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Roy Lichtenstein – Kunst als Motiv - Museum Ludwig Köln

In den Sujets der Pop Art der fünfziger und sechziger Jahre spielten die Werbung in Form analog angewandter Konsumanzeigen und Plakate und die furchtlose Requirierung von Gegenständen der Alltagskultur – von Suppendosen bis Waschmittelkartons, von Coca Cola-Flaschen bis zu den Mythen der Film- und TV-Welt – wichtige Rollen. Die Pop Art war ein radikaler Einschnitt in die hegemonial auftretende Malerei und die klassische bis moderne Skulptur. Pop Art veränderte nicht nur das Leben und das Freizeitverhalten an sich, sie schuf auch durch ihren Namen ständig neue Reibungspunkte. Die vom Begriff „populär“ abgeleitete Kunstrichtung behauptete sich insbesondere als Gegenstand für das Serielle, das leicht Verständliche und Zugängliche.

Spätestens hier tritt das „Aber“ auf die Bühne, das ja im Grunde nach jeder kategorischen Katalogisierung folgt, weil sie als systematisches Einordnen kaum funktioniert. David McCarthy schreibt in „kunst basics pop art“ (Hatje Cantz Verlag): „Die Pop Art bezog verschiedene ihrer Ideen aus den Kunstrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts. Die Aneignung zweidimensionalen, gedruckten Materials aus der Welt des Kommerzes lässt sich bis zu den Collagen des Kubismus zurückverfolgen, wie sie Georges Braque und Pablo Picasso zwischen 1912 und 1914 in Paris schufen.“

Der als Meister der Rasterpunkte bekannt gewordene amerikanische Pop Art-Künstler Roy Lichtenstein (1923-1997) fand nicht nur in den Comic- und Konsumwelten seine Motive für großformatige, aus Punkten und Farbflächen zusammengesetzte Gemälde. Ebenso radikal setzte er sich mit weitaus früher aktuellen Stilrichtungen wie Expressionismus, Futurismus und Bauhaus auseinander, nutzte Art déco und ostasiatische Landschaftsmalerei als Ideen- und Motivmaschine. Manchmal ironisch, manchmal meisterhaft inszeniert, finden sich in seinen Werken thematische Rückgriffe und Versatzstücke von Künstlern wie Claude Monet, Henri Matisse, Piet Mondrian, Pablo Picasso und Salvador Dali. In Lichtensteins Serie „Brushstrokes“ zeigen die ins Gigantische überhöhten stilisierten Pinselstriche seine Reflexe über Malerei, in dem er die rein technisch-handwerkliche Seite des Malens und die dazu notwendigen Geräte als Motivgabe benutzt.

Im Museum Ludwig in Köln, das die größte Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA besitzt, sind unter dem Titel „Kunst als Motiv“ rund einhundert Exponate in überwiegend großformatigen Gemälde sowie in begleitenden Zeichnungen und Skulpturen ausgestellt. Organisiert wurde die Ausstellung in enger Kooperation mit de Roy Lichtenstein Foundation und war bereits in anderer Form in Mailand in er „Triennale di Milano“ als „Roy Lichtenstein: Meditations on Art“ zu sehen.

Roy Lichtenstein hat in seinen anfänglichen Bilder historische amerikanische Gemälde zitiert. So etwa von Benjamin West oder von indianischen Motiven. Ziel war es, abstrakte, total zweckfreie Bilder zu schaffen, die er "Perfect und Imperfect Paintings“ nannte. Doch auch in der europäischen Moderne fand er reizvolle Vorlage, die er oft als humoristisch-satirische Zitate gestaltete. Salvador Dalis berühmtes Gemälde „Das Rätsel der Begierde: Meine Mutter“ (1929) entwickelte sich bei Lichtenstein zu einem abstrakt inszenierten Schweizer Käse („Swiss Cheese“, 1962). Den Minimalismus von Piet Mondrian in dessen „Komposition mit Linien“ (1917) konterte Roy Lichtenstein mit dem Ölbild „Golf Ball“ (1962) und, in ähnlicher Strukturierung, „Plus and Minus VI“ von 1988.

Bis 03. Oktober 2010
Museum Ludwig, Am Dom/Hbf, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Tel: 0221-26165
E-Mail: info@museum-ludwig.de
Geöffnet: di – so 10 – 18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 10 – 22 Uhr
Eintritt: 10/7 Euro
Umfangreicher Katalog im DuMont Verlag (49,95 Euro)
Weitere Infos: www.museum-ludwig.de
© 01. September 2010  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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