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ESMERINE - Indie-Kammermusik

Esmerine schien den Weg so manch ambitionierten Projektes gegangen zu sein: zwei hoch gelobte Alben in zwei Jahren, dann wieder Funkstille. Die Formation um Cellistin Beckie Foon (Thee Silver Mt. Zion) und Percussionist Bruce Cawdron (Godspeed You! Black Emperor) war aber nie ganz weg vom Fenster und ist fünf Jahre später mit Harfenistin Sarah Page und Percussionist Andrew Barr sogar zum Quartett angewachsen. Mithilfe zusätzlicher Musiker wollten sie wieder ein Stück moderner Kammermusik entwerfen.

Doch der tragische Tod der befreundeten Sängerin Lhasa de Sela, mit der sie im Vorfeld bereits einen Song aufgenommen hatten, bremste die Neuauflage. Sie erlag Anfang 2010 ihrem Brustkrebs. Beckie Foon erzählt, wie der Tod der Freundin Musiker und Musik beeinflusst hat, wie überhaupt der außergewöhnliche Esmerine-Mix aus Indie und Modern Music entstanden ist und warum gerade Montreal für ein solches Projekt perfekt ist.

Mit eurem Stil scheint ihr zwischen den Stühlen zu sitzen. Wie siehst du eure Musik?

“Es war schon immer schwierig für uns, unsere Musik zu beschreiben. Wir haben zum Beispiel alle einen klassischen Hintergrund. Bruce hat klassische Marimba studiert, Sarah klassische Harfe und ich Cello. Und Andrew ist einfach ein Multiinstrumental-Talent. Wir haben alle eine tiefe Verbindung zur klassischen Musik wie Mozart oder Bach, aber eigentlich zu allen Richtungen klassischer und zeitgenössischer Musik. Wir probieren auch neue Musik aus: Wir haben zum Beispiel etwas von Arvo Pärt gespielt, und wir sind bestimmt auch davon beeinflusst, wie Steve Reich oder Philip Glass ihre Musik arrangieren. Ich denke, wenn man es benennen will, kann man sagen, wir haben so etwas wie einen modernen Kammermusik-Stil. Aber wenn du dir unsere anderen Bands anschaust, siehst du, dass wir auch schon mal gerne lauten, punkigen Rock machen. Esmerine ist aber auf jeden Fall unsere Nische, wo wir unsere akustische Seite ausleben, die Verstärker und Pedalboards abschalten, und die wirkliche akustische Resonanz unserer Instrumente erforschen können.”

Was macht den Stil von Esmerine aus?

“Ich denke, es ist die einzigartige Instrumentierung. Für uns ist es ein riesiger Spaß, die Instrumentierung zu erforschen. Zur Zeit besteht die Band zum Beispiel aus Harfe, Cello und zwei Marimbas, und wir spielen diverse andere melodische Percussioninstrumente und afrikanische Instrumente, die wir auf unseren Reisen entdeckt haben. Wir haben alle großen Spaß daran, den Raum zwischen Percussion und Melodie zu auszutesten.”

Warum hattet ihr eine so lange Pause?

“Wir hatten einfach ständig etwas zu tun. Ich war sehr viel mit The Silver MT. Zion unterwegs. Und wie du weißt, ist Godspeed wieder zusammen gekommen. Außerdem waren da viele Projekte, wir haben zum Beispiel auch Filmmusiken gemacht. Die Jahre gehen einfach so rum. Ich weiß, das klingt lächerlich, aber irgendwie ist es so. Aber für uns war immer klar, dass es mit Esmerine weiter geht. Wir haben in den Jahren auch immer wieder Shows gespielt, meist in der Region Quebec. Wir haben dann auch eine Show für Lhasa de Sela eröffnet. Dort haben wir Sarah und Andrew kennen gelernt und angefangen mit ihnen zu spielen.”

Wie war die Zeit, nachdem Lhasa gestorben war?

“Wir haben auf ihrer Beerdigung gespielt mit ganz vielen Musikern in Montreal. Lhasa war eine große Inspirationsquelle für mich und für alle anderen bei Esmerine. Sie war eine Freundin und eine magische und schöne Seele. Und auch wenn sie nicht mehr hier auf der Erde ist, ist sie ein Teil unseres Lebens. Sie hat ja auch geholfen, uns zusammen zu bringen. Es ist schwierig darüber zu sprechen, aber ihre Kreativität und Magie ist definitiv auch in diesem neuen Album. Schließlich ist es in dem Jahr entstanden, nachdem Lhasa gestorben ist.”

Montreal ist bei als Musikstadt nicht so bekannt. Was macht die Szene dort aus?

“Es gibt hier einen besonderen Gemeinschaftssinn. Ich denke, der Aufbau der Stadt spielt da eine Rolle. Sie ist sehr abgeschlossen und es ist alles dicht beieinander. Es gibt auch eine hohe Künstler- und Musikerdichte und viele coffee shops. Und jeder kennt jeden. Es ist sehr einfach Leute zu finden, mit denen man arbeiten kann, die mit Spaß und Energie dabei sind. Zumindest scheint mir das über die Jahre so. Es ist definitiv ein Gemeinschaftssinn in der Stadt.

Aktuelles Album: La Lechuza (Constellation / Southern Records)
Weitere Infos: http://cstrecords.com/cst080/
© 06. Januar 2011  WESTZEIT ||| Text: Ulf Kneiding ||| Foto: Brigitte Henry
Januar 2011

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