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QUICKSILVER - QUICKSILVER

 
QUICKSILVER
"Live In Mostar"(ARC) spielten DIVANHANA ihre bosnischen Savdalinkas (so heißen die melancholischen Liebeslieder des Balkans) im Nationaltheater der geschundenen Stadt. Die junge Kapelle um die so hübsche wie ausdrucksstarke Sängerin Naida Catic folgt weniger einer streng-traditionellen Auslegung, sondern versucht recht überzeugend, auch Elemente von Jazz oder (Folk)Pop einzubinden. Spätestens mit ihrer Fassung von "Crven fesic" kriegt die Band jeden - alles tanzt Kolo. Als Bonus gibt’s noch 1 Stunde Interviews und weitere Livemitschnitte als DVD. 4
Weiter südlich, im Kongo, gehen JUPITER & OKWESS mit "Kin Sonic"(Glitterbeat) auf Spurensuche und verknüpfen AfroBeat mit modernen PopGedanken. Nick Cave-buddy Waren Ellis oder Blur-Gorilla Damon Albarn sind nur einige der Gäste, die hier mit Trommelmeister Jupiter und seiner Band (in der u.a. Montana von Staff Benda Bilili spielt) eine sehr gelungene CrossOver-Platte vorlegen. 4
FAEY ist die neue Band der ehem. Faun-Sängerin Sandra Elflein und "Honey & Cinnamon"(F.A.M.E.) schon deren zweite CD. Spielfreudiger Nyckelharpa-Drehleier-Flöten-FolkPop zwischen mittelalterlich angehauchtem Rock (der Titelsong) und fingerschnippenden Nettigkeiten wie "Pick An Apple". 3
Noch besinnlicher wird’s mit "Kavkasia"(Volkloren). MINCO EGGERSMANN ließ sich von einer Georgienreise zu melancholischen soundscapes, filigranen Songs und zarten Filmmusiken inspirieren. Streicher, Bläser, etwas fieldrecordings und electronics - hier regiert Wohlklang (mit Meister Audun Erlien am Bass!). 3
FELINE & STRANGE sind auch mit einer neuen CD am Start. "Out"(Motor) balanciert weiter auf dem Grat zwischen CabaretJazz und SteamPunk, GothicOper und TheaterRock, ist noch immer "GEMA-frei aus Prinzip" und definitiv kein Dresden-Dolls-clone. 4
Auch wenn mir HELEN SCHNEIDERs "Movin' On"(SPV) wenig sagt, muss ich zugeben, dass dieser AdultRock mit Jazzflair handwerklich nicht schlecht gemacht ist. 3
JOHN STAMMERS würde man mit den fragilen SiSoSongs von "Waiting Around"(Wonderful Sound) eher in Kalifornien als in Nordengland verorten. Obwohl Nick Drake gar nicht so weit entfernt ist und der war ja auch Brite. GitarrenFolk, hometaping, auch mal die große Geste mit Bläsern etc. - dazu immer sensibler HerrenGesang und Gäste wie die großartige Nancy Elizabeth mit celtic harp und Stimme. Dunkelschöne Sommer(nacht)musik. 4
Wer sich noch an die vom mir sehr geschätzten ItaloSchmalzPopper Matia Bazar erinnern kann, eine Prise IndieAggressivität hinzu gibt und sich das dann als psychedelischen DreamPop vorstellt, der ist dicht an der "s/t"-EP (Bulbart) des italienischen Duos GOLDEN RAIN. 4
Der GruftWave, dem ANIMAL YOUTH huldigen, bliebt auf "animal"(Weyrd Son) leider doch zu epigonal. 3
Auch der dunkle "cinematic ambient rock" von MENISCUS überzeugt nicht vollends. Dabei ist "Refractions"(Bird's Robe) durchaus kraft- und druckvoll, auf Dauer aber eben auch etwas eintönig. 3
Mit dem fauchenden "Ding" und dem flackernden "Kram" werden zwei rel. späte CDs des 2015 verstorbenen Kluster-Mitgründers DIETER MOEBIUS wieder aufgelegt. Das ist natürlich löblich, weil insbesondere "Ding" schon ein großes Stück experimenteller sample/loop-Kunst ist. Aber es gibt eben auch sehr spannende brandneue Musik, die von solchen re-issues vielleicht unverdient zur Seite geschoben wird. 4/3
