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Sigmar Polke - Die Editionen - Museum Ludwig Köln

Offsetdruck, Fotokopie, Fotografie – Produktions- und Reproduktionstechniken im Werk eines Malers. Zunächst überraschend bis irritierend, spätestens dann, wenn der Künstler nämlich Sigmar Polke heißt, nicht mehr. Seine Arbeiten verschweigen die handwerklich-materialistischen Spuren nicht, sie beziehen offen und offensiv derartige Kunst-Griffe in die Gemälde, vor allem aber in die Editionen Polkes ein.

Sigmar Polke experimentiert seit über vierzig Jahren in den Bereichen Vervielfältigung und Reproduktion und zählt diese Art der künstlerischen Tätigkeit gleichgewichtig zur Malerei zur eigenen Hauptsache. Während der hohen Blüte der Auflagenobjekte wie Drucke und Graphiken, im sechsten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, beschäftigte Polke sich intensiv mit diesem Handwerk. Dabei galt sein Hauptaugenmerk dem Offsetdruck, dem Zeitungs- und Zeitschriftenmetier, dem er viele Vorlagen für seine Welt der Bilder entnommen hat. Im Blätterwald des Boulevards, wo sich Zeitungsleute mit Glamour, Gala und Gesellschaft beschäftigten, fand Polke das optische Material, aus dem die großen Bilder und die kleinen Auflagenobjekte entstanden. Ob rare Drucke, bearbeitete Vorlagen oder tausendfach gefertigte Zeitschrifteninserts: Sigmar Polke nahm sich Illustrationen, wie er sich brauchte und gab sie nach der Überarbeitung den Massenkonsumenten zurück. „Freundinnen II“ etwa von 1967 zeigt zwei sparsam kolorierte, in grober Rasterung als Offset gedruckte Porträts von zwei jungen Frauen, wie sie damals als Bikinischönheiten in diversen Illustrierten auftauchten. Aus dem Zusammenhang herausgerissen, montierte der Künstler sie manipulativ als neues Original, dehnte und stauchte, verwischte und vergrößerte sie.



Was der Laie irritiert vernichten würde, erhebt Sigmar Polke geradezu antikünstlerisch zur Kunst: er zerknüllt die Abzüge von Fotos und fotografiert das Resultat wieder. Dazu benutzt er seit Ende der 60er auch eigene Quellen. Er fotografiert sich selbst, hält Pariser Gebäude ebenso auf Fotos fest wie Bettler in Köln. Nach dem er die Fotografien in der Dunkelkammer handgreiflich bearbeitet hat, erscheinen sie als Auflageneditionen. Ein 70 x 50 cm großer Offsetdruck zeigt exotische Menschen, die sich um einen in das Foto hinein geschmuggelten Fliegenpilz mit knallrotem Kopf versammeln. Fast wirkt der Pilz wie ein humanisierter Atompilz, und der mysteriöse Titel „Mu nieltnam netorruprup“ erschließt sich erst beim Rückwärtslesen: „Purpurroten mantlein um“.

Neue Techniken bedeuten für Sigmar Polke neue Möglichkeiten. Fotokopiererexperimente führen zu deformierten Bildinhalten, er verzögert die Belichtung oder zieht die Vorlagen mit schneller Bewegung durch das Gerät. Das Ergebnis: abstrakte bis surreale Bildwelten, die wunderbarerweise oft identifizierbare Objekte oder Landschaften zeigen.

Das Museum Ludwig in Köln präsentiert die oft komischen, mit großer Lust hergestellten Exponate, die das Sammlerehepaar Anna Friebe-Reininghaus und Ulrich Reinighaus dem Museum geschenkt haben. Darunter auch der „Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann“, eine Art Readymade aus Holzhocker, Elektromotor, Gummi, Draht und zwei Kartoffeln.

Sigmar Polke – Die Editionen (-27.09.2009) Museum Ludwig, Köln, Am Dom/Hbf
Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Do im Monat 10-22 Uhr, montags geschlossen
Ticket: 9/6 Euro für die Sammlung und alle Sonderausstellungen, Familen: 18 Euro
www.museum-ludwig.de
Weitere Infos: www.museum-ludwig.de
© 01. August 2009  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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