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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
Norwegen ist für Freunde improvisierter Musik ein Sehnsuchtsort, dort gibt es etliche großartige Musiker und diverse stilsichere Labels, allen voran Hubro und Sofa. GEIR SUNDSTØLs "Brødløs" geht als Hubro-Pink-Floyd-Variante durch: sphärische Gitarren, seltsame MoogSounds, viel Atmosphäre. Mit dabei SzeneGrößen wie Erland Dahlen (dr), David Wallumrød (keys) oder Nils Petter Molvaer (tr). 5
"IMI" heißt das 2. Album von MOON RELAY aus Oslo, für Hubro-Verhältnisse ist das mit den recht straighten beats und all den Synths und effects schon fast Disco. 4
HÅVARD VOLDEN ist Teil von Moon Relay, seine Soloplatte "Space Happy" wirkt aber deutlich sperriger. Elektronisches Gezwitscher eher verstörend-aggressiver Natur, Kurzwellensalat – waren das gerade verzerrte Gitarren? Dann spricht eine Dame vom Internet, später wird gar gesungen. Stets irrt aber ein Schaltkreis durch seltsame Maschinenloops. 4
AVIVA ENDEAN lebt antipodisch in Melbourne, spielt dort Klarinetten aller Art und legt mit "cinder : ember : ashes" ein sehr konzentriertes, puristisches Debut vor. Zumeist rein akustisch erzeugt, funktioniert diese Musik (für mich) unter Kopfhörern gar nicht, in einem halbdunklen Zimmer hingegen sehr gut. 4
STREIFENJUNKO ist der seltsame Name eines Duos, das Sax- und TrompetenTöne durch elektronische Apparate verfremdet. Zarte, eigenartig einsam im Raum stehende Klänge, dazu etwas Klacken und Schweben – "Like Driving"(alle Sofa) ist wundervolle Meditationsmusik im besten Sinn. 5
Für letztere steht (bei mir) v.a. MORTON FELDMAN, dessen relativ "wildes" Orchesterstück "Atlantis"(Hat Hut) recht selten gespielt wird. Die einzige mir bekannte Aufnahme (Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt unter Lucas Vis) wird nun endlich wieder aufgelegt, mit "String Quartet & Orchestra" (Pellegrini Quartet) und "Oboe & Orchestra" (Han de Vries) gibt’s "typische" Feldman-Musik (also ein sehr fein austariertes schwereloses Gleiten durch nur vermeintlich ruhige Wasser) on top. 5
Ganz anders sind die KlangIdeen von TASHI WADA WITH YOSHI WADA AND FRIENDS auf "Nue"(FRKWYS/RVNG Intl.). Orgel und Dudelsack dronen dahin, ein Wecker (oder ein Bakelittelefon?) kreischt dazwischen, dort ein dramatisches Beckenzischen, hier eine (um)fallende OrgelTonLeiter – Tashi ist Yoshis Sohn und jener ein altbekannter Fluxusmeister. Das merkt man auch der Musik an. 3
Viel zugänglicher ist "Louder Than I'm Used To"(Drabant) von der jungen Norwegerin(!) Julie FALKEVIK. Zwischen JungMädchen-WestCoastFolkPop und sanftem GrooveJazz finden sich hier einige Ohrwürmer. 4
Der Kölnerin M'TINARA sind die Grenzen zwischen Jazz und Pop genauso egal. "Time's Arrow"(Aleph2) ist modern (aber nicht, wie bei Jazzhistorikern, eher "heutig"), eklektisch und verträumt. Manchmal mit etwas PopBalladenPop, einmal aber auch mit hintergründigen rap-lines. 3
Auch JAN FELIX MAY rast munter durch alle Genres. "Red Messiah"(Jazzline) ist smoother VocalJazz (hier begegnet uns Torun Eriksen wieder – s. WZ 10/18!) ist zerklüftet und positiv akademisch ist impressionistische Ballade ist raumgreifender ProgressivePop. Ist gute Musik. 4
Eine Art PostPunk-/New Wave-Version von ProgressiveRock als AmbientJazz spielen die beiden Bassisten COLIN EDWIN und LORENZO FELICIATI. "Twinscapes Vol.2 - A Modern Approach To The Dancefloor"(RareNoise) heißt das hörenswerte Ergebnis, das viel besser klingt, als es das o.g. StilGebräu vermuten ließe. 4
Auffällig ist in diesem Monat die große Zahl erwähnenswerter Klavier-CDs, etwa "Rooms Of Silence"(GLM) von CHRIS GALL, der mit seinen zarten Balladen eine ruhig-entspannte, aber nie anbiedernde Insel im TagesLärm erzeugt. 4
Oder "The Space"(Pirouet) vom New Yorker Altmeister KENNY WERNER, der mal sehr introvertiert-verträumt, mal aber auch frühlingshaft-frisch aufspielt – man denkt des Öfteren an Keith Jarrett. 4
Ein p-b-dr-Trio begleitet AYCA MIRAC. Deren einfühlsame Stimme verleiht dem kitschfreien Jazz auf "Lazjazz"(Jazzhaus) mit lasischem (die Lasen sind eine Minderheit im östlichen Schwarzmeerraum) und türkischem Gesang eine exotische Note. 3
Ein sehr spannender Spagat zwischen Freiheit und Struktur, zwischen Jazzclub und ExperimentierLabor gelingt dem EVA KLESSE QUARTETT auf "miniatures"(Yellowbird/enja). Die trommelnde Bandchefin führt sax-p-b souverän durch diese "ten songs for chamber jazz quartet". 4
Chet Baker-Bassist RICCARDO DEL FRA versucht's auf "Moving People"(Cristal) orchestral, bleibt aber meistens zu lahm. Guter Durchschnitt. 3
Ich mag das Vibraphon, deshalb gefällt mir "Under The Same Sky"(Berthold) vom MARTIN FABRICIUS TRIO, auch wenn sich hier wenig Innovationen finden. Stimmungsvolle Träumereien, aber auch Zupackenderes zu dr-b-Begleitung. 4
Etwas zu frickelig-altherrenjazzmäßig sind mir NACHTFARBEN mit "AIRA"(Hey!Jazz) unterwegs. Exaltierter Gesang und komplizierte b-g-p-Harmonien zu kunsthandwerklichen drums (und DJ-scratches). So bemüht wie Band- und CD-Titel (unbedingt groß schreiben!) ist auch die Musik. Less is more. 2
Da ist der "Brief"(Pirouet) des Kontrabassisten ROBERT LANDFERMANN interessanter. Der Chef spielt fein frei, seine Kollegen an as-ts-p-dr assistieren adäquat. Die Einflüsse reichen von Hindemith bis zu ukrainischer Folklore, werden aber kräftig durch die FreeJazz-Schleuder gedreht.
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