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SLEEPING WITH SIRENS - Verloren oder gefunden?

Immer öfter entwickeln Bands aus dem Metalcore- und Pop-Punk-Bereich Sympathien für Popmusik, denn mit dem Erfolg kommt der Druck beständig abzuliefern. Viele Faktoren spielen zusammen, viele unterschiedliche Dinge passieren, aber am Ende sieht man oft dasselbe Ergebnis: beim dritten oder vierten Album ist die Band, die man wegen ihrer heftigen Riffs und perfekt platzierten Screams doch so geliebt hat, gar nicht mehr so düster.

Bei Sleeping With Sirens geht es seit längerer Zeit relativ dramatisch zu. Nachdem ihr Sound nach Hits wie ´If I'm James Dean, You're Audrey Hepburn´ schon seit 2015 ein gemäßigteres Tempo anschlug, verließ die Band mit ihrem letzten Album ´Gossip´ endgültig die bekannten Gefilde des Post-Hardcore und probierte sich in eher pop-orientierten Melodien und sanfteren Tönen. Diese Entwicklung wurde von Fans und Öffentlichkeit zwiespältig aufgenommen – die einen begrüßten den neuen, frischen Sound und unterstützten die Band, die anderen sahen den Untergang von der Marke Sleeping With Sirens, so wie sie sie kannten, gekommen.

Bei all dem Wirbel ist es eine große Herausforderung sich selbst nicht zu verlieren und sich nicht unterkriegen zu lassen – das schafft nicht jeder. Der Sleeping With Sirens-Frontmann und -Sänger Kellin Quinn litt die letzten zwei Jahre an Depressionen und Alkoholsucht. Inwiefern seine schlechte Verfassung von seinem Job abhing, weiß nur er selbst, klar ist jedoch trotzdem, dass sein Dasein in der Band neben persönlichen Konflikten einen großen Einfluss darauf gehabt haben muss. Nach einer verzweifelten Phase, in der er nicht mehr wusste, ob er überhaupt nochmal ein Album fertig bringen könnte, zog er einen Schlussstrich, kehrte dem Alkohol innerhalb von einer Woche den Rücken und begann mit Gitarrist Jack Fowler die Arbeit am neuen Album. Lead-Gitarrist Nick Martin erinnert sich:

„Wir haben wie aus heiterem Himmel mit diesem Album angefangen und dann schnell realisiert, dass Kellin sich viel von der Seele reden musste und wir auch. Auf einmal hatten wir ein ganzes Album.“

´How It Feels To Be Lost´ handelt genau von dem titelgebenden Gefühl. Die Band verarbeitet auf dem Album tiefgehende Probleme mit sich selbst im Konflikt mit seinem Umfeld. Es geht um Überforderung und Ausweglosigkeit. Das Schreiben war ganz klar ein Heilmittel für Quinns Probleme, sodass die Band jetzt wieder gestärkt an die Öffentlichkeit treten kann. Ab jetzt soll es wieder mehr um die Musik an sich gehen – Fragen zu Quinns Verfassung der letzten Monate oder wie er es geschafft hat seine Probleme zu überwinden möchten SleepingWith Sirens nicht beantworten.

Stattdessen erzählt der Gitarrist davon, wie die Band darüber entscheidet, ob ein Song gut ist oder nicht:

„Wir müssen ihn lieben. Er muss uns auf einer tieferen Ebene berühren und uns voll und ganz repräsentieren. Wir müssen es zu 100% fühlen.“

Diese Ansicht erkennt man auch sofort in den neuen Songs wieder, denn sie strotzen vor Herzblut. Um solche Songs aber überhaupt schreiben zu können, muss man sich von den Erwartungen von Öffentlichkeit und Fans loslösen und sich voll und ganz auf sein kreatives Schaffen konzentrieren und verlassen. Genau das haben Sleeping With Sirens Ende 2017 gemerkt, sodass der Schreibprozess bei ´How It Feels To Be Lost´ sich nach langer Zeit wieder fokussierter und organischer angefühlt habe. Sie kreierten die Musik, die genau das reflektierte, was sie gerade fühlten. Welche Art von Musik dabei rauskommt, ist ihnen im ersten Moment einfach egal.”

„Musikalische Veränderungen gehören zur Entwicklung von Künstlern dazu. Wir entscheiden uns nicht aktiv zu Veränderungen, sondern sie basieren einfach darauf. wie wir uns gerade fühlen und was wir durchmachen. Ich bin glücklich darüber. wie das Album jetzt klingt, und in diesem Fall klingt es eben einfach wieder ein bisschen heftiger.“

Mit einem Album voller Hymnen ans Anderssein kommen sie ihrer Verantwortung für Emo-Herzen ab jetzt wieder nach. ´How It Feels To Be Lost´ widmen Sleeping With Sirens sowohl den neu gewonnenen Fans, als auch den Diehards mit den Worten:

„Wir wollen, dass dieses Album unsere neuen Fans begeistern wird. Für unsere Diehards Fans – wir möchten euch geben, was ihr verdient habt. Das ist das Album, auf das ihr gewartet habt.“

Aktuelles Album: How It Feels To Be Lost (Sumerian / ADA / Warner)
© 01. Oktober 2019  WESTZEIT ||| Text: Maren Schüller ||| Datenschutz
Oktober 2019


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