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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
Der Sommer scheint sehr klavierlastig zu werden, zuerst mit Altmeister ABDULLAH IBRAHIM. Der startete als Dollar Brand seine Karriere im Kapstadt der späten 40er und spielte später mit so ziemlich allem, was in der etablierten JazzWelt Rang und Namen hat(te). Mit zarten 84 hat er noch immer die Energie für hervorragende, zwar recht traditionelle, aber dennoch sehr aufregende Musik. "The Balance"(Gearbox) hält eben jene zwischen fragilen Solostücken und feiner Teamarbeit mit seiner Band Ekaya. 4
Und da sind CHRISTIAN WOLFFs "Preludes, Variations, Studies and Incidental Music", die Philip Thomas mit sicherer Hand für Sub Rosa einspielte. Wolff selbst beschrieb seine Kompositionen mal als "an odd sort of mix of Ives and Satie", was bei aller Selbstironie trotzdem richtig ist. Der jüngste (und vielleicht unterbewertetste) Vertreter der New York School um Cage/Feldman/Brown führt tatsächlich Saties MöbelMusik zu neuer Strenge und packender Ruhe. Thomas' reiche Erfahrungen mit dieser Art von KlavierKunst kommt dieser schönen 2CD sehr zu gute. 5
Für ANNA GOURARIs "Elusive Affinity"(ECM) bilden Bachs Bearbeitungen von Vivaldi bzw. Marcello die Klammer, die ihre wundervollen Interpretationen von Klavierstücken sehr unterschiedlicher Komponisten. Da ist die fein erfühlte unergründliche Düsternis des von mir sehr geschätzten Alfred Schnittke, die verspielte Leichtigkeit zweier kurzer Kantscheli-Stücke, die spartanische Zuversicht Arvo Pärts, aber auch die 7 luziden TagebuchSkizzen von Rodion Schtschedrin und nicht zuletzt Rihms traurig-in-sich-gekehrte "Zwiesprache". Eine alles andere als alltägliche Zusammenstellung von einer alles andere als alltäglichen Pianistin. 5
In den linernotes zu "Eternal Voices"(Jazzline) berichten DAVE LIEBMAN + RICHIE BEIRACH darüber, welchen Einfluß klassische Musik auf ihre JazzArbeiten hat. Besonders hebt Pianist Beirach dabei Bartoks Streichquartette hervor, die der ganzen 2.CD dieses schönen Doppelpacks als Startpunkte für ausgiebige Improvisationen dienen. Auf CD 1 geht’s von Mozart und Bach bis Chatschaturjan, Skrjabin und Schönberg – erstaunlich, wie die beiden dieses Material mit Piano und Sax zu Jazz werden lassen, ohne ihm Gewalt anzutun. 4
Liebman spielt auch im JAMIE SAFT QUARTET, das mit "Hidden Corners"(RareNoise) eine neue CD vorlegt. Wie Liebman bezieht sich PianoMeister Saft stark auf Coltrane, hier nicht nur musikalisch, sondern auch in der Beschäftigung mit kabbalistischer Zahlenmystik. Das klingende Resultat dieser Überlegungen weiß durchaus zu überzeugen (große Klasse einmal mehr KontrabassGott Bradley Jones!). 4
Auch AVISHAI COHEN ist ein großer Bassist, mit seinem b-p-dr-Trio spielt er auf "Arvoles"(Razdaz) nicht ohne Eitelkeit soliden, manchmal beinahe zu gefälligen MainstreamJazz, zuweilen durchsetzt mit etwas WeltMusikGroove (Elchinov). Für den Sommer auf dem Balkon. 3
Wir bleiben entspannt und lauschen dem Jazz gewordenen bunten Treibgut von WINTHER-STORM. "Flotsam"(TWA) wird von den relaxten GitarrenLinien Hakon Stroms und dem stabilen Kontrabass Thomas Winther Andersens dominiert, der Argentinier Natalio Sued spielt zu Mark Coehoorns drums ein schönes freies TenorSax, dazu zwitschern auch einige Effekte. Sehr abwechslungsreich. 4
ZHENYA STRIGALEV & FEDERICO DANNEMANN geben sich auf "The Change"(Rainy Days) bissiger. In sax-g-b-dr-Besetzung spielen sie harmonischen, aber doch aggressiv-fragmentierten Jazz. 3
Für mich deutlich zu HeavyPsychProg-lastig ist die s/t-CD (RareNoise) des norwegischen JazzRock4ers RED KITE. Rhythmisch durchaus faszinierend und auch nicht ohne rohe Energie, aber eben viel zu dicht am reinen Muckertum. 2
Da lieber die akademischen Abgedrehtheiten von CHRISTOPHER DELL. "Das arbeitende Konzert/The Working Concert (Revision VI-VII)"(Edition Niehler Werft) ist nicht nur ein komplizierter Titel sondern auch sehr komplizierte, im Ansatz hoch theoretische Musik (da heißen die Stücke dann schon mal ganz unironisch "Revision VI-VII Modular Form 07 ( =Fond 02 + Formblock 15 + Formblock 12b x3)"), die aber erstaunlicherweise in der tatsächlichen Aufführungssituation auch ohne strukturanalytische Überlegungen viel Spaß macht. Fragmente über Fragmente, die Wirkung aus ihrer Reduktion generieren. 4
Weniger kopflastig, aber gleichfalls fordernd sind die "Troposgrafien"(Nakama) von KASPER SKULLERUD VÆRNES & ANDREAS WILDHAGEN. 42 Minuten lang wirken hier die freien Kräfte von Sax & drums in sehr plastischen Aufnahmen voller Wildheit und Energie. 4
Ist es unterbewusste Prokrastination oder Feigheit – aber für die letzten beiden Platten bleibt nur wenig Platz. Beide habe ich trotz recht häufigen Hörens nicht richtig verstanden, beide durchweht aber ein unbestreitbarer Zauber. Da ist der um minimalistische Keyboardlinien und zarte Sax-Melodien gestrickte postrockende NichtPopNichtRockNichtJazz vom Schweizer AKKU QUINTET. "Depart"(7D Media) hat definitiv was, ich weiß nur nicht genau, was. 3
Und da ist der dunkel-elektronisch knisternde PseudoAmbientMetaTrapMinimalJazz, den die Münchner Band ARK NOIR in die Welt schickt. "Tunnel Visions"(Enja yellowbird) verbindet effektgeladene KraftAusbrüche mit atmosphärischen Schwelgereien und auch einer gewissen New-Wave-Attitude, hinterlässt mich aber gleich nochmal so rat- wie hilflos. 3
Deshalb: nochmal zwei Aperol-Spritz bitte, an den Tisch da hinten, im Schatten! Danke
>>>Fear No Jazz>>>
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© 01. Juli 2019  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Datenschutz
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