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MUHI – GENERALLY TEMPORARY - Neue Celluloid Fabrik

 
Der Junge Muhi ist ein Sonderfall. Und die Tatsache, dass dieser Dokumentarfilm über ihn existiert, kann als ein kleines Wunder betrachtet werden. Gerade im Kontext der sich wieder einmal verschärfenden Nahost-Krise, ist das Fortbestehen menschlicher Regungen innerhalb einer von Kriegshandlungen- und androhungen gesättigten Region, ein nicht zu unterschätzender Glücksfall.
Muhi, Sohn eines Hamas-Aktvisten, wird als Säugling zur Behandlung einer lebensbedrohlichen Krankheit aus dem Gazastreifen in ein israelisches Krankenhaus verlegt um sein Leben zu retten. Begleiten darf ihn nur sein Großvater Abu Naim. Mit zwei Jahren verschlimmert sich sein Zustand dramatisch und die Ärzte sind gezwungen, seine Gliedmaßen zu amputieren. Muhi richtet sich ein: mit künstlichen Armen und Beinen, im Kreis seiner liebevollen Betreuer, zwischen seiner Heimat und seinem Zuhause. Seine Rückkehr nach Gaza wäre auf Grund der desolaten Gesundheitsversorgung sein sicheres Todesurteil, das Betreten israelischen Bodens ist ihm und seinem Großvater jedoch durch die israelischen Sicherheitsvorschriften untersagt. Monate werden zu Jahren und Muhi, heute sieben Jahre alt, verbringt sein ganzes bisheriges Leben in diesem Krankenhaus. Liebevoll betreut von Abu Naim, seinem Großvater und Buma Inbar, einem israelischen Kriegsveteran, der seinen eigenen Sohn im Krieg verlor.
Muhi wächst unter paradoxen Umständen auf – gerettet, behandelt und aufgezogen vom „Feind“ seines Volkes, während seine eigentliche Familie in Gaza lebt. Das Krankenhaus wird er im Sommer endgültig verlassen müssen um zur Schule zu gehen. Ein Dilemma für alle Beteiligten, das eine schwere Entscheidung fordert: wird Muhi in Israel ohne seine Familie aufwachsen oder, unter Lebensgefahr nach Gaza zurückkehren? Wenn die Kamera minutenlang auf Muhis betrübtes Gesicht ruht, während seine Freunde aus der Station alles versuchen, um ihm ein Lächeln zu entlocken, scheint sich die shakespearsche Frage nach dem „Sein“ ungehindert im Raum zu manifestieren.
MUHI lief bereits auf vielen Festivals und konnte sowohl Kritiker als auch das Publikum für sich begeistern. Leider konnte der Film keinen deutschen Verleih überzeugen, ihn in sein Programm aufzunehmen und er wird bislang von den Produzenten selbst vertrieben. Da er zur Zeit auf Kinotour durch Deutschland ist, stellen wir ihn hier ausnahmsweise, nichtsdestotrotz als bedeutenden Beitrag zur Völkerverständigung, gerne vor.
DE 2017, Regie: Rina Castelnuovo-Hollander, Tamir Elterman
Protagonisten: Mohamed 'Muhi' Naim, Abu Naim, Buma Inbar u.a.
Kinostart: - (Auf Kinotour durch Deutschland im Juni)

Weitere Infos: Muhi-film.de
© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Text: ellen_paris ||| Datenschutz
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