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Jenifer Jackson - Free as a Bird

Jenifer Jackson, die sympathische Songwriterin aus New Jersey, nimmt eine Sonderstellung auf dem gestandenen Männer-Label ulftone ein. "Das ist ganz schön hart, die einzige Frau auf diesem Label zu sein", meint sie schmunzelnd, "aber die sind sooo toll. Ich hatte so ein Glück, denn die haben mich gefunden ...

Als ich die Platte "Birds" gemacht hatte, und diese wie Sauerbier anbieten mußte, sie verschickte, hinterhertelefonierte, da war ich nahe dran, aufzugeben - so unangenehm war das. Ich hatte vorher nur CDs im Eigenvertrieb rausgebracht. Jetzt bin ich froh, endlich ein richtiges Label gefunden zu haben." Das Business ist es dann auch, was Jenifer an ihrem Job am wenigsten liegt. Aber: Wem geht das anders? Auf der Bühne indes ist sie in ihrem Element. Denn sie verfügt über das seltene Geschick, mit dem größten Selbstverständnis vor ein vollkommen unbekanntes Publikum hintreten - und dieses auf ungekünstelte und unspektakuläre Art sofort für sich einnehmen zu können. "Ja, das ist es, was ich liebe", bestätigt sie, "das und das Aufnehmen von Stücken." Ihre offizielle Debut-CD, "Birds", wurde in Nashville eingespielt. Was einen ganz einfachen Grund hat: "Der Produzent, Brad Jones, hatte mir angeboten, die Scheibe praktisch kostenlos aufzunehmen. Leider war es nicht möglich, meine Band mitzunehmen. Das ist zwar schade, aber da mußte ich Kompromisse eingehen. Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall mit der Band aufnehmen." Obwohl man nicht unbedingt den Eindruck hat, daß die Band der Dreh- und Angelpunkt im Schaffen der Jenifer Jackson ist. Ihre sich um die kristallklare, samtweiche, durch Jazzgesang geschulte Singstimme rankenden Lieder unterteilen sich in stille, melancholische Folksongs - und die Anderen. "So sehe ich das aber nicht!" wirft sie ob dieser pauschalen Verurteilung vehement ein. Was aber mit "den anderen" Songs gemeint war, sind die heimlichen "Hits" des Albums, wie "Mercury, the Sun and Moon", die im Vergleich zu den akustisch angelegten Sachen produziert klingen. "Ach so - ja, das war aber eher so eine Art Witz", erläutert Jenifer das, "´Mercury´ ist ein älteres Stück und ich wollte es eigentlich gar nicht auf die Scheibe nehmen. Meine Mutter riet mir aber diesbezüglich zu, weil das ein schöner Popsong sei, zu dem die Leute leicht Zugang finden könnten ... Brad machte eine Drumloop aus einem indischen Disko-Stück und dann spielten wir darüber ... Wie es der Teufel wollte, erkor das Label (Ulftone) diesen Song als "Hit". Ulf war auch derjenige, der mich auf die Idee brachte, den Song in italienisch aufzunehmen. Ich spreche Italienisch und habe den Text dann übersetzt. Patrick Sansone hat den Track remixed." Ja, aber Witz hin oder her: Ist es denn nicht gut, so ein Stück auf der Scheibe zu haben - eben weil es sofort ins Ohr geht und dort auch verweilt. "Ja, doch, durchaus", gibt Jenifer zu, "es ist sogar so, daß dieses Stück mein Denken und die Art, in der ich schreibe beeinflußt hat." Das stimmt: Auf der Tour, die sie als Support für Sophie B. Hawkins absolvierte spielte Jenifer auch einige neue, poppigere Tracks. Dennoch: Auch der Pop ist nur ein Mittel, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Jenifer Jackson ist wie ein fragiler, schöner Vogel in der rauhen Welt des Business - der allerdings auch schöne Songs schreiben kann.
© 13. Dezember 2001  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Dezember 2001

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