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Lambchop - 3. März 2004

 
Amsterdam/Holland, Paradiso
The first cut is the deepest, das erste Konzert einer Tour ist das schwierigste. Besonders dann, wenn die aktuelle Formation noch nie live gespielt hat. Das „Paradiso“ in Amsterdam war für Lambchop aus Nashville der auserwählte Ort der Tourpremiere. Was sich als idealer Platz für einen spätabendlichen Sonnenaufgang heraus stellte. Nach dem das polnische Dafo String Quartet ein kakophonisches Streicherstück als Vorspeise aufgetischt hatte, setzte Lambchop als zwölfköpfige Band das Erkennungszeichen des Abends. „Sunrise“, komponiert für F.W. Murnaus gleichnamigen Stummfilm, verbreitete eine offenherzige, fröhliche Stimmung in kurzweiligen zwei Stunden.
Das altehrwürdige „Paradiso“, ein wunderbarer Ort für die gefühlvollen und meistens samt-weichen Songs. Ein Paradies für Lambchop. Die qualmende Zigarette, die im Mikroständer klemmte, wirkte wie ein Symbol: Seht her, ich, Kurt Wagner, bin unvernünftig und singe euch trotzdem einige berührende Balladen. Von den einundzwanzig Stücken kamen lediglich sechs nicht von den neuen Alben „Aw C’mon“ und „No You C’mon“. Während der Ver-schnaufpause der Streicher rockten Lambchop plötzlich wie entfesselt. Ihr Noise-Country-Rock rumorte durch den Saal, ein kurzer Ritt über Lärmflächen, wie ein heißes Gewitter in kalter Zeit. „Get A Grip On Yourself“ hieß es am Ende. Da war es für eine Selbstkontrolle aber schon zu spät.
Manchmal ist es fraglich, ob Kurt Wagner das alles wirklich ernst meint. Wenn er nämlich diesen ironischen Zug um den Mund hat, das Lausbubenlachen. Dann wieder die Hingabe, mit der er fast das Mikro verschluckt, Verse nuschelt und sie in den Tiefen seines Gesangs abrutschen lässt. Zwischenrufe findet er peinlich, besonders die, die seine Musik zum Mittel-punkt der Welt erklären. Dann nimmt die Schüchternheit Gestalt an. Kurt Wagner ist ein Star, der alles, nur das nicht sein will.
© 01. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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