zitiert in seinen Werken immer wieder die eigene Biografie. Das Objekt mit Munitionskiste und Fichtenstamm mit Berglampe deutet sich als Rückbesinnung auf die Soldatenzeit des Künstlers und dessen Überleben nach dem Flugzeugabsturz auf der Krim 1942. Monochromatische Ölbilder in braun zitieren das Element Erde – für Joseph Beuys ein wichtiger Bezugspunkt im Verhältnis Mensch und Natur. Ende der fünfziger Jahre betritt der Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela das künstlerische Leben von Joseph Beuys und bietet dem Hin- und Hergerissenen eine Heimstatt von außerordentlicher Bedeutung und Zuverlässigkeit. 1965 zeigt die Galerie erstmals Beuys-Werke in einer kommerziellen Ausstellung. Beuys präsentiert innerhalb der Ausstellung „... irgendein Strang ...“ die Aktion „wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ - mit vergoldetem Kopf und einem toten Hasen im Arm. Eine andere wichtige Galerie für Beuys war die von René Block in Berlin, in dessen New Yorker Dependance er die dreitägige Aktion „I Like America And America Likes Me“ durchführte. Davon ist in Düsseldorf ein 16mm Film auf DVD zu sehen. Das imaginäre „Eurasien“ war für Beuys eine Landschaft, in die er seine Auseinandersetzung mit der Natur und ihren Zyklen transportierte. Das Nomadenhafte, das Schamanistische – Joseph Beuys hat die Evolution der Natur und der Landschaften künstlerisch begleitet, durchschritten und mit markanten Landkartenformen geprägt. Große Vitrinen wie „Lagerplatz“ waren für Joseph Beuys Vehikel zum Transport musealer Ausstellungsrealität in eine naturhistorisch ausgerichtete: Objekte und Reste seiner Aktionen bleiben als archivierte Zeugen präsent, verändern aber ihre Aussage. In den Glaskästen spiegeln sich Momente seiner dem erweiterten Kunstbegriff nahe kommenden Realität.

Herausragend an den „Parallelprozessen“ in Düsseldorf sind neben der Vielzahl der kleinformatigen Objekte die großen Rauminstallationen und Skulpturen. Dazu gehört die raumgreifende Arbeit „The Pack (Das Rudel)“ und die Werkgruppe „Fonds“, die aus acht verschiedenen Arbeiten mit den Materialien Filz und Kupfer besteht und das Speichern und Leiten von Energien symbolisiert. Es fehlen weder die aus mehreren Doppelobjekten bestehende Rauminstallation „zeige deine Wunde“ (1974/75), die Utensilien und Geräte der „Honig- pumpe am Arbeitsplatz“ (1977) oder die „Straßenbahnhaltestelle“ (1976). In der letzten großen Raumarbeit „Palazzo Regale“ (1985) beschäftigt Beuys sich in besonderer Weise mit dem Tod, der ihn selbst am 23. Januar 1986 heimsuchte. „Palazzo Regale“ ist das Vermächtnis eines Künstlers, der sich nicht auf Filz und Fett reduzieren lässt sondern der in seinem tiefen Glauben an die Veränderbarkeit der Gesellschaft durch Kunst seine Profession fand. Die Installation vermittelt Überlebensstrategien an der Schwelle, wo nur noch der Tod sein Unwesen treibt. Der Ausstellung „Parallelprozesse“ gelingt es, den oft schwierigen Zugang zur Kunst von Joseph Beuys in komplexer Dichte zu vereinfachen.

Parallel zu „Parallelprozesse“ läuft im Museum Schloss Moyland in Bedburg-Hau die Ausstellung „Energieplan“. Für die „Parallelprozesse“ war der dortige Beuys-Bestand offensichtlich kein lohnenswerter Quell der Inspiration. Denn es fällt auf, dass aus Moyland nicht eine Arbeit den Weg nach Düsseldorf gefunden hat. Nicht gut genug? Oder setzt sich hier der kaum nachvollziehbare Prozess der Entzweiung zwischen dem Museum Schloss Moyland und den Joseph-Beuys-Erben fort? Wie die Ausstellungen in Bedburg-Hau und Düsseldorf geradezu exemplarisch zeigen, ist Beuys nicht teilbar. Sein Werk besteht zwar aus parallelen Prozessen, die aber nicht als Parallelität sich gegenseitig behindernder Prozesse zwischen Bedburg-Hau und Düsseldorf zu deuten ist. Das Museum Schloss Moyland als Hüterin des Joseph-Beuys-Archivs findet im Katalog oder in Presseerklärungen keine Erwähnung. War das alles so unwichtig, was Beuys geschaffen und den Brüdern van der Grinten überlassen hat? Wenn auch das Museum Schloss Moyland in Fußnotentexten einiger Katalogbeiträge auftaucht – eine kompetente Verwaltung des Beuys-Erbes sollte eigentlich anders aussehen und sich nicht in Kleinstaaterei aufreiben.
Joseph Beuys “Parallelprozesse” (-16.01.2011)
K 20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf.
Geöffnet: di – fr 10-18 Uhr, sa 11-22 Uhr, so + feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: 10/5 Euro
Tel.: 0211-83 81-204, Fax 0211-83 81-250
service@kunstsammlung.de
Katalog (Verlag Schirmer/Mosel) in der Ausstellung: 49,90 Euro
www.kunstsammlung.de
© 01. Dezember 2010  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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