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JOSH ROUSE - Jenseits der Komfortzone

Zwanzig Jahre lang hat sich Josh Rouse musikalisch immer weiter von den britischen Helden seiner Jugend in den 80ern entfernt und sich als Singer/Songwriter mit scharfsinnigen Texten und berührenden Melodien eine eigene Nische zwischen klassischem Country und souligem Pop geschaffen. Für seine neue LP ´Love In The Modern Age´ suchte der Amerikaner nun nach neuen Herausforderungen.

Identitätskrisen, Angstzustände, Depressionen: Mit ´The Embers Of Time´ hatte sich Josh Rouse vor drei Jahren tief in seine Seele blicken lassen. Für den Nachfolger schwebte ihm nun aber eine sorgenfreiere Platte mit neuer Perspektive vor. Deshalb verzichtete er dieses Mal darauf, akustisch basierte Arrangements mit seiner Band zu erarbeiten und schichtete größtenteils allein einen deutlich Synthesizer-orientierten Sound am Laptop auf. Als kompletten Neuanfang sieht Rouse ´Love In The Modern Age´ dennoch nicht.

„Es fühlte sich für mich an, als würde ich gleichzeitig zurückgehen und voranschreiten“, erklärt der 46-Jährige, als wir in daheim in Nashville erwischen, wo er nach vielen Jahren in Spanien inzwischen wieder lebt. In der Tat sind seine neuen Lieder wieder britischer gefärbt. Die Produktion ist derweil moderner, wenngleich sich Rouse auch einer Reihe von Versatzstücken aus den 80ern bedient. Synth-Sounds und Saxofonsolos am Rande des Kitsches legen dabei nahe, dass er die Platte eher als Fingerübung denn als Hommage an diese Ära betrachtet.

„Ja, die Idee war, mich an etwas heranzuwagen, was außerhalb meiner Komfortzone liegt“, bestätigt er. Angst, sich damit zu weit von seinen inzwischen zwei Jahrzehnte lang kultivierten Tugenden zu entfernen, hatte er allerdings nicht. „Meine Stimme, meine Reime, meine Gesangsmelodien und mein Timing sind das, was meiner Musik ihre Identität gibt“, sagt er selbstbewusst. „Das wiegt schwerer als die Instrumentierung.“

Dennoch ist auffällig, dass Rouse seine Inspirationsquellen dieses Mal offener zutage treten lässt. Sofort bei der Eröffnungsnummer ´Salton Sea´ klingen The Cure durch, seine Liebe zu The Smiths blitzt gleich mehrfach auf, und auch der Einfluss von Roxy Music oder The Blue Nile ist unüberhörbar. Noch wichtiger war allerdings, das Rouse nach der Lektüre von Sylvie Simmons lesenswerter Biografie ´I´m Your Man´ das stark Synth-geprägte 80er-Jahre-Oeuvre von Leonard Cohen für sich entdeckte. Besonders angetan war Rouse von Cohens Idee einer „Jazzpolizei“.

„Sobald seine Musiker etwas anderes als die üblichen Dur- oder Mollakkorde gespielt haben, hat er sie gestoppt, denn er wollte die Begleitung so elementar wie möglich halten, damit sie seinen Texten nicht im Weg steht“, erklärt er. „Ich bin sicherlich kein Poet wie Leonard Cohen, aber mir gefiel seine Sichtweise.“

Für seine neue Platte wollte Rouse deshalb die textlichen Inhalte ohne große musikalische Ablenkungen präsentieren.

„Das war nicht immer leicht, weil ich Melodien so sehr mag“, gesteht er lachend.

Jetzt freut er sich ganz besonders auf die kommende Tour, die ihn im April auch zurück nach Europa führt.

„Das letzte Jahr habe ich vornehmlich damit verbracht, mit meiner Familie hier in den USA heimisch zu werden, und hatte nicht viele Chancen, vor Publikum zu stehen“, verrät er. „Letzte Woche hatte ich dann endlich wieder einen Auftritt, und ich stellte fest, wie sehr ich das vermisst habe!“

Aktuelles Album: Love In The Modern Age (Yep Roc / H´Art) VÖ: 13.04.
Weitere Infos: www.joshrouse.com
© 01. April 2018  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: York Wilson
April 2018

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