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Mœbius - Max Ernst Museum Brühl des LVR

In einer umfangreichen Retrospektive präsentiert das Max Ernst Museum Brühl des LVR einen der einflussreichsten Comiczeichner des 20. Jahrhunderts. Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Pseudonym „Mœbius“ international bekannt geworden ist, hat mit seinen visionären Bildwelten, die thematisch zwischen Traum und Science-Fiction aufgespannt sind, einen starken Beitrag zur Ikonographie der Popkultur geleistet und den europäischen Comic revolutioniert. Zahlreiche Filme, etwa von George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki sind von seiner Ästhetik inspiriert. Die Ausstellung in Brühl zeigt rund 450 Arbeiten von Giraud – über kolorierte Zeichnungen, Skizzen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken.

Mœbius Plasme Volant, aus La Faune de Mars, 2007, Tusche auf Papier, digital bearbeitet und koloriert ©2019 Mœbius Production

Als 14-Jähriger entdeckte Jean Giraud die Science-Fiction-Literatur für sich. Der in einem Pariser Vorort geborene Jean bewies zudem früh sein zeichnerisches Talent und begann bereits mit 16 Jahren ein Studium für Angewandte Kunst. So verband sich seine Begabung als Zeichner mit der Begeisterung für futuristische Utopien zu einer Künstlerpersönlichkeit, die das Fabulieren in Bildern zur Meisterschaft bringen sollte. Eine weitere initiale Prägung, die für seine späteren Arbeiten bedeutsam ist, war eine Mexiko-Reise im Jahr 1955. Das Erlebnis der Wüste habe ihm „die Seele aufgebrochen“; die Weite der Landschaft, ihre Stimmung und charakteristischen Farben führten ihn direkt zum Western-Comic, mit dem seine Karriere und die Ausbildung seiner spezifischen Bildästhetik begann.

Die Wüstenerfahrung verarbeitete Jean Giraud in der ab 1963 einsetzenden Arbeit an den Leutnant Blueberry-Abenteuern für das Magazin Pilote. Gemeinsam mit dem Texter Jean-Michel Charlier schuf er unter dem Pseudonym ´Gir´ die epochale Comic-Westernserie um den eigensinnigen Draufgänger Mike Blueberry. Beeinflusst durch Spaghetti-Western und Nouvelle Vague entwickelte Giraud darin eine detailreichte, moderne Bildsprache, in der das konventionelle Western-Setting der nordamerikanische Wüste zur unwirklichen Landschaft eines fremden Planeten verfremdet erscheint. Ab 1975 verschmelzen in seiner Comic-Serie Arzach der Wilde Westen und Science-Fiction dann komplett zu einem eigenen surrealen Universum.

Arzach markierte den endgültigen Bruch mit den Mustern des traditionellen Comics. Unter dem Pseudonym Mœbius, mit dem Giraud fortan signierte, beginnt in dieser Comicserie eine Phase des Experimentierens, der formalen Auflösung sowie der künstlerischen Befreiung. Mœbius verzichtet auf Sprechblasen und strenge logische Kontinuität. Er schickt uns zusammen mit seinem stummen Helden durch utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften, in denen das Raum-Zeit-Kontinuum auf magische Weise aus den Angeln gehoben scheint. Sogar den Namen seines Helden ändert Mœbius in späteren Bänden der Serie. Die Geschichten folgen der assoziativen Logik der Träume und des Unterbewusstseins, statt einer linearen Handlung.

Die Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl widmet sich dem umfangreichen Werk von Jean Giraud alias Mœbius in thematisch gegliederten Bereichen, wie Natur und Metamorphose, Der Traum vom Fliegen und Fallen oder Die innere Wüste. Ausgehend von seinen Notizbüchern (´Carnets´), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, wird das Spektrum seiner Zeichenkunst ausgebreitet, die bisweilen auch abstrakt wird.



Mœbius, (15.09.2019 – 16.02.2020)

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Comesstraße 42 / Max Ernst Allee 1

50321 Brühl

www.maxernstmuseum.lvr.de
© 01. Oktober 2019  WESTZEIT ||| Text: Till Barz ||| Datenschutz
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