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ANDREAS ESCHBACH - NSA

 
796 S., Bastei-Lübbe, 22,90 EUR
Ich kannte Eschbach nur durch die Filmversion seines "Jesusvideo"-Romans und dachte: naja! Aber bei allen Vorbehalten gegenüber Unterhaltungsliteratur im Allgemeinen und alternativhistorischen Romanen im Besonderen – dieser Wälzer ist durchaus gelungen. Natürlich darf man – wie fast immer bei kontrafaktischer Geschichtsschreibung – nicht zu sehr die Haare in der WortSuppe suchen, sondern sollte sich auf die Ideenwelt des Autoren locker einlassen. Eschbach in die 1930/40er Jahre zu folgen heißt nämlich, die Möglichkeiten und Folgen sozialer Netzwerke, smarter Haustechnik, bargeldlosen Bezahlens, mobiler und elektronischer Kommunikation, kurz die (in dieser Konsequenz dann nämlich wohl doch von fast jedem nicht gewollte) komplette Transparenz und Kontrollier-, auch Manipulierbarkeit der Technik und ihrer Nutzer zu erkennen. Komputer, Volkstelefon, Weltnetz und Elektropost sorgen schon bei den Nazis für vermeintliche Erleichterung des Alltags, liefern aber auch dem "Nationalen Sicherheitsamt" in Weimar beste Voraussetzungen für die Überwachung der Reichsbürger, das algorithmenbasierte Aufspüren von versteckten Juden und Fahnenflüchtigen oder die Umsetzung sexueller Gewaltphantasien eines Beamten. Zwischen Programmstrickerinnen und Datensilos wird zugleich die Radikalisierung des Bürgertums unter faschistischen Vorzeichen eindrucksvoll nachgezeichnet, so dass man hier von wirklich guter Unterhaltung reden kann.

Weitere Infos: http://www.andreaseschbach.de/werke/romane/nsa/nsa.html
© 01. Februar 2019  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Datenschutz
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