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BOB DYLAN – THE DRAWN BLANK SERIES - Kunstsammlungen Chemnitz

Rockmusiker, die ihre angestammten Pfade zeitweise ver- und in der bildenden Kunst ihre Abdrücke hinterlassen habe, gibt es einige: Ron Wood, Udo Lindenberg, David Bowie. Zum Beispiel. Vor zwei Jahren entdeckte Kunstsammlungsleiterin Ingrid Mössinger einen weiteren Musiker, der neben dem Notensetzen mit Bleistift und Kohle hantierte und den sie für nun für eine Ausstellung in Chemnitz gewinnen konnte. Bob Dylan.

Bob Dylan hielt in den Jahren des Aufbruchs, des gesellschaftlich-kulturellen Widerstands den Schlüssel zu den Herzen und den Denkkanälen der Jugendlichen in der Hand. Songs von schmerzhafter Wahrheit (für die Alten) und von Sprache gewordener Wut (für die Jungen) kullerten wie am Faden gezogen aus seiner Liederschmiede, und was er als Wort in den Mund nahm, hielten die Empfänger triumphierend wie eine Standarte vor sich hin: „Like A Rolling Stone“. Immer klebte der unsichtbare Sticker mit dem großen „P“ für Protest auf seiner Musik, seinen Platten, seinem Leben.



Dass er neben musikalischer Übergröße noch andere Qualitäten besitzt – das zu erkennen muss man bis nach Chemnitz fahren, in die Kunstsammlungen, wo die weltweit erste Ausstellung von Dylans „The Drawn Blank Series“ gezeigt wird. 170 Aquarelle und Gouachen zeigen etwas von der Nebentätigkeit des Musikers – Männer- und Frauenporträts, Landschaften, Städteansichten, Gebäude, Schiffe, Autos. Tägliches Allerlei, was zunächst einmal gar nicht als museumswürdig erscheint. Es sei denn, die Arbeiten ragen weit über das Alltägliche hinaus. Oder der Künstler heißt Bob Dylan.



Entstanden sind die ausgesprochen farbigen Werke im Jahre 2007, als die Kunstsammlungen Chemnitz den Zuschlag für die Präsentation erhielten. Bob Dylan schuf in der Rekordzeit von acht Monaten 322 Arbeiten, denen Schwarz-Weiß-Zeichnungen in Bleistift und Kohle zugrunde liegen, die zwischen 1989 und 1992 während Reisen in USA, Mexiko, Europa und Asien entstanden. 1994 erschienen 92 Zeichnungen unter dem Titel „Drawn Blank“ als Buch; die Originale waren aber bisher nicht öffentlich zu sehen. Dylan selbst bezeichnete seine Zeichnungen als Skizzen für später auszuführende Gemälde. Das Ergebnis: eigene Motive wurden auf Büttenpapier übertragen und mit Aquarell- und Gouachefarben in neue Variationen getaucht. Der Künstler beließ es aber nicht dabei, sondern gestaltete durch Verdopplungen der Sujets mit unterschiedlicher farbiger Ausgestaltung den Charakter der ehemaligen Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Die bearbeiteten Vorlagen zeigen sich gegenüber dem gezeichneten Original von kraftvoller Opulenz. Bob Dylan hat einfach festgehalten, was vor seinen Augen auftauchte: Sonnenblumen, "Traumfrauen", Glockenturm in Stockholm, oder einen Bungalow am See. Sein "Gitarrenspieler" deutet nur schemenhaft den musikalischen Ausdruck von Zeichnung und Aquarell an. In Chemnitz hängen auch weniger überzeugende Werke des Sängers Dylan; das ist aber bei Joseph Beuys z.B. im Museum Schloß Moyland ebenso. Die Mehrheit der Arbeiten jedoch stehen für eine kleinliche, im positiven Sinne, Beobachtungsgabe und ein Gespür für Nuancen und Entwicklungen, die sowohl den Musiker wie den Zeichner und Maler Bob Dylan als mehrfach begabten Künstler vorstellen.
Bis 3. Februar 2008.
Kunstsammlungen Chemnitz, Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz.
Tel: 0371-4884424
Geöffnet di – fr 12 – 19 Uhr, sa, so, feiertags 11 – 19 Uhr.
Eintritt: 7/4 Euro
Katalog 28 Euro
Weitere Infos: www.kunstsammlungen-chemnitz.de
© 01. Dezember 2007  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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