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Ruth Marten "Dreamlover" - Max Ernst Museum Brühl des LVR

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt zum ersten Mal in Europa eine Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Ruth Martin, anlässlich ihres 70. Geburtstages. Bis Ende Februar 2019 sind rund 200 ihrer Arbeiten aus nahezu fünf Jahrzehnten auf Papier, Gemälde und Objekte sehen. Die Ausstellung ist eine Einladung zum subversiven Mitträumen und Reflektieren über das Verhältnis zwischen Traum und Realität im Geiste des Surrealismus.

Fountains & Alligators, #4, 2015, Tusche und Aquarell auf Papier

Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien, © 2018 Ruth Marten



2006 hat Ruth Marten damit begonnen, Druckgrafiken vergangener Jahrhunderte, die sie auf sonntäglichen Flohmarkt-Besuchen entdeckt, zeichnerisch und malerisch zu ergänzen und zu verfremden. Dabei geht sie mit solcher technischer Raffinesse vor, dass der Übergang zwischen Quellen und deren Überarbeitung für den Betrachter verwischt. Naturkundliche Bildtafeln, Buchillustrationen, Portraits oder Modedrucke werden so zum Ausgangspunkt für eine surreale Metamorphose, in der Gegenstände aufgelöst, hinzugefügt oder assoziativ neu kombiniert werden. Das Ergebnis sind doppelbödige Rätselbilder, die mit Anspielungen und viel Witz unwillkürlich den Geist in Bewegung bringen.

„Wir leben in einer stürmischen Collage, die sich ständig verändert”, sagt Ruth Marten. Tatsächlich ist die sogenannte Realität ein ziemlich flatterhaftes Konstrukt. Weil wir selbst mitten drin hängen, ist uns meistens nicht bewusst, dass sie – nicht anders als unsere Träume – ein Produkt unserer Vorstellungskraft ist. Permanent produzieren wir ein Gewebe von selektiven Sinneseindrücken, selbst geschaffener Fake News, mentaler Zensur und Ängsten, Trieben und Wunschvorstellungen, das wir Realität nennen. Traum und Realität sind in dieser Hinsicht nur zwei verschiedene Interpretationen der Welt.

Ruth Marten interessiert sich für die durchlässigen kreativen Zustände, in denen Träume in unser Bewusstsein eindringen und sich auf unsere Entscheidungen auswirken. Es sind die Momente, in denen die Realität – und mit ihr die Kunst – für Träume zugänglich und durch deren Erlebnisse, Charakterisierungen und Stimmungen beeinflusst wird. Damit kommen Momente des Widerspruchs und Ungehörigkeit ins Spiel, die sie aber nicht als frustrierend erfährt, sondern als „der gute Glaube für einen surrealistischen Standpunkt“ annimmt. Er ist die Quelle für die ganz eigene Originalität ihrer Werke, in der sie Historisches und Modernes zu einer neuen, plausibel erscheinenden Gegenwart zusammenführt. Till Barz

Ruth Marten “Dreamlover” (14.10.2018 – 24.2.2019)

Max Ernst Museum Brühl des LVR, Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl

www.maxernstmuseum.lvr.de
© 01. Dezember 2018  WESTZEIT ||| Text: Till Barz ||| Datenschutz
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