interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
kontakt

A
N
Z
E
I
G
E

NICO, 1988 - Film Kino Text

 
Das Biopic begleitet Christa Päffgen alias Nico (überragend verkörpert von Trine Dyrholm) mitsamt Entourage auf ihrer Abschiedstour kurz vor ihrem tödlichen Unfall auf Ibiza, 1988. Der Kinostart markiert den 30. Todestag der Künstlerikone der 60er: erstes deutsches Supermodel, Muse von Andy Warhol, Sängerin bei „The Velvet Underground“ und kurzzeitige Geliebte von Lou Reed und Alain Delon. Der in dunklen Tönen gehaltene Roadmovie zeigt eine knallhart mit sich ins Gericht gehende Zynikerin, die für ihre Solokarriere geschätzt werden will und deren körperlicher Verfall, aufgrund des anhaltenden Drogenkonsums und ihres voranschreitenden Alters, dabei nicht geleugnet wird.
Während ihr Team die Launen der Sängerin abzufedern versucht, scheint Nico über lange Strecken in ihrer eigenen Welt versunken, hin- und hergerissen zwischen ihrer gescheiterten Mutterrolle und dem Bewusstsein, der – nach Skandalen lechzenden – Öffentlichkeit keine Genugtuung zu schenken. Ihr Sohn aus der Beziehung mit Alain Delon wurde zunächst nicht anerkannt und kam später in die Obhut seiner Großmutter. Auch wenn Nico das Image der „Priesterin der Finsternis“ auch abseits der Bühne anhaftete, so schafft es NICO, 1988 einige Funken weiblicher Sensibilität durchscheinen zu lassen, gerade wenn ihr bildhübscher Sohn scheinbar unfähig ist sein Leben auszuhalten. Trotzdem hält sie knallhart an ihren Prinzipien fest, was zu absurden Situationen führt, wenn z.B. ein heimlich organisiertes Konzert in Prag im Vorfeld bereits zum Scheitern verurteilt scheint.
Trine Dyrholm, die 1998 mit Thomas Vinterbergs DAS FEST ihren Durchbruch feierte, und 18 Jahre später für die Rolle in DIE KOMMUNE (ebenfalls von Vinterberg) auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin geehrt wurde, scheint mit Nico ihre Paraderolle gefunden zu haben. Wenn sie, trotz offensichtlicher Benommenheit, ihr gegenüber mit ihren Blicken durchbohrt oder trotz „kaltem Entzug“ einen Saal junger Prager zum Beben bringt, wird klar, dass diese Ikone mehr zu bieten hat als die Klischees vermuten lassen. Die Gesangspassagen im Film wurden von Dyrholm selbst gesungen.
IT/BE 2017, Regie: Susanna Nicciarelli
Darsteller: Triane Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca u.a.
Kinostart: 19.07.2018

Weitere Infos: www.filmkinotext.de
© 01. Juli 2018  WESTZEIT ||| Text: ellen_paris ||| Datenschutz
Filme


suche