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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

JAZZJANZKURZ
Das in Bigbandbesetzung entstandene "Hive Mind"(for the records) von BENJAMIN SCHAEFER ist ein kleines Meisterwerk, bei "Egregores" z.B. erheben sich hier & da einzelne Stimmen aus einem grollenden BläserGrund, versickern wieder, später geschieht Ähnliches vor einem furiosen Schlagzeug – groß! 4
"Four Fauns"(Malletmuse) vom TILO WEBER QUARTET beeindruckt gleichfalls durch die geschlossene Leistung eines (kleinen) Ensembles. Hayden Chrisholm (sax) und Richard Koch (tr) werfen sich zum klassischen Rhythmusspiel von Weber (dr) und Andreas Lang (b) die Töne zu. 4
"Everyone Nowhere"(Prolog) vom Schweizer 4er KAOS PROTOKOLL basiert auf Rockrhythmen, elegischem Bläsertum, dunklen key-Hintergründen und einem Redebeitrag von Mr. Are Dot. Naja. 3
Das internationale 11köpfige Projekt FRANZISKUS des in Graz lebenden Erlangers Simon Kintopp beginnt "Some Sang A Song"(Session Work) mit einer fantastischen, weil sehr zurückgenommenen Fassung von Händels Rinaldo-Schmachtarie "Lascia ch’io pianga". Sängerin Elina Viluma darf hier zeigen, was sie kann. Und sie kann – wie alle Beteiligten – noch viel mehr: Standards von Woody Shaw und Charles Mingus, BarBalladen mit schrillen Streichern, Nummern voller Soli oder Modern(Orchester)Jazz. Selbst John Dowland funktioniert in diesem setting! 4
Letzterer spielte am Hofe Elisabeth I. Laute. Auch JOZEF VAN WISSEM hat sein künstlerisches Leben eben jener gewidmet und es geschafft, dem Renaissanceinstrument – z.B. durch gefühlvolle Verstärkung oder Effektgeräte - hochaktuelle Möglichkeiten zu eröffnen. "We Adore You, You Have No Name"(Consouling Sounds) – ein prima Titel! - ist Minimal, ist 16. Jhd., ist DarkJazz, ist MantraDrone, ist wirklich stark. 5
Dieser Gedankenwelt verwandt ist auch KIM MYHR, der gemeinsam mit CAROLINE BERGVALL, INGAR ZACH und dem QUATUOR BOZZINI die zwischen Konzentration verlangenden spoken-word-Stücken und den klaren Akkorden von Myhrs 12saitiger pendelnde CD "pressing clouds passing crowds"(Hubro) produziert hat. Gerade die mit schwebender Gleichmäßigkeit (ent)stehenden Töne des Streichquartetts passen gut in die halbdunkle Stimmung. 4
Auch VLADISLAV SENDECKI vertraut auf Streicher. Mit dem ATOM STRING QUARTET spielt der polnische PianoHeld auf "Le Jardin Oublié-My Polish Heart"(Neuklang) eine feine Mixtur aus zeitgenössischer Musik und klassischem Jazz. 4
Extrem ist auf "Extreemizms early & late" (Unseen Worlds) eher die Art und Weise, wie altbackene Neue-Musik-Klischees bedient werden. Doch Stop!, manche der PHILIP CORNER-Stücke hier sind ja schon von 1958 – dann können wir das gelten lassen. 3
Bleiben wir bei Neuen Tönen: das Label Unsounds startet die Reihe "Sounds Of The Young Avant-Gard" mit zwei recht unterschiedlichen CDs. "Untitled #2 (The Mute)" von JESSICA SLIGHTER & WILBERT BULSNIK mischt StimmKunst und Elektronik sehr wirksam mit einem Streichduo, wogegen das im Wesentlichen auf OrgelDrones und verschliffenen GesangsFetzen beruhende "Ob-Literate" von ZENO VAN DEN BROEK & GAGI PETROVIC eher anstrengend ist. 5/3
Die Perkussionistin KATHARINA ERNST macht auf "Extrametric"(Ventil) alles selbst. "X_02" ist eine arge DrumOrgie, sonst finden Geschläge und Elektronik hier aber gut zueinander. 4
Das viel gerühmte VEGETABLE ORCHESTRA überzeugt mit seinem "Green Album"(Transacoustic Research) nur bedingt. Vermutlich fehlt der Konserve die nur live zu erlebende Aura des zur Klangerzeugung eingesetzten Gemüses (uva. Jungzwiebeloboe, Gurkophon und Pumpkin Bassdrum), so daß dem NurHörer bloß ein durchschnittliches Stück semielektronischer KlapperZischMinimalistik bleibt. 3
"Crush"(clang) heißt das download-Album von KEISUKE MATSUNO, MORITZ BAUMGÄRTNER & LARS GRAUGAARD nicht zu unrecht, denn hier kollidieren JapanNoiseGitarre, drums und ein Laptop sehr heftig. 3
Mit "Nunatak – Eine Erzählung"(NorCD) vom Saxophon und Ziegenhorn blasenden Norweger KARL SEGLEM kommen wir wieder in ruhige(re) Fahrwasser. Hardanger Fiddel und Rhodes vertragen sich prima und verleihen den Texten aus Seglems Gedichtbänden die richtige Atmosphäre. Skandinavische Qualitätsarbeit eben. 4
Auch GASSMANN & WINGOLD setzen auf LyrikKräfte, "Bis auf den Grund"(rent a dog) wirkt aber, Wingolds sehr sicherer GitarrenArbeit zum Trotz, stimmlich zuweilen etwas arg bemüht. 2
Deutlich einfühlsamer ist LUCIANA SOUZAs klassischer JazzGesang auf "The Book Of Longing"(Sunnyside). Ja, man darf hier an Leonard Cohen denken, denn 4 der 8 Stücke basieren auf Texten aus jener Sammlung von Zeichnungen und Gedichten, die der Meister selbst einst mit Philip Glass vertonte. Und der Rest des netten git/b+voc/perc.-Jazz ist zumindest davon inspiriert. 3
Zum Schluß noch zwei Formen des Leichenfledderns: SchmuseJazzer Till Brönner legt uns die Neuausgabe von OSCAR PETERSONs "Motions And Emotions"(MPS) ans Herz. Auch wenn Peterson ein großer JazzPianist war, ist das hier lediglich perfekt gemachter Easy-Listening-Süßkram von Bacharach bis Beatles. 2
"Strangers In Dub"(Silver Spot) heißt die Loungewerdung von "Spanish Eyes" und "Strangers In The Night", die mit Dub natürlich rein gar nichts zu tun hat, aber erträglich ist, wenn Sandie Wollasch die "Malaysian Melody"-Lolita gibt. Im Grund gilt aber: BERT KAEMPFERT MEETS DE PHAZ – wozu?
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