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JULIEN BAKER - 09.06.2016 King Georg Köln

 
„Noch nie so ein stilles King Georg bei einem ausverkauften Konzert erlebt!“, raunt ein Zuschauer nach wenigen Liedern seiner Begleitung zu. In der Tat, für ein Konzert in einer rappelvollen Bar ist das Publikum an diesem Abend fast schon ungewöhnlich andächtig und ergriffen, wenngleich aus gutem Grund: Auf der winzigen improvisierten Bühne fesselt Julien Baker mit ungefilterten Emotionen und unfassbar intensiven Songs voller Verletzlichkeit, in denen mehr Erfahrung steckt, als man das von einer geradezu kindlich wirkenden Frau von gerade einmal 20 Jahren je erwarten würde. Mehr als eine Stromgitarre, einige dezente Loops und ihre in viel Hall getauchte gefühlsgeladene Stimme braucht sie nicht, um sich mit ihren strikt autobiografischen Liedern einem Raum voller Fremder zu offenbaren: Selbstzerfleischung, Drogen, Glaubenskrisen und Herzschmerz – die Musikerin aus Memphis nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie uns die niederschmetternden Erlebnisse ihres noch jungen Lebens enthüllt. Mit ihrem fantastischen Debütalbum ´Sprained Ankle´ hat sie die wohl traurigste Platte der letzten Zeit abgeliefert, auf der Bühne wirkt sie zwischen den Songs allerdings weit weniger trübselig als die Protagonistin ihrer Songs, scherzt mit dem Publikum und wundert sich, dass sie – „ironischerweise“ – sogar ein Lied namens ´Good News´ geschrieben hat. Anschließend fragt sich eine Zuschauerin: „Wie passen so viele Emotionen in eine so kleine Person?“ Das ist auch uns ein Rätsel, sicher dagegen ist: Wie einst Elliott Smith trifft Julien Baker mit ihren Liedern direkt ins Herz.


Weitere Infos: www.facebook.com/julienrbaker
© 01. Juli 2016  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
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