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KUNST UND KOHLE - Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg und 16 weitere Standorte

Zahlen, bitte! 17 Museen, 13 Städte, rund 150 künstlerische Positionen – ein Thema: Das Ende der Steinkohleförderung in Deutschland und seine Bedeutung für das Selbstverständnis der Städte und Menschen im Ruhrgebiet. Das städteübergreifende Projekt „Kunst & Kohle“ versammelt ein breites Spektrum künstlerischer Sichtweisen auf die Beziehung der Menschen zum schwarzen Gold. Kohle und Stahl, die beiden Stoffe, mit denen das Ruhrgebiet schicksalhaft verbunden ist, sind auch wichtige Materialien in vielen Installationen von Jannis Kounellis. Mit der Eröffnung der „Hommage an Jannis Kounellis“ wird sowohl der Pionier der Arte Povera als auch mittelbar die Region geehrt, die so eng mit den bevorzugten Werkstoffen des Künstlers verknüpft ist.

Jannis Kounellis, Ohne Titel, 2005, Kohlesäcke und Stahl, 44 x 212 x 280 cm, Installationsansicht MKM, 2018, Slg. Venet Foundation, New York, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Henning Krause

Unten: Ibrahim Mahama, Coal Market, 2018 Schloss Strünkede



„Kohle raus!“ In unserem Sprachschatz ist der Zusammenhang von Geld und Kohle noch gegenwärtig. Im Alltag hat der Rohstoff Kohle für die meisten Menschen längst seine praktische Bedeutung als Grundlage für berufliche Existenz und Wohlstand verloren. Mit der Schließung der zwei letzten Zechen im Ruhrgebiet wird 2018 der endgültige Schlussstrich unter 150 Jahre Industriegeschichte gezogen, die auf Engste mit Stahl und Kohle verbunden war. An ihre Stelle sollen Kunst und Kultur treten und damit das Ruhrgebiet zu einem Kulturstandort mit Perspektive verwandeln. Diese Vision vom radikalen Strukturwandel wird bereits seit Jahren durch Fördermaßnahmen und kollaborative Projekte mit Nachdruck angestrengt. Offensichtlich bekommt im Revier die Verbindung von Kunst und Kohle einen neuen Sinn.
Das mit rund 2,5 Millionen Euro ausgestattete Projekt „Kunst und Kohle“ findet im Jubiläumsjahr der RuhrKunstMuseen statt. Vor 10 Jahren haben sich 20 Kunstmuseen aus dem Ruhrgebiet anlässlich des Jahrs der europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 zum Netzwerk der RuhrKunstMuseen zusammengeschlossen. Unter der Leitung des ehemaligen Chefs der Recklinghäuser Kunsthalle, Ferdinand Ullrich, präsentieren in diesem Jahr 17 RuhrKunstMuseen in Gruppenausstellungen und Einzelpräsentationen internationale künstlerische Positionen, die sich in Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Video- und Klangkunst mit dem Themenkomplex „Kohle“ sowohl retrospektiv, materiell als auch visionär-utopisch auseinandersetzen.
Innerhalb der thematischen Vorgabe sind 17 Ausstellungen mit teilweise sehr unterschiedlichen inhaltlichen Fokussierungen, aber auch von unterschiedlicher Tiefe und Umfang entstanden. Zu den kleineren Beiträgen gehört etwa die Ausstellung des Museum Folkwangs unter dem Titel „Ideallandschaft: Industriegebiet“. Hier sind Grafiken von Hermann Kätelhön (1884–1940) zu sehen, der sich der industriellen Lebenswelt seiner Zeit widmete, aber dabei im Gegensatz zur Modernität seiner Bildmotive auf die Formensprache der klassischen Landschaftsdarstellung zurückgriff. Ähnlich programmatisch naheliegend präsentiert sich auch die Ausstellung der Fotografieserie "Bergwerke" von Bernd und Hilla Becher im Quadrat Bottrop.
Auf andere Erlebnisformen von Kunst und Kohle zielen dagegen etwa die Installationen von Helga Griffith im Kunstmuseum Mülheim oder die Verhängung des Schloss Strünkede in Herne durch den ghanaische Künstler Ibrahim Mahama. In den Arbeiten von Griffith wird die Wandlungsfähigkeit von Kohle sinnlich als Duft erfahrbar: Über das Verfahren der Destillation wird die Essenz der Kohle gewonnen und zu einem Parfüm veredelt. Mit seinen Verhüllungen hat Ibrahