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ALEXEI MONROE - Laibach und NSK - Die Inquisitionsmaschine im Kreuzverhör

(348 Seiten, Mainz 2014, Ventil)
Laibach und das interdisziplinäre Künstlerkollektiv Neue Slowenische Kunst (NSK) gehören sicherlich zu den spannendsten künstlerischen Artikulationen Osteuropas. Laibach tritt unmittelbar nach dem Tod Titos 1980 in der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Slowenien auf den Plan. Die Malergruppe Irwin, die Grafiker von Novi kolektivizem, die Theatergruppen Gledališče sester Scipion Nasice/Noordung/Rdeči pilot die Tanzabteilung Baletni Observatorij „FIAT“, die Filmer von Retrovizija sowie die Architekten, Städtebauer und Möbeldesigner von Graditeldi komplettieren das Kollektiv. Und sind - bis auf Laibach- dennoch nie wirklich fassbar. Wenn dann nur temporär in Projekten. Andererseits gibt es sogar einen imaginären Staat, aber mit „echten“ Pässen. Der Kulturtheoretiker Alexei Monroe nähert sich dem Phänomen, indem er das radikale Gesamtkunstwerk hinterfragt. Er beschäftigt sich mit dem gesamten Vokabular der Protagonisten, das von Faschismus hin zu Stalinismus und völkischer Romantik reicht. Stets wird es vermengt mit dem Suprematismus eines Kasimir Malewitsch. Sein schwarzes Kreuz etwa dient Laibach als Logo. Auch Irwin stellen zu seinem Schaffen immer wieder Querbezüge her. Alexei Monroe beleuchtet das Spiel und die Koketterie mit totalitären Symbolen. So sind Laibach im Osten mit stalinistischen Anleihen und Westen mit faschistischen Anleihen unterwegs gewesen. Es sollte deren Austauschbarkeit demonstrieren. Verstanden hat das kaum jemand - außer einer Gruppe Neonazis, die in Göttingen mal versucht hat, den Truck von Laibach abzufackeln. Das Buch zeigt aber auch, welche Bedeutung die Ansätze von Laibach und der Neue Slowenische Kunst für zeitgenössische Debatten über Kultur und Gesellschaft haben. Wer sich dem Phänomen immer mal nähern wollte, der wird kompetent eingeführt, wenn man in Kauf nimmt, dass Alexei Monroe das komplizierte Geflecht der verschiedenen Abteilungen der Neuen Slowenischen Kunst zwar versucht zu entwirren, aber den Akzent doch deutlich auf Laibach legt.
© 01. Juli 2014  WESTZEIT
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