
Dünn wie seine Nase erscheinen seine Zeichnungen, so, als habe er sie mit seinem spitz zulaufenden Riechorgan auf das Papier gekritzelt. John Lennon, führender Kopf der Beatles und 1980 in New York ermordet, verstand sich neben dem Songwriting und Gitarrespielen auf die Kunst des Zeichnens. In Karikaturen, Zeichnungen und Lithografien zeigt das Günter Grass-Haus in Lübeck die andere Seite Lennons, der zu den schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts zählt, und setzt damit seine Reihe über mehrfach begabte Künstler fort.
(l.) A Cat purring (m.) John and Yoko (r.) Family Tree„Das Private ist politisch und das Politische ist privat.“ Dieser Sponti-Spruch der 68er findet sich in den Zeichnungen John Lennons wieder, ohne daß dem aus Liverpool stammenden Musiker dieser Umstand möglicherweise bewusst war. Mit seiner sparsamen Strichführung brachte Lennon ihm wichtige Themen auf den Punkt: die private Intimität bis zu gezeichneten erotischen Kommentaren, an Comics erinnernde Karikaturen, die er blitzschnell zu Papier bringen konnte. Dabei wirken diese Zeichnungen so leicht und locker dahin geworfen, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, daß ein berühmter Pilzkopf auch als bildender Künstler aktiv ist. John Lennon begann jedoch schon weit vor der Zeit als Beatles-Mitglied zu zeichnen und besuchte nach der Schulzeit das Liverpool College of Art von 1957 bis 1960.
Leihgeber, Sammler und Beatles-Fan Michael-Andreas Wahle – Initiator und Betreiber von ProArt-Ausstellungsservice – stellte das Material zur Verfügung, das in Lübeck die Kunst des John Lennon dokumentiert: etwa die farbige Zeichnung „family tree“ mit den Silhouetten von John & Yoko oder das etwas makaber-hintergründige Stil-Leben mit Katze und Goldfischglas. In großer Zahl fertigte Lennon auch Bilder an, die seinen Sohn Sean zeigen oder die er für ihn zeichnete. Als multitalentierter Künstler beschäftigte sich John Lennon daneben mit Literatur, Film und experimenteller Musik. Bekannt geworden ist die fünfzehn Originallithografien fassende weiße Kunstledertasche „Bag One“ aus dem Jahr 1969, die Lennons Hochzeit mit Yoko Ono thematisiert und Erotisches zu Tage fördert. John Lennon fand immer Gelegenheiten, die Menschen, denen er begegnete, zu porträtieren oder Ereignisse mit wenigen Strichen festzuhalten. Merkwürdigen Gestalten und Strichmännchen begegnet man auch in Lennons Bücher „In His Own Write“ und „A Spaniard In The Works“. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Originalzeichnungen und Druckgraphik sowie Bücher, Fotos und Filme. Leitmotive von John Lennons künstlerischem Schaffen waren stets die Themenkomplexe Liebe und Politik, die er zwischen privater Intimität und öffentlichem Protest auch mit Zeichnungen und Bildern füllte.
Bis 02.06.2013 Günter Grass-Haus - Forum für Literatur und Bildende Kunst, Glockengießerstraße 21, 23552 Lübeck Tel 0451 - 122 4230 Geöffnet: mo – so 10 – 17 Uhr Eintritt: 6/3 Euro
Weitere Infos: www.grass-haus.de