| Obwohl die drei Künstler, denen die Bundeskunsthalle in Bonn eine große Gemeinschaftsausstellung widmet, in ihrem künstlerischen Temperament sehr unterschiedlich waren, schöpften sie trotzdem aus dem gleichen Fundus: Realität und Verortung des Realen in eine wilde, ungebändigte und stark vom Gegenwärtigen geprägte innovative Künstlichkeit.
Graffiti-ähnliche Bilder von Jean-Michel Basquiat, aus der Arte Povera (arme Kunst) entwickelte Transavantgarde von Francesco Clemente, Pop-Art von Andy Warhol: In Bonn zeigt sich eine Kunst-Dreifaltigkeit, die aus dem vollen Repertoire der achtziger Jahren schöpft, mit bunten Farben und fantastischen Arrangements, mit temperamentvoller Aktion und klar definierten Aussagen. |
 Was der Alltag zu bieten hat, die Straße, die Glamourwelt der Stars und Sternchen, war für die damalige zeitgenössische Kunst ein schier unerschöpfliches Reservoir für Ideen und ein gut gefüllter Innovations-Pool. Trotz aller unterschiedlichen Herangehensweisen der drei nun in Bonn präsentierten Künstler fanden Sie immer wieder zusammen und schufen zwischen 1983 und 1985 Gemeinschaftsarbeiten, den sogenannten „Collaboration Works“, die in der Bundeskunsthalle im Mittelpunkt stehen. Der Weg dahin bleibt nicht ausgespart – Einzelwerke des Trios belegen den individuellen Werdegang jedes Einzelnen. Von Andy Warhol etwa sind die Siebdrucke „Big Campbell's Soup Can“ von 1962 und „Mao“ von 1973 zu sehen. Sie zählen zu den herausragenden Arbeiten seiner seriellen Kunst und machten ihn weltbekannt. Jean-Michel Basquiat liefert mit dem Tryptichon „Ishtar“ (1983) einen Beleg seines Umgangs mit Schrift und Zeichen des Gewöhnlichen, die zu wie offizielle Mitteilungsblätter und Wandzeitungen angelegt sind.
Die zweijährige intensive Zusammenarbeit führte den Grundgedanken der Pop-Art - nämlich die Abstrakte Kunst durch eine trivialisierte, gegenständliche Inhalte abzulösen und die Banalität des Alltags, die Konsum- und Werbewelt in die bildende Kunst zu verankern – durch Aquarelle, Siebdrucke, Acrylarbeiten, Mischtechnik und Öl auf Leinwand in eine Zeit, die für Künstler ein neues Selbstverständnis bereithielt. Ist von Natur aus der Künstler im Grund ein Einzelgänger, ein Solist im Orchester der Vielfalt, so lösten Andy Warhol (1928-1987), Jean-Michel Basquiat (1960-1988) und Francesco Clemente (*1952) die Individualität auf, legten aber Wert darauf, die eigene Handschrift in den Gemeinschaftsarbeiten wiederzuerkennen. Dieser Aspekt findet man in der Arbeit „Alba's Breakfast“ von 1984 exemplarisch: Francesco Clemente lieferte eine Person ähnlich wie in seinem Aquarell „Ritz“, Jean-Michel Basquiat, ehemaliger Graffiti-Künstler, drückte dem Werk mit wilden Figuren und Schriften seinen Teilnahmestempel auf, Andy Warhol fügte seine Zeichensprache hinzu. Vor allem Warhol und Basquiat arbeiteten intensiv zusammen, durch eine ausgeklügelte Organisation waren alle drei in der Lage, eigene Arbeiten anzustoßen und das Werk der anderen weiter zu führen. Jeder von ihnen fertigte zunächst vier Gemälde und eine Zeichnung, die anschließend zu den beiden anderen Künstlern transportiert wurden. Ob gezeichnet, gemalt oder gedruckt – jeder konnte auf die vorgeleisteten Arbeiten auf seine individuelle Weise reagieren: Andy Warhol konzentrierte sich vornehmlich auf Siebdrucke, Jean-Michel Basquiat arbeite mit Ölkreide und Xerokopien, Francesco Clemente schuf malerische Visionen. Ein sensibler Umgang mit dem Werk der anderen beiden Künstler zeugt von großem Respekt, übermalt oder modifiziert wurde sehr zurückhaltend.
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 Ménage à trois - Warhol, Basquiat, Clemente (-20.05.2012)
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Tel. 0228-9171 0
Di-Mi 10-21 Uhr, Do-So 10-19 Uhr, Karfreitag (6.4.),
Ostersonntag + -montag (8., 9.4.) 10-19 Uhr
Eintritt: 8/5 Euro, Familienkarte 14 Euro, Katalog: 29 Euro
Weitere Infos: www.bundeskunsthalle.de |
| © 01. März 2012 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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