Z.B. "Radius Walk"(alle Bureau B) von SCHNEIDER KACIRAK feat. SOFIA JERNBERG. Die schwedische Vokalakrobatin veredelt mit außerweltlichen Tönen die von warm-verzerrten SynthBässen (besonders herrlich in "Duett") getragenen und mit eigenartigen PerkussionSounds durchwobenen Konstrukte. Auch das Kenia-inspirierte Geklapper der letzten CD findet hier noch Widerhall. 4
Oder das von MIA ZABELKA gemeinsam mit ASFERICO zerschlagene "The Broken Glass"(Störung). Experimentelle Geigenklänge treffen in drei z.T nicht nur zeitlich ziemlich ausufernden Stücken auf field recordings und electronics - manchmal auf den Spuren der Kosmischen, oft aber auch dicht an EchtzeitMusik und stets sehr sehr ruhig. 4
"Raft"(Room 40) von MIKE COOPER schwelgt in dezent von Störgeräuschen durchwehten Elegien aus relaxtem Klimpern, das seinen Ursprung in einer Art Hawai-Gitarre haben könnte. Sehr entspannend, aber auch etwas ereignisarm. 3
THE IMMERSIVE PROJECT besteht aus dem Kölner Trommler Holger Metin und dem Elektroniker Koko Eberli aus Zürich. Jede Menge Gäste mit vielen exotischen und/oder extravagant bedienten Instrumenten machen aus der "s/t" CD(Spezialmaterial/Staubgold) ein kleines highlight. Perkussion wird hier mal als elektronischer Ansatz verstanden (und dann wie eine Tabla gespielt), soundscapes stellen sich in den Dienst des Gesamteindrucks und distinguierter Humor musste auch nicht draußen bleiben. 4
HÅKON STENE & KRISTINE TJØGERSEN treiben mit ihrer Interpretation von MICHAEL PISAROs "asleep, street, pipes, tones" die Abstraktion noch weiter. Herrliche Bassklarinetten-drones, feinstes Flirren & Fiepen, bedachtes Rauschen und dunkle SynthGitarrenSoli fügen sich zu einem meditativ-konkreten Klangerlebnis der Sonderklasse. 5
Hinter BRUTTER stecken mit Christian und Fredrik Wallumrød zwei Helden des norwegischen Impro-undergrounds, die sich auf "Reveal and Rise" mit dem Übergangsgebiet zwischen Geräusch und beat, Rhythmus und Nicht-Rhythmus, Musik und Lärm, Konstrukt und Zufall befassen. Das gebiert Großartiges wie z.B. das stolpernde "Mi Tek No" - Brutter selbst definieren das als "anti-techno". 5
Weniger konzeptionell, sondern als "ambient gothic improvisations" ganz richtig beschrieben ist "The Third Script"(alle Hubro) von JO BERGER MYHRE (Kontrabass und electronics) & ÓLAFUR BJÖRN ÓLAFSSON (Keys, drums). Nur auf Vinyl (und als DL) wird hier Enos oft pervertierte Ambient-Idee endlich mal wieder ernsthaft aufgenommen und weitergedacht. 5
Auf eine andere Art hochexperimentell ist "Minute Bodies: The Intimate World Of F. Percy Smith"(Cityslang), der entschleunigte Soundtrack zu einer Film/Musik-hommage an den britischen Naturfilmpionier, die TINDERSTICKS-Chefdenker Stuart A. Staples himself aus Smiths Originalaufnahmen collagiert hat. Gast ist ua. Christine Ott mit ihrem Ondes Martenot (eine Art Theremin), das sich in den entrückten, sehr facettenreichen und auch im Detail höchst durchdachten AvantCinemaSound bestens einfügt. Wer also zu vertrackten, aber dennoch nicht verschreckenden instrumentals sprießendes Moos im Zeitraffer betrachten möchte (was tatsächlich ein ästhetisches Erlebnis ist!), wird hier bestens bedient.
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© 01. Juli 2017  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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