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KEREN ANN - 01.06.2016 Studio 672, Köln

 
„Da haben wir aber Glück gehabt“, meinte Keren Ann eingangs ihres Konzertes im Kölner Studio 672, „draußen regnet es – und wir sind hier in der Sauna. Hoffentlich habt ihr alle euer Badezeug mitgebracht.“ Nun – ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Aber der anhaltende Starkregen draußen hatte dazu geführt, dass sich die Fans schon frühzeitig in dem kleinen Musikclub versammelt hatten und somit hatte sich dort eine muckelige Gemengelage gebildet. Auch die Musik, die Keren zusammen mit ihren beiden Musikern im No-Nonsense-Gitarrentrio-Format präsentierte war dann durchaus geeignet, die Stimmung weiter anzusetzen, denn Keren setzte dieses Mal auf ein ziemlich geradliniges Rock-Format. Jedenfalls hatte die Frau, die über so viele kulturelle Wurzeln verfügt, dass sie mal von sich behauptete, keine eigene Muttersprache zu haben, zuvor noch nie so energisch in die Saiten gegriffen, wie auf dieser Tour zu ihrem aktuellen Album „You're Gonna Get Love“. Dabei ist die Sache nicht ohne pikante Note, denn nach wie vor schreibt Keren Ann keine typischen Rocksongs. Eher emuliert Keren schon eine spezielle Art von Blues – wie zum Beispiel „The Harder Ships Of The World“ (das hier sogar in einer epischen Auslebung zum zentralen Anker der Show geriet) oder „My Man Is Wanted“ vom neuen Album – jener „Blues in 'C'“, den sie immer schon mal hatte schreiben wollen, wie sie am Ende der Show erklärte. Es ging aber auch anders: Als Zugabe spielte Keren etwa „Not Going Anywhere“ in einer Solo-Variante. „Ihr brecht mir das Herz“, meinte sie halb scherzend, „das fühlt sich aber gut an.“ Und als das Publikum nach der zweiten Zugabe noch immer keine Ruhe geben wollte, trat sie noch ein Mal ans Mikrofon und präsentierte das Chet Baker-Cover „It's Always You“ a capella. Insgesamt begeisterte dieses Konzert durch den Umstand, dass die ansonsten eher zurückhaltende und schüchtern agierende Performerin Keren Ann über ihren Schatten sprang und ihre extrovertierte Seite nach außen kehrte.
Text + Photo: Ullrich Maurer
© 01. Juli 2016  WESTZEIT
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