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FRANZISKA GRÄFIN ZU REVENTLOW - Der Geldkomplex

 
Launenweber Verlag, 168 S., 20,00 EUR
Die freigeistige "Skandalgräfin" war um 1900 in Schwabinger Bohemekreisen eine Institution, folgte 1910 aber der Empfehlung ihres Freundes Erich Mühsam, nach Ascona zu den Lebensreformern am Monte Verità zu ziehen. Vor allem, um die herkunftsuntypischen Geldsorgen zu mildern. Jene waren auch der Grund für ihre Scheinehe mit einem russischen Baron; leider ging die Bank, die ihren Erbteil nach Schwiegerpapas Ende verwaltete, umgehend Pleite. Womit wir auch schon mitten im Plot dieses Briefromans wären, der zu guten Teilen auf dem wahren Leben seiner Autorin basiert. In einer Nervenheilanstalt steckt die Heldin schnell ihre seltsamen Freunde (ua. ein manischer Unternehmer, der "für einen Gründer … viel zu anständig" ist, ein heiratswütiger Russe und eine Baulöwenwitwe) mit einer seltsamen Hysterie an. Ein Epigone der gerade erfundenen Psychoanalyse diagnostiziert als Wurzel allen Übels einen "Geldkomplex" und im Spielcasino landet die Heldin selbstverständlich auch. Wundervoll systemverweigernd in Weltsicht und Verhalten wird hier nicht nur en passant der Kapitalismus entwertet (und Freud gleich mit), sondern man kann auch so herrliche Sätze lesen wie diesen: "… es ist draußen so heiß, daß man sich nicht auf Emotionen einlassen kann." Auch für Freunde schön ausgestatteter Bücher eine wirkliche Entdeckung.

Weitere Infos: www.launenweber.de/lw-shop/reloaded/der-geldkomplex
© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Datenschutz
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