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HARALD MARTENSTEIN / TOM PEUCKERT - Schwarzes Gold aus Warnemünde

 
Aufbau Verlag, 256 S., 19,95 EUR
Ich habe den Eindruck, das Jubelfest "25 Jahre Wiedervereinigung" hat bei vielen Schriftstellern offenbar den dringenden Wunsch hervorgerufen, Alternativgeschichte(n) zu verfassen. Das war zwar schon '99 bei v. Ditfurths "Die Mauer steht am Rhein" nicht schlecht, wurde 2011 mit Urbans "Plan D" wirklich gut und auch die Grundidee von Martenstein/Peuckert hat zweifellos Charme: Dank eines plötzlichen Erdölfunds in der Wismarer Bucht geht die DDR 1989 keineswegs unter, sondern wird im Eilzugtempo zum reichsten (und somit schönsten) Land der Welt. Auch wenn die SED weiter Sozialismus spielt, dank Petrogeld gibt’s Grundeinkommen und Austern satt. Ideologische Abweichler werden zwar weiter straff gemaßregelt, aber der (deutsche) Kleinbürger wäre nicht ein solcher, würde ihn das mehrheitlich stören. Diverse (real existierende) Prominenz wird in unterschiedlichsten Positionen in den Text eingewoben, was durchaus reizvoll, weil bezeichnend sein kann (vgl. Robotron-Chef Mehdorn) und dass sich Tübinger Lehrer in Ostberlin mit Taxifahren über Wasser halten, wird nicht nur Wendeverlierer amüsieren. Einziger Wermutstropfen ist, dass Sprache und Stilistik des Gemeinschaftswerks (mich) nicht durchweg überzeugen.

Weitere Infos: www.aufbau-verlag.de
© 01. Oktober 2015  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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