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David Shrigley - Monotypien - Museum Ludwig Köln

Die grüne Schlange windet sich wie ein seitenverkehrtes E, wie ein B ohne den senkrechten Strich durch ein Universum, das nur aus einer weißen Fläche, dem Hintergrund besteht. In ihrem Mund hält sie eine Filterzigarette, die an der Spitze rot glüht und deren Qualm fast zart in die weiße Fläche eindringt. Ergötzlich, wie David Shrigley mit wenigen Strichen, mit ein paar geraden und gerundeten Linien die Komik und das Lachsackverhalten in seine Zeichnungen bringt, ohne dass bei ihm von Comics zu reden wäre.

Ein schwarzes, stilisiertes Gotteshaus, aus dem sehr viel höhere Flammen schlagen als das Gebäude selbst misst: die Apokalypse fegt in den christlichen Tempel hinein und scheint sämtliche Inhalte im Feuer- und Aschenregen hinaus zu schleudern. Neunzehn Mal das Wort „Yeah“ in schwarz, auf farbigen Linien: da entsteht Musik ohne Töne. Die frei schwebende Pistole vor einem Wesen, das eher als „ET“ durchgeht denn als Mensch, ein Kopffüßler wie von Kinderhand gezeichnet, mit doppelt so langen Armen wie die Beine, hoch über den Kopf gehalten, eine Ergebenheitsgeste, ein Zeichen der Kapitulation. Vor wem, das verschweigt David Shrigley, er zeigt nur die Bedrohung und bekundet damit eine Form namenloser Gewalt. Doch in dieser skizzierten Geste steckt mehr, nämlich die Absurdität bekannter Verhaltensweisen und Motive.

David Shrigley wurde 1968 in Macclesfield geboren. Zwei Jahre später ging die Familie nach Leicester, und an der Glasgow School of Art studierte er von 1988 - 1991. Heute lebt Shrigley in Glasgow. „Ich mochte immer Rene Magritte und Phillip Guston, aber genauso bewunderte ich den Autor Donald Barthelme. Und ich liebte die Bücher von Joseph Conrad sehr, obwohl sein Einfluss auf mich nicht so bedeutend war wie der von Magritte und Guston.“ (David Shrigley in einem Interview von 2004)

Mit der Wahl der künstlerischen Technik riskierte Shrigley eine ganze Menge, denn Monotypien zeichnen sich dadurch aus, dass es nur einen gedruckten Abzug gibt. So genial einfach, aber wirkungsvoll seine Zeichnungen sich ins visuelle Gedüchtnis pressen, so kalauerverschworen und treffend-witzig sind seine Texte. „Ants Have Sex In Your Beer“ radebrecht genauso mit obskuren Sinnbildern wie die Ausflüge in die Absurdität. Oft bestehen die Zeichnungen mehr aus Text als aus Linien, Kreisen, Punkten. Die Serie "The Gaurdian's Saturday Magazine" benutzt die Zeichen des Comics, bleibt aber nicht in vordergründiger Kurzweil stecken. Und gar nicht freundlich präsentiert sich die Serie „Who I Am And What I Want". Darin offenbart David Shrigley seine dunklen Seiten, offen und ehrlich, aber auch abstoßend und wenig schmeichelhaft.

Soll man es dem schräg-schwarzen englischen Humor zu schreiben, dass Shrigley ein Banner mit dem Wort „Death“ an der Anton Kern Gallery in New York während seiner dortigen Ausstellung aushängt? Ja, das soll man, denn des Künstlers Seele ist humorgeschwärzt wie ehemals die englischen Bergleute kohlegeschwärzt waren. Dazu passt: „If I Find Out Who You Are I Will Kill You“. Natürlich steckt dahinter keine Todessehnsucht oder selbstzerstörerisches Gebaren, dahinter stecken die Freude an Wortspielereien und das Entzücken über doppelsinnige Geschwätzigkeiten.

Klaus Hübner


David Shrigley - Monotypien (- 09.11.2008)
Museum Ludwig, Köln, Heinrich-Böll-Platz
Di-So und feiertags 10-18h, jeden 1. Freitag im Monat 10-22h
Ticket 9/6 Euro
Weitere Infos: www.museum-ludwig.de
Weitere Infos: www.museum-ludwig.de
© 01. September 2008  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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