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KERSTIN DECKER - Meine Farm in Afrika

 
Berlin Verlag, 480 S., 22,99 EUR
Ich weiss nicht, ob man das hier ausführlich beschriebene Leben der Frieda von Bülow als das einer "deutschen Tania Blixen" betrachten kann. Die Tochter aus verarmtem Adel litt traumatisch unter dem Unfalltod der geliebten Schwester und verliebte sich mehr oder minder unglücklich in den später nicht ganz zu unrecht als "krimineller Psychopath" charakterisierten Ostafrika-Kolonialisten Carl Peters (der dann, kurz vor Friedas Tod mit Anfang 50, eine andere heiratet). Was sie nicht zur Eroberin, sondern eher (Mit)Entdeckerin (Deutsch)Ost-Afrikas macht. Die Flucht aus Bismarcks Berlin in die vermeintlich unschuldige Wildnis zwischen Sansibar und Kilimandscharo erfolgt dennoch mit jener (sozialisationsbedingt wohl unvermeidlichen) Distinktion, die in ihren ab 1889 erscheinenden Romanen Niederschlag findet. Kerstin Decker beweist mit dieser Biografie einmal mehr, dass sie mit ihrem unverwechselbaren pointierten Stil eine unbestrittene Meisterin des Genres ist, auch wenn die allgegenwärtige Ironie und das beinahe belletristische Verschränken der Erzählebenen den nur an Fakten Interessierten verwirren könnten. Im Kosmos um Wagner, Rilke, Nietzsche und Lou Andreas-Salome (die ab 1891 zu Friedas GeistesSchwester wird), also in der deutschen Geisteswelt zwischen 1850 und 1920 fühlt sich Decker bestens zuhause. Dass diesem profunden Wissen immer neue Schilderungen auch von eher unbekannteren ZeitgenossInnen entspringen, ist mehr als erfreulich.

Weitere Infos: www.berlinverlag.de
© 01. September 2015  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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