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Mike Stern

Arschtritt von Blood, Sweat & Tears

Mike Stern

Wenn man Mike Stern fragt, ob er sich gerne an seine Anfänge mit Blood, Sweat & Tears erinnert, dann bekommt man kein Stirnrunzeln zu sehen. Wie das bei anderen Künstlern der Fall ist, die auf ihre Vergangenheit nicht gerne angesprochen werden. Mike Stern strahlt bei dieser Frage und lacht über das ganze Gesicht. Der dreimal für den Grammy nominierte Gitarrist spielte vor dreißig Jahren für die klassische Rock- und Jazzfusionband.

„Das war mein erster professioneller Gig“, antwortet Mike Stern. „Ich war gerade dreiundzwanzig Jahre alt und sehr nervös, denn Blood, Sweat & Tears war schon eine bedeutende Band mit sehr guten Musikern.“ Mit einer drastischen englischen Redewendung brachte Mike Stern seine damalige Feuertaufe als Profimusiker auf den Punkt: „They kick my ass.“ Dort traf er auch den bereits im Alter von sechsunddreißig Jahren verstorbenen Jaco Pastorius, mit dem er später manche Tournee bewältigte.



Wie rasend die Zeit vergeht, kann man an Mike Sterns Werdegang festmachen. Anfang der achtziger Jahre arbeitete er bei Miles Davis. „Von Miles habe ich sehr viel gelernt. Es war für mich nicht besonders schwierig, in seiner Band mit zu spielen. Miles war sehr offen, liebte die Musik von Jimi Hendrix und Sly & The Family Stone”. Der Meister hielt viel von dem jungen Mann, der auf “The Man With The Horn” (1981) den Gitarrenspieler Barry Finnerty ablöste. Finnerty flog aus der Band, weil er nicht das spielte, was Davis wollte. Zwei Jahre später nahm Mike Stern sein erstes eigenes Album „Neesh“ auf. Seine zwölfte Produktion heißt schlicht „These Times“ und erscheint als sein ESC-Records-Debüt. „Ich habe sechzehn Jahre bei Atlantic veröffentlicht“, sagte Mike, „aber die haben, als sie mit AOL zusammen gingen, den ganzen Jazz geschasst. Hier bei ESC fühle ich mich wie in einer Familie. Mit Jim Beard und Dennis Chambers, die auch hier unter Vertrag sind und auf ‚These Times’ mitwirken, habe ich schon vor vielen Jahren gespielt.“



„These Times“ ist eine kleine Fortsetzung des Albums „Voices“. Beide Produktionen beeinflusste der afrikanische Sänger und Bassist Richard Bona. „Das ist ein toller Kerl. Richards musikalischer Groove besteht aus afrikanischen Wurzeln. Sein Spiel kommt aus dem Herzen. Und dabei ist er völlig unkompliziert. Damals sang er zur Probe in meinem Hotelzimmer Balladen und spielte dazu den Bass. Ganz locker und ohne Scheu. Das hat mich sehr beeindruckt und ich engagierte ihn für ‚Voices’“. Auf dem neuen Album bastelten Stern und Bona einen gemeinsamen Song zusammen. „’If Only’ mag ich sehr. Zuerst gab es meine Musik, Richard schrieb später den Text dazu. Er gibt mir immer wieder den Anstoß zu neuen Aktivitäten.“ Mike Stern lobt den Mann über alle Maßen. Das im Douala-Dialekt gesungene „If Only“ beschreibt einen wirklichen Vorfall in Richard Bonas Leben. „Weil ein Auto schon mit seinen Kumpels voll besetzt war, musste Richard warten und stieg in ein anderes ein. Das Auto mit seinen Freunden verunglückt und alle starben. Es ist eine sehr traurige Geschichte. Dinge geschehen einfach und du kannst nichts dagegen tun.“



Trauer gibt es sonst keine. Gemeinsam mit Kenny Garrett, Arto Tuncboyaciyan, Jim Beard, Vinnie Colaiuta und anderen gestaltet Mike Stern ein forsches, abwechslungsreiches Album. „Vieles aus früheren Zeiten ist eingeflossen. Und die Musik von Miles ist immer dabei.“ Mike Stern lacht zufrieden wie aus der Vergangenheit in die Zukunft.

Aktuelles Album: „These Times“ (ESC/EFA)

Weitere Infos: www.esc-records.de

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