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LEBANON - Senator

 
Regisseur Samuel Maoz hat im Libanonkrieg in einer Panzereinheit gedient und berichtet, dass seine Mutter nach seiner Rückkehr ausrief „Gedankt sei Gott, dass er Dich lebendig und unversehrt heimkehren lies“, wobei er selbst sich keineswegs unversehrt, vielmehr sogar noch nicht einmal als „sich selbst“ zurückkehren fühlte. Nachdem er 25 Jahre versucht hatte, dieses Gefühl zu ignorieren, beschloss er, seine Erinnerungen zu einem Film zu verarbeiten. Das Drehbuch geriet dann so fragmentarisch und zusammenhanglos, dass bei der Umsetzung des Films rasch klar war, dass vielmehr die visuelle und körperliche Erfahrung der Protagonisten im Vordergrund stehen sollte als eine nachvollziehbare Geschichte. Damit ist das Konzept des Films denkbar innovativ und hebt sich von vergleichbaren Anti-Kriegsfilmen ab: Maoz möchte den Zuschauer durch eine vergleichbare Erfahrung schicken, wie er sie seinerzeit als Schütze in einem Panzer erleben musste. Seine Schauspieler hat er also in eine klaustrophobische Panzerimitation gesperrt, die Außenwelt wird lediglich im Zielfernrohr sichtbar, die Bilder vibrieren, ruckeln und zoomen sich quälend langsam an das Geschehen außerhalb des Panzers heran. Solchermaßen eingekerkert, durchgeschüttelt, desorientiert und angstzerfressen fahren die Protagonisten durch feindliches Gebiet. Das sollte eigentlich einen ergreifenden, dramatischen Film ergeben, wenn … ja wenn das nicht dann doch wieder alles vertraut wirkte: Die klaustrophobische Enge aus „Das Boot“, dreckverschmierte, ängstliche Soldatengesichter aus „Apocalypse Now“ (u.a.), die Leiden der libanesisch/palestinensischen Bevölkerung aus „Waltz with Bashir“. Trotzdem sehenswert.
Israel 2010, Regie: Samuel Maoz
Darsteller: Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, u.a.
Kinostart: 14.10.2010
© 01. Oktober 2010  WESTZEIT ||| Text: Chrisloew
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