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HENRY GREEN - Verschobene Musik

Obwohl der Brite Henry Green 2013 über einen Kygo-Remix seines MGMT-Covers ´Electric Feel´ erstmals ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangte und im Anschluss daran über eine Connection zu dem angesagten Produzenten Nicolas Rebscher eine Session in Berlin absolvierte, ist er doch zunächst und vor allen ein Kind seiner Heimatstadt Bristol – einem „kleinen Ort im Südwesten“, wie Henry sagt, der für uns Musikfans – spätestens seit Portishead – zu den ganz großen gehört.

„Ja, ich werde gerne mal mit Portishead verglichen“, räumt Henry dann auch gleich ein. Das mag daran liegen, dass er, als eigentlich konventioneller Songwriter, sich ganz besonders für elektronische Elemente, Sounddesigns und Effekte interessiert, die er in seine Songs mit einwebt. Klassische Trip-Hop- oder gar Club-Musik macht Henry dennoch nicht. Wie gelangte er zu seinem zu seinem ungewöhnlichen Stilmix?

„Nun, ich komme aus der Singer/ Songwriter-Ecke“, erläutert Henry, „das fing bei mir ganz standardisiert mit einer Gitarre an, die ich zu Weihnachten bekommen hatte. Aber im Alter von 15 oder 16 habe ich elektronische Musik für mich entdeckt und mich für die Funktion des Produzenten begeistert, der alle Songs in die Form bringen kann, in der er sie haben möchte. Und am Ende kam noch meine Vorliebe für Ambient-Musik und Atmosphäre hinzu. Wo das dann her kam, kann ich mir selbst nicht richtig erklären. Ich vermute, dass es damit zusammenhängt, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin, wo alles ein wenig ruhiger zu geht – und das hat sich auf meine Songs ausgewirkt.“

Ist es dann vielleicht fair zu sagen, dass Klang, Atmosphäre und Produktion für Henry Green genauso wichtig sind, wie die Musik und der Song selbst?

„Ja, die Produktion ist dabei für mich der Dreh- und Angelpunkt“, bestätigt Henry, „ich separiere das allerdings vom Songwriting, denn ich schreibe meine Songs auf der akustischen Gitarre, wann immer möglich. Die Produktion erfolgt dann separat – beeinflusst aber den Song sehr stark; sogar auf textlicher Ebene.“

Ist das vielleicht der Grund, warum Henry sein Album ´Shift´ - „verschieben“ - nannte?

„Ich denke schon“, räumt er ein, „das ist ein Wort, das ich verwende, um Songs selbst zu beschreiben – wie sie sich bewegen, wie sie sich verändern, wie ich diese konstant hin und herschiebe – was zu einem ganz besonderen, ein wenig unnatürlichen, aber konstanten Flow führt.“

Wodurch Henry übrigens die Unterteilung zwischen Balladen und Up-Tempo-Songs vermeidet. Seine Musik bewegt sich nämlich eher kinetisch.

„Ganz genau, das ist die Idee dabei – es geht nämlich um physische und emotionale Bewegung.“ Pop-Musik kann so freilich nicht entstehen, oder? „Nein – ich sehe mich auch nicht als Pop-Musiker“, gesteht Henry, „ich möchte auch nicht, dass alles zu glatt rüberkommt, sondern, dass es ein wenig rau ist, denn wenn ich einen Song schreibe, geht auch nicht immer alles glatt.“

Ein klassischer Storyteller ist Henry demzufolge auch nicht. Dazu passt auch, dass er seinen Gesang eher lautmalerisch anlegt.

„Das hängt damit zusammen, dass ich auch hier experimentierte“, erläutert Henry, „da sowieso nicht laut singen kann, war meine Herangehensweise, meine Texte, die zwar von Beziehungen handeln, aber oft von Elementen wie Wasser, Hitze, Luft und Texturen inspiriert werden, auf eine eher beruhigende Weise vortragen, der man diese Gedankengänge dann auch anhört.“

Tatsächlich gelang es Henry Green mit diesem philosophischen Überbau am Ende ein ganz eigenes Subgenre zu kreieren.

Aktuelles Album: Shift (Akira Records) VÖ: 30.03.
© 01. April 2018  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
April 2018

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