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SIMON RUMMEL - Neuer „Improviser in Residence“ der Stadt Moers

Angelika Niescier geht, Simon Rummel kommt. Wenn der junge Musiker und Künstler am 1. Februar sein Amt in Moers mit einem Gesprächskonzert antritt, ist das erste Jahr des Experiments „Improviser in Residence“ erfolgreich beendet. Den entscheidenden Anteil daran trägt Angelika Niescier, die prägend das Amt mit Hingabe und Initiative ausgefüllt hat, wie Moers-Festivalleiter Reiner Michalke und Carmen Weist, Aufsichtsratsvorsitzende der Moers Kultur GmbH, lobpreisend anmerkten. „Es war ja die Idee, das Moers Festival sozusagen über das Jahr in die Stadt zu bringen,“ resümierte Michalke, „aber ehrlich gesagt habe ich das so erfolgreich nicht erwartet.“ Simon Rummel stand schon länger auf seinem Zettel, verriet Michalke. „Er wird einen anderen Ansatz wählen als Angelika Niescier, was auch gut so ist.“
Er war gedanklich wohl bestens eingerichtet, nur formulieren konnte/wollte Simon Rummel, neuer „Improviser in Residence“ des Jahres 2009 in Moers, sein Konzept nicht so richtig. Er wirkte schlecht vorbereitet im Pressegespräch, was aber vielleicht schon zum Plan gehörte. Denn Simon Rummel liebt das Unerwartete, die Überraschung, was sich halt ergibt beim Improvisieren.

Simon Rummel stammt aus Trier, wo er 1978 geboren wurde. Mit acht Jahren wurde er dort Sängerknabe, was ihn die Möglichkeit gab, vom Blatt zu singen und Partituren zu lesen. „Das war für mich sehr wichtig.“ Ab 1999 studierte er an der Kölner Musikhochschule bei John Taylor und war Schüler von Hans Lüdemann, Paulo Alvares, Johannes Fritsch. Dort merkte er, dass der Jazz eigentlich ein „untaugliches Vehikel“ ist, seine Vorstellungen vom Umgang mit Musik umzusetzen. Später studierte er an der Kunstakademie in Düsseldorf freie Kunst und fertigte erste grafische Partituren. Mit dem von ihm geleiteten Kammerensemble „Fantasmofonika“ realisiert er eigene Kompositionen an ungewöhnlichen Orten und spielt Bearbeitungen unterschiedlichster musikalischer Strömungen: Volkslieder, Kammerjazz, Neue Musik und experimentelles Musik- und Tanztheater. Simon Rummel balanciert ebenso konsequent an der Schnittstelle von Partitur und Grafik und stellt die Komposition in die vorderste Linie. Was eigentlich ein Widerspruch zur Improvisation darstellt...


Was genau sich ein Jahr lang in Moers abspielen wird, wurde nur ansatzweise deutlich. Fest eingeplant sind Kooperationen mit dem Schlosstheater und Konzerte an den Orgeln in der Stadt mit traditioneller und improvisierter Musik. „Ich möchte sehr gerne zeigen, das jeder täglich improvisiert, ob morgens vor dem Kleiderschrank oder im Beruf.“ Dazu schwebt ihm ein Projekt vor mit Interviews Moerser Bürger über das Unerwartete, Improvisierte. Und er möchte möglichst alle Musiker und Gruppen in der Stadt kennen lernen. Möglich wird das dadurch, weil Simon Rummel (fast) alles hinter sich abbricht und ständig in Moers wohnen möchte.
Als ein wichtiger Baustein des Projektes „nimm! – Netzwerk Improvisierte Musik Moers“ soll der „Improviser in Residence“ in Moers dazu beitragen, experimentelle Weiterentwicklungen im Kulturleben der Stadt zu verankern. Dank der äußerst großzügigen Förderung durch die Kunststiftung NRW und des Netzwerkes Neue Musik – eine Initiative der Bundeskulturstiftung – stehen auch dem neuen Improvisierer Simon Rummel Tür und Tor offen.
© 01. Februar 2009  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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