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ANDRÉ HERZBERG - Alle Nähe fern

 
Ullstein Verlag, 272 S., 21,00 EUR
Für alle Nicht-Ostler: Herzberg war Frontmann der nicht ganz schlechten Ostrockband Pankow und trotz aller Systemnähe keiner, der sich den Mund verbieten ließ oder besonders fügsam der FDJ huldigte. Dass er nach dem Untergang der DDR (wie viele der einst Bejubelten) in ein tiefes Loch voller Depressionen fiel, wusste ich nicht, aber dieser stark autobiografisch gefärbte Roman spart auch diese Untiefen der Todessehnsucht nicht aus. Zwar holpert die Familiensaga vom (groß)bürgerlichen Großvater über den kommunistischen (und nach dem Exil im DDR-System aufsteigenden) Vater die ersten 100 Seiten etwas zu zügig durch deutsch-jüdische Historie, aber sobald Jakob Zimmermann himself die Szenerie betritt und seine Erlebnisse im real existierenden Sozialismus beschreibt, erhält die Geschichte Farbe, Blut und Leben. Den Verrat des Vaters am Sohn setzt Herzberg dabei in Beziehung zum biblischen Abraham, der auf Befehl des Herren ja auch bereit war, seinen eigenen Sohn zu opfern. Und die Fragwürdigkeiten des Rockstarseins im falschen Land werden dabei genauso thematisiert wie die spätere spirituelle SinnSuche.
© 01. Mai 2015  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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