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PJ HARVEY - 15.10.2016 Palladium Köln

 
Nein, man muss ´The Hope Six Demolition Project´, das ambitionierte aktuelle Konzeptalbum von PJ Harvey, nicht unbedingt mögen, um von ihrem Gastspiel in Köln begeistert zu sein. Denn obwohl sie fast alle Protestsongs der LP im Palladium spielt, ist der Auftritt der 47-jährigen englischen Ausnahmekünstlerin, die sich seit ihren Anfängen im sinnlichen Indie-Goth-Blues längst ein eigenes Genre geschaffen hat, bisweilen mehr Schauspiel als reguläres Konzert. Gleich zu Beginn führt sie ihre hochkarätig besetzte neunköpfige Band (Mick Harvey! John Parish! Alain Johannes! James Johnston! Terry Edwards! etc.) mit allerhand Schlagwerk und Blasinstrumenten bewaffnet wie eine Marschkapelle in die „Manege“, und auch sonst gibt es wenig Traditionelles: Das Schlagzeug (Bassdrum, Snare, Hi-Hat) teilen sich bisweilen gleich drei Trommler, und überhaupt bleibt es auch ohne Ansagen von Polly zwischen den Songs spannend, denn alle Musiker wechseln munter die Instrumente oder spielen gleich mehrere parallel. So gleichen die Pausen zwischen den Liedern oft den Umbaupausen zwischen zwei Theaterakten und schüren die Spannung auf das, was da kommen mag. Trotzdem geht ein Aufschrei der Erleichterung durchs Publikum, als es am Ende noch ein paar Rückgriffe auf ihr bahnbrechendes Frühwerk gibt, ein herrlich rabiates ´50 Ft. Queenie´ etwa, ein wunderbar sinistres ´Down By The Water‘ und bei der Zugabe ein betont theatralisches ´Highway 61 Revisited´. Auch wenn Polly ihrem Publikum gerade im ersten Teil eine Menge abverlangt, als sie von Krieg und Völkermord singt, ist ihr aufreizend kurzer Rock deshalb längst nicht das Aufregendste an diesem beeindruckenden Konzertabend.
Photo: Ralf G. Poppe


Weitere Infos: pjharvey.net
© 01. November 2016  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
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