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DANIEL CAVANAGH - Farbwechsel

Bei Anathema agiert Daniel Cavanagh als Songwriter und Gitarrist eher im Hintergrund – auf seinem ersten richtigen Soloalbum steht er nun in der ersten Reihe. ´Monochrome´ ist es betitelt, und doch wirkt es sehr farbenfroh und detailverliebt. Das liegt zum einen an seinen fantastischen Gesangsqualitäten, aber auch am hochwertigen Songmaterial und den vielen Klangfarben, die er eingesetzt hat. Ist hier wirklich alles anders als in seiner Hauptband? Wir konnten Daniel auf der aktuellen Anathema-Tour erwischen und ihm ein paar Fragen stellen.

War das Album eigentlich von langer Hand geplant oder ist es einfach passiert?

„Eigentlich habe ich schon eine ganze Weile ein Solo-Ding laufen, es hat sich nur bislang nie ein Album ergeben. Klar, da waren ein paar Cover-Sachen und auch das Live-Album mit Anneke van Giersbergen, aber nichts wirklich vor Grund auf eigenständiges. Also habe ich die Band gefragt, ob da irgendwas an Songideen von mir ist, was sie nicht wirklich spielen wollten. Okay, im Endeffekt habe ich der Band einen Song weggenommen, aber ansonsten waren wir uns einig.“

Das heißt, nicht alles wurde explizit für ´Monochrome´ geschrieben?

„Diese Songs haben nicht unbedingt mehr Sinn außerhalb von Anathema gemacht, sondern waren irgendwie einfacher umzusetzen. Zum Beispiel könnte ich mir ´The Silent Flight Of The Raven Winged Hours´ nicht vorstellen, wenn die Band ihn spielen würde. Das liegt womöglich an der Einigkeit, wenn Du Sachen für dich alleine machst – Du musst halt nur mit dir selbst ausmachen, wie der Song laufen soll. Das ist auf eine gewisse Weise einfacher, aber auch mitunter nicht ganz so interessant wie die Arbeit mit der Band.“

Es scheint, als hättest Du noch ein wenig mehr auf Details geachtet als im Bandkontext...

„Es war ein ganz natürlicher Vorgang, einfaches Ausprobieren, bis es sich richtig anfühlte. Manche Dinge habe ich immer und immer wieder ein wenig anders aufgenommen, wieder verworfen, umgeschrieben – aber das passiert mit der Band genauso, da gibt es nicht wirklich einen Unterschied.“

Das Album wirkt fast schon meditativ an manchen Stellen, diese Mantra-artigen Wiederholungen ohne allzu große tonale Veränderungen. Fällt es dir schwer, dich für eine solch einfache Song-Struktur zu entscheiden?

„Ich denke da nicht wirklich drüber nach, sondern lasse meistens den Song entscheiden, in welche Richtung er sich entwickelt. Da ist auch viel Intuition im Spiel, das gehört einfach dazu. Ja, es sind Teile dabei, die wirklich bewusst entstehen, andere dagegen überhaupt nicht. Manchmal bin ich beim Schreiben von Musik in einer Art Trance – das kann ich auch nicht besser erklären, ich glaube das ist einfach meine Art, zu Schreiben.“

Hast Du manchmal das Gefühl, Dinge eher wegnehmen zu müssen als noch etwas hinzu zu addieren, damit ein Song funktioniert?

„Als ich zum Beispiel ´This Music´ zum erstenEE Mal in meinem Kopf hörte, war es wirklich schön und groß. Wenn ich ein größeres Budget gehabt hätte, hätte ich vielleicht jemanden dazugeholt, der hier noch ein String-Arrangement zufügt. Für mich machte es jedoch im Endeffekt am meisten Sinn, den Ton, die musikalische Farbwelt und die Akkordfolgen einfach und simpel zu halten.“

Aktuelles Album: Monochrome (Kscope / Edel)
© 01. November 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
November 2017

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