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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
2017 startet mit einer Reihe bemerkenswerter Klavier-CDs. Der Israeli OMER KLEIN hält auf "Sleepwalkers"(Warner) fein die Balance aus Verspieltheit und Kraft, aus Groove und Sentiment, "Wonder And Awe". 5
Durchaus geistesverwandt dazu, aber deutlich minimalistischer ist "Some Kind Of Blues"(raccanto) von CHRISTIAN ELIN (bcl/ss) und MARUAN SAKAS (p). Ein feinfühliges Klavier trifft auf entdeckungsfreudige Bläsereien: Wegträumen und Zuhören, Schön- und Klugheit. 4
Der Italiener LIVIO MINAFRA ist auf "Sole/Luna"(Incipit Records) im Ansatz etwas esoterischer, aber durchaus modern in der Umsetzung. "Piano, Toys, Loopstation" heißen die Hauptspielzeuge und das Ergebnis ist ein Konglomerat aus Jazz, Weltmusik, Minimal und Elektronik, das nur ganz selten nervt. 4
CHRIS THILE & BRAD MEHLDAU sind nicht nur Labelkollegen, sondern verstehen sich auf ihrer "s/t"(Nonesuch)-2CD auch so ganz prima. Klavier und Mandoline - das funktioniert. Und singen können die beiden auch! Rauh und sanft zugleich. 4
LED BIB kommen aus England und exerzieren auf "Umbrella Weather"(RareNoise) doch feine Variationen der klassischen Knitting-Factory-Schule. Bei "On The Roundabout" z.B. kippt das Doppel-Sax gemeinsam mit dem Tastenmann den Lärm ins (Progessive)Rocksinfonische. Hört auch mal genau hin, was Liran Donin da am Bass anstellt! 5
Irgendwie spiegelverkehrt dazu, aber auch höchst seltsam die "Prenaturals"(Craft Pop) der MOULETTES. Spannungsreicher ProgRock mit Fagott, Cello und Satzgesang als FunkJazz gespielt - beileibe kein Easy Listening. 4
Die Sängerin JESSICA GALL begegnet dem Mainstream angstfrei. "Picture Perfect"(herzog Rec.) perlt wie Prosecco und ist ebenso lagerfähig (kann man Prosecco lagern?). Shuffle, SiSo, Blues und Pop - manchmal ist sie auch ganz "Real Life Girl". Und doch ist die Platte erstaunlich nachhaltig - das Proseccobild hängt also ganz schief. 4
Kontrabass und Damenstimme - könnte sehr spannend sein. LE BANG BANG haben sogar einen spannenden Namen für ihr Projekt gefunden, klingen auf "Pure"(Edition Collage/GLM) aber nicht immer so souverän wie beim unter Jazzern sehr beliebten "Time After Time". 3
Bei "David"(ECM) von ELENI KARAINDROU habe ich mich sehr bemüht, erkenne aber zwischen Mönchsgesang und Beethovenschem Götterfunkenzitat zumeist nur Nettigkeiten für konservative Operngänger, die dem Vergleich zum wundervollen Soundtrack "Ulysses' Gaze", den schon 1995 die Viola von KIM KASHKASHIAN prägte, nicht standhalten. 2
REFLECTIONS IN COSMO heißt ein norwegisches Projekt, das auf seiner "s/t"(Rarenoise)-CD tatsächlich auf den Spuren von Sonny Sharrocks Last Exit wandelt und lärmenden Rock, Funk-Prinzipien und FreeJazz schmerzfrei verheiratet. 4
Auch MUDDERSTEN kommen aus Europas Norden, befassen sich auf "Karpatklokke"(Sofa) aber mit Geräuschen, die sie auf folgendem Instrumentarium Ihrem Unterbewusstsein entlocken: microtonal tuba, electronics, guitar, tape-loop, objects, friction, piezo. Präzise, frei und extrem spannend! 5
Zwischen zeitgenössischer Musik und japanischen Traditionen schwebt NAKAMA, auch aus Norwegen. "Most Intimate"(Nakama) kann abstraktes Experiment und federnden FreeJazz auch und ist sehr schön verpackt. 4
(Noch) Anstrengender, aber lohnend ist die Beschäftigung mit dem "Creative Construction Set™"(Mikroton) von GEORGE LEWIS & SPLITTER ORCHESTER. Die 25köpfige Allstar-Band aus Berlins Echtzeitmusikern folgt Lewis' Instruktionen, die v.a. die gruppeninterne Kommunikation während der Improvisation beeinflussen sollen. Das ist hier bestens gelungen! 5
JASS ist ein guter Name für eine Jazzkapelle und "Mix Of Sun And Clouds"(Yolk) ein solides Werk einer freien Gemeinschaft freier Musiker. Aber mehr leider auch nicht. 3
VINCE MENDOZA treibt die WDR-BIG-BAND auf "Homecoming"(Jazzline) einmal mehr zu Höchstleistungen gediegen funkelnder Unterhaltskunst. 4
Die "Seesucht"(jazzhaus) des FILIPPA GOJO QUARTETTs strapaziert einiges über - ob nun das im artwork allgegenwärtige Schlauchboot oder die gegen jeden Strich gebürstete Stimme der Chefin. Dabei ist das backing solider p-b-perc-Jazz. 3
Die Hamburgerin TINI THOMSEN spielt auf "The Long Ride"(339/painted dog) ein "fetziges" Saxophon. Mit solcherlei Bandmate-Solo-durchwirkten Fingerübungen kann ich aber leider nichts anfangen. 2
Ob eine Fusion-Reanimation wirklich nötig ist? Ich weiß nicht. Aber MARCUS WIENSTROER, gut gebuchter Tour- und Studiogitarrero, meint auf "8PM"(Knechtsand) ganz klar "ja"! Kann man schlechter machen.
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© 01. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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