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Der Kreis um Anton Stankowski - Kunsthalle Göppingen

Otl Aicher (1922-1991) ist vielen älteren Sportinteressierten eine feste Größe, obwohl die meisten von ihnen den Namen wahrscheinlich gar nicht kennen. Seine Handschrift als Designer ist es, die auf seine Spur führt. Denn Aicher gestaltete für die Olympischen Sommerspiele in München 1972 ein bis heute auch international gebräuchliches System von Piktogrammen, deren sich selbst erklärende Darstellungen als Wegweiser zu den Sportstätten dienten. Aichers Name steht wegbereitend für den immer noch aktuellen Begriff des Corporate Design, seine Arbeiten für Firmen und Institutionen wie Lufthansa, ZDF oder Braun und der Entwurf der Schrift „Rotis“ prägten viele Designergenerationen nach ihm.
Was hat das nun wieder mit dem ebenfalls in breiten Bevölkerungskreisen unbekannten Anton Stankowski zu tun? Otl Aicher zählte zum „Kreis um Anton Stankowski“, dem Maler, Typo- und Fotografen (1906-1998), der an mehreren Standorten mit einer Ausstellung geehrt wird, in der weitere sechsunddreißig Künstler mit ihren Werken vorgestellt werden. Alle waren auf unterschiedliche Weise eng mit Anton Stankowski verbunden, der unablässig mit gestalterischen Arbeiten beschäftigt war, die sowohl die freie Kunst als auch Werbe- und typografische Aspekte bedienten. Die gemeinsame Maxime hörte sich fast an wie aus der Reklameschrift eines Gemischtwarenladens: „Ob Kunst oder Design ist egal – nur gut muss es sein.“ Dieser Satz wurde zum Wahlspruch, zur Leitaussage, die den Unterschied zwischen Kunst und Design auflöste.



Als dritte Station präsentiert die Kunsthalle Göppingen (nach Gelsenkirchen und Wiesbaden) einen kompakten Querschnitt durch faszinierende Welt der bildenden Kunst im Kreis der Grafik, der Werbung, der Typografie, des Designs bis hin zur Fotografie und zur Konkreten Poesie. Je größer der Kreis um Anton Stankowski wurde je intensiver wurden die persönlichen Verbindungen untereinander. Nach dem Studium bei Max Burchartz an der Folkwangschule in Essen zog es Stankowski nach Zürich, wo er mit dem Bauhauskünstler Max Bill sowie zu Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg intensive Kontakte unterhielt. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft öffnete er 1951 in Stuttgart ein eigenes Atelier eröffnete, dem Deutschen Werkbund beitrat und in der Folgezeit zu einem der bedeutendsten deutschen Konstruktivisten reifte. Stankowski arbeitete auch als Berater für „visuelle Kommunikation“ für die Olympischen Spiele 1972 in München an einer neuen Symbiose von Grafik, Typografie und Bild.

Mit vielen, die in der Grafikerbranche Rang und Namen hatten, stand Anton Stankowski in fruchtbarer Verbindung. In Zürich waren das neben Max Bill der Entwerfer des Landistuhls Hans Coray sowie Hans Neuburg, mit dem Stankowski das Plakat für „Super Bouillon Liebig“ (1934) gestaltet hatte. Die Stuttgarter Jahre (1950er-1960er) erlebte Stankowski intensiv mit Josef Albers, Max Bense, Willi Baumeister, Karl Gerstner. Ebenfalls in Stuttgart entwickelte sich die Verbindung zu Otl Aicher, Rupprecht Geiger, Hermann Glöckner, Eugen Gomringer, Erwin Heerich, Donald Judd und Gunter Rambow (1970-1990er Jahre).



Helmut Heißenbüttel, für den Anton Stankowski das Ausstellungsplakat zu „Typogramme“ (1985) gestaltete, schreibt über den Künstler: „Anton Stankowski hat keine Gedichte geschrieben, gesetzt, müsste ich korrekt sagen, auch keine 'konkreten'. Aber es ist Literatur, was er versucht hat.“ Anton Stankowski ist es – wie die Ausstellung deutlich macht – gelungen, das viele Jahre schwierige Verhältnis zwischen der freien und der angewandten Kunst zu befrieden und in kooperative, sich gegenseitig befruchtende Bahnen zu lenken. Er hat einen Dialog eröffnet, in dem beide Seiten offen und konstruktiv ihre Positionen vertreten und, was noch entscheidender ist, annähern konnten. Zur Bereicherung der Kunst und des Designs.
Der Kreis um Anton Stankowski (8.07. - 05.09.2010)
Kunsthalle Göppingen, Hauptstraße 1, 73033 Göppingen
Tel.: 07161-650-0
Di-Fr 13-19 Uhr, Sa, So, an Feiertagen 11-19 Uhr
Katalog 29,90 Euro: avedition, Ludwigsburg
Weitere Infos: www.kunsthalle-goeppingen.de
© 01. Juli 2010  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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