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EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH - Neue Visionen

 
Sehr lange hat der Schwede Roy Andersson über das Menschsein nachgedacht. Seit 1996 hat er begonnen das Kondensat dieser Denkleistung filmisch einzufangen, um es im Anschluss in Form seiner 'Trilogie über das Menschsein' , bestehend aus SONGS FROM THE SECOND FLOOR (2000), DAS JÜNGSTE GEWITTER (2007) und dem aktuellen EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH, dem Publikum anzuvertrauen. In langen, statischen und perspektivisch verzerrten Einstellungen, mit vorwiegend grauen und ocker-getränkten Farbpaletten und grotesken Körperbildern, visualisiert der ansonsten mit Werbefilmen zum Star avancierte Andersson seine ganz persönliche Sicht auf die Spezies Mensch. Dabei schafft er wie kein zweiter den Spagat zwischen Tragik und Humor. Während er mit Pauken und Trompeten die Endzeit ankündigt, mit Horror auf skrupellose Institutionen und Lebenskonzepte zeigt, vermag er gleichzeitig Lichtpunkte aufzuzeigen und Auswege anzudeuten. Bislang wurde er dafür u.A. im Jahr 2000 mit dem Spezialpreis der Jury in Cannes und diese Jahr mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet.
Im letzten Teil der Trilogie setzt Andersson sein dramaturgisches Konzept fort und stellt in kurzen Episoden eine Reihe von Figuren vor die untereinander z.T. grob vernetzt sind und deren Geschichten lose in einander übergehen. Es sind eher melancholische Gemüter, die wir in ihrem Alltag beobachten dürfen, wie sie mit Trauerminen den Wirrnissen des Lebens beiwohnen. Ihnen gemein ist ein vermeintliches Gegenüber, von dem wir ausgehen sollen, denn dieses wird regelmäßig telefonisch adressiert und zwar mit der Aussage „Es freut mich zu hören, dass es Euch gut geht“. Ob es diese Gesprächspartner wirklich gibt und ob es ihnen wirklich so prächtig geht sei dahingestellt. Das ist aber auch gar nicht wirklich wichtig. Solange die Menschen die Kommunikation untereinander nicht verlernen, besteht Hoffnung. Diese befällt ebenso die Jünger Anderssons, denn mit dem nächsten Film wäre langsam mal ein neuer Ansatz fällig.
SE, NO, FR, DE 2014, Regie: Roy Andersson
Darsteller: Holger Andersson, Nils Westblom, Charlotta Larsson, Victor Gyllenberg u.a.
Kinostart: 01.01.2015

Weitere Infos: www.neuevisionen.de
© 14. Dezember 2001  WESTZEIT ||| Text: ellen_paris
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