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ROBERT WILSON - Max Ernst Museum Brühl des LVR

In der Reihe von spartenübergreifenden Produktionen zeigt das Max Ernst Museum Brühl des LVR vom 13. Mai bis zum 26. August 2018 eine Ausstellung des US-amerikanischen Regisseurs und Künstlers Robert Wilson. Der obsessive Sammler Wilson hat eine Auswahl seiner rund 11.000 Stücke umfassenden Sammlung von ethnografischen Artefakten aus unterschiedlichen Kulturen, Kontinenten und Epochen zu einer ortsspezifischen Rauminstallation mit eigenem Licht- und Sound-Design arrangiert. Ergänzt wird die Präsentation durch Requisiten seiner Theaterinszenierungen sowie Zeichnungen und Skizzen. Das Ergebnis ist eine Art Wunderkammer, die ganz

Robert Wilson Ausstellungsansicht, © Max Ernst Museum Brühl des LVR / Lucie Jansch



Robert Wilson gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten des Gegenwartstheaters weltweit. Hierzulande ist er vor allem durch seine Opern- und Musicalarbeiten mit Philipp Glass ("Einstein On the Beach", 1976) und Tom Waits ("The Black Rider", 1991) bekannt geworden. Ganz aktuell ist im Düsseldorfer Schauspiel seine Inszenierung von „Der Sandmann“ nach der Erzählung von E.T.A. Hoffmann zu sehen. Über die Jahre kollaborierte Wilson zudem mit zahlreichen Musikern, Schriftstellern und Performern, darunter Heiner Müller, Susan Sontag, Laurie Anderson, William S. Burroughs, Lou Reed, Jessye Norman und Marina Abramoviç. Diese aktive Vernetzung und Auseinandersetzung mit genre-, kultur- und generationenübergreifenden künstlerischen Positionen ist für Wilson bezeichnend und prägt seine originäre Formensprache, genauso wie seine Arbeit als bildender Künstler und Sammler.

Die Theaterarbeiten von Robert Wilson vereinen in ungewöhnlicher Weise eine Vielfalt künstlerischer Medien und Ausdrucksweisen, darunter Schauspiel, Tanz, Performance, Architektur, Licht, Malerei, Bildhauerei und Musik. Er schafft emotional aufgeladene Bilder, von kühler, prägnanter Schönheit, die gleichermaßen bei Publikum und Kritikern weltweit große Beachtung finden. Sein Umgang mit Zeit und Raum transzendiert das Bühnengeschehen ins Traumhafte. Damit befreit er sich von der europäischen Tradition der Textdeutung und öffnet die Situation für bildhafte Spekulation und phantasievolle Suggestion. Der spekulative Aspekt weist auf die Verwurzelung der Theaterarbeiten von Wilson in der bildenden Kunst hin. Die Bedeutung der assoziativen Logik verbindet ihn mit Traditionen nicht-westlicher Kulturen, aber im Besonderen natürlich mit dem Weltbild der Surrealisten.

Diese Geistesverwandtschaft ist den Surrealisten schon früh selbst aufgefallen: Anlässlich der Aufführung seines Bühnenwerks „Deafman Glance“ (Der Blick des Tauben) 1971 in Paris bezeichnete der Schriftsteller Louis Aragon den damals 30-jährigen Wilson in einem offenen Brief an André Breton, den Begründer der surrealistischen Bewegung, als legitimen Erben des Surrealismus. Wilson gelinge „das, wovon wir anderen, die den Surrealismus geboren haben, geträumt haben, dass es entstehen möge nach uns, über uns hinaus“. Die siebenstündige stumme Oper sei das schönste, was er jemals gesehen habe. Auch Max Ernst hat das Stück in Paris gesehen. Somit bietet sich das Max Ernst Museum als optimale Bühne für eine Inszenierung von Robert Wilson geradezu an – eine Inszenierung, die in exklusiver Zusammenarbeit mit Robert Wilson, seinem Studio (RW Work) und dem von ihm gegründeten Watermill Center entwickelt worden ist.

Im Zuge der Vorbereitungen besuchte Robert Wilson 2017 das Max Ernst Museum Brühl: „Ich wollte mir das Umfeld von Max Ernst näher anschauen und die Dinge, die ihn umgaben. Sein Umfeld ähnelt in mancher Hinsicht meinem eigenen – dem Watermill Center und meinem Appartment in New York. Dort zeigt sich eine Mischung verschiedener Kulturen und eine Zusammenstellung von Gegensätzlichem.“ Wie Max Ernst schöpft er seine Inspiration aus den Dingen, die ihn umgeben. Seine Herangehensweise folgt einer assoziativen Logik, die das Gewohnte ins Magische, Fremde und Seltsame entrückt. Dabei greift er als Material auf seine umfangreiche ethnologische Sammlung zurück, die er in Auswahl von rund 400 Stücken mit eigenen Zeichnungen sowie Bühnenrequisiten kombiniert. Zugleich nimmt er Impulse, Titel und gemeinsame Motive (etwa: Vögel als Vermittler zwischen den Welten) aus dem Werk und Leben von Max Ernst auf, lässt sie in das Assoziationsspiel einfließen, sodass sein eigener Schaffensprozess mit dem von Max Ernst im Sinne einer Kollaboration zweier Visionäre parallelisiert wird.

"Der Grund, warum ich als Künstler arbeite, ist, dass ich alles offen halten und Fragen stellen will", sagt Robert Wilson. Bewusst hat er in der Ausstellung auf Werkbeschriftungen verzichtet. Man begibt sich in eine Art surrealen Kunst- und Wunderkammer, die zum freien Fantasieren angeregt. Es ist ein Angebot, selbst und in freiem Erleben Bezüge jenseits konventioneller Erklärungen herzustellen, ganz im Sinne des Surrealismus und im Sinne einer Hommage an Max Ernst von Künstler zu Künstler.
Robert Wilson - The Hat Makes The Man
(13.5. – 26.8.2018)
In Kooperation mit dem Watermill Center
Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42, Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl
Tel +49 2232 5793 – 0
maxernstmuseum@lvr.de
www.maxernstmuseum.lvr.de
Di - So 11 – 18 Uhr
© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Text: Till Barz ||| Datenschutz
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