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SHAME - Prokino

 
Steve McQueen scheint in seinen Leben alles richtig zu machen: als Künstler erhielt er für seine Fotografien und Installation bereits 1999 den renomierten Turner-Prize, nach dem Einstieg ins Filmgeschaft mit seinem Erstlingsfilm HUNGER die Caméra d' Or in Cannes. Mit SHAME, seinem zweiten Langfilm, kam die Einladung zu den 68.Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Der Film bekam den FIPRESCI-Kritikerpreis und McQueens Gespühr für die Wahl des richtigen Hauptdarstellers die Coppa Volpi. Nun läuft der Film in Deutschland an und hat auf jeden Fall Kultpotenzial.
Situiert im zeitgenössischen Großstadtdschungel New Yorks begleitet die Kamera als einzige 'Vertrauensinstanz' den Mitdreißiger Brandon (Michael Fassbender) bei seinem Alltag. Als erfolgreicher Angestellter eines Unternehmens und Single verläuft sein Leben weitesgehend störungsfrei, wäre es nicht durchsetzt von der permanenten Suche nach sexueller Befriedigung. Dabei handelt es sich haupsächlich um oberflächliche Abenteuer und One-Night-Stands. Da er seine Sexsucht penibel organisiert, kann er sich in der Öffentlichkeit als weitesgehend normal fast schon langweilig präsentieren. Dieser kontrollierte Rhythmus gerät ins Wanken, als seine exzentrische Schwester und Sängerin Sissy (Carey Mulligan) überraschend in seiner Wohnung auftaucht und vorübergehend bei ihm einzieht. Mit seinem Chef Chris besuchen sie eine Bar, in der Sissy eine Marylin-Monroe-hafte Version des Sinatra-Klassikers 'New York, New York' singt. Beide Männer sind hingerissen. Chris, der mit ihr später eine wilde Nacht verbringt, eher von ihren weiblichen Reizen, während auf Brandon eher der Songtext einzuwirken scheint. Er begreift, dass er so nicht weitermachen kann, gerade weil sein Doppelleben auch sein Arbeitsleben gefährdet. Doch dies gestaltet sich komplizierter als gedacht, denn Brandon tut sich schwer mit 'echten' Beziehungen zu Menschen. Ausserdem sind Rückfälle in alte Muster an der Tagesordnung. Erst ein alarmierender Vorfall scheint ihn entgültig wachzurütteln...
Michael Fassbender (INGLOURIOUS BASTERDS, HUNGER) erweist sich wieder einmal als begnadeter Charakterdarsteller, der aus jeder Rolle das optimale harauszuholen vermag. Es ist auch für ihn ein Glücksfall mit McQueen einen Regisseur an seiner Seite zu haben, der ihn perfekt besetzt. Carey Mulligan (DRIVE, AN EDUCATION) glänzt in SHAME als ebenbürtige Gegenspielerin. Aufgrund einer entwaffnenden Chemie zwischen den Geschwistern, die teilweise inzestoöse Formen annimmt, kann der Zuschauer nur erahnen, was ihrer Vergangenheit liegt.
New York selbst tritt als dritter reifer und knallharter Protagonist auf, als Kehrseite von Woody Allens Neurosen-Romantik, obwohl oder gerade weil das Drehbuch auf den Berichten sieben Sex-Süchtiger New Yorker basiert.
UK 2011, Regie: Steve McQueen
Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Hannah Ware, Amy Hargreaves u.a.
Kinostart: 01.03.2012

Weitere Infos: www.shame-derfilm.de
© 01. März 2012  WESTZEIT ||| Text: ellen_paris
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