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OF MICE & MEN - In Therapie mit sich selbst

Große Veränderungen können furchterregend sein. Sie bringen zwar frischen Wind, jedoch kommt auch gleichzeitig die Frage nach dem nächsten Schritt auf. Vor einem Jahr, Anfang 2017, sah sich Austin Carlile gezwungen, Of Mice & Men aufgrund gesundheitlicher Probleme zu verlassen. Mehrere Konzerte mussten wegen seines Zustandes bereits abgesagt werden, demnach war die Entscheidung zwar garantiert keine leichte, aber durchaus klug und fair allen gegenüber. Doch wie würde es mit der Band und den verbliebenen Vier weitergehen?

“Wir haben erst acht oder neun Wochen nach seiner Ankündigung, er würde aussteigen, begonnen, neue Songs zu schreiben - das war Anfang November 2016“, erinnert sich Sänger und Bassist Aaron Pauley. „Wir haben uns Zeit genommen, ein bisschen gejamt und sehr intensiv darüber nachgedacht, wie und ob wir überhaupt mit der Band weitermachen wollen. Der Grund, warum wir schließlich wieder zusammengekommen sind und an neuer Musik gearbeitet haben, war dann, dass wir das Schreiben als eine Art Therapie für uns selber gesehen haben.“

Gleich mehrere Fragen standen so wie ein unausweichlicher Elefant im Raum: Würde es mit Of Mice & Men weitergehen? Und falls ja – wie? Wer würde Carliles Vocals übernehmen? Wer wäre der passende Kandidat für den markigen Gesang?

„Wir haben sehr viel und lange darüber geredet – auch mit Austin, der sogar ein paar Leute vorgeschlagen hat, die wir dafür in die Band holen könnten“, berichtet Pauley. „Wir waren uns aber einig, dass man eine Person nicht so einfach ersetzen kann – nicht nur innerhalb der Band, sondern auch in der Familie, die wir sind. Wir haben uns mit dem Gedanken, jemand Neues in die Band zu holen, nicht wohl gefühlt. Und außerdem: Wer wäre besser geeignet, Of Mice & Men weiterzuführen als Of Mice & Men?“

So vertrackt die Frage, so simpel manchmal die Antwort.

Aaron Pauley sollte es nun also werden – der Leadsänger und Frontmann von Of Mice & Men. Ausgerechnet derjenige, der als letzter von ihnen Teil der Band wurde, würde nun zumindest für viele das Gesicht dieser sein, der Dreh- und Angelpunkt und wichtiger als alles andere. Für viele, aber nicht für ihn selber.

„Ich mag den Titel ´Leadsänger´ überhaupt nicht. Ich bin einfach ein Sänger und Teil der Geschichte – ebenso wie der Bass, die Gitarren oder das Schlagzeug. Ich bin derjenige, der die verrückten Geräusche mit dem Mund macht“, scherzt er.

„Es war uns wichtig, unsere eigene Geschichte zu erzählen, und der Begriff ´Leadsänger´ lässt es so aussehen, als sei es nur meine. Bei ´Defy´ ist es genauso: Jede noch so kleine Spur ist für das Gesamte sehr wichtig.“

Of Mice & Men ist mehr als eine simple Band, bei der jeder an seinem Instrument sein Bestes gibt. Bei den Kaliforniern macht jeder alles; Ideen für die Parts ´fremder´ Instrumente sind nicht nur gerne gesehen, sondern werden nicht selten auch in die Tat umgesetzt. Gleiches gilt für das Schreiben der Texte.

„Ein großer Teil des Schreibprozesses ist, dass ich einfach nur mit den Jungs rede. Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen, in der wir uns einfach nur unterhalten. Und weil wir das machen, muss ich beim Texten nie überlegen, wie sich die anderen fühlen und was sie über eine bestimmte Sache denken – weil wir so viel reden, weiß ich es bereits“, so Pauley. „Jeder hat schon etwas zu den Lyrics beigesteuert. Wenn jemand eine Idee hat, die das Ganze besser machen könnte, sind wir froh darum.“

´Defy´ ist nun ein neuer Abschnitt von Of Mice & Men, das nächste Kapitel der erfolgreichen Band. Sie waren gezwungen, sich mit einer großen Veränderung auseinanderzusetzen und haben ebendies zum Oberthema des Longplayers gemacht. Pauley zufolge geht es bei Musik „einzig und allein um Emotionen“. Mit ´Defy´ laden sie auf eine Reise durch die vergangenen, turbulenten Monate ein, in der sie gezwungen waren, sich mit dem unausweichlichen Austritt Austin Carliles zu arrangieren. Sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf und sind dabei so offen und ehrlich wie eh und je.

Aktuelles Album: Defy (Rise / ADA / Warner)
© 01. Februar 2018  WESTZEIT ||| Text: Leonie Wiethaup ||| Foto: Marcus Maschwitz
Februar 2018

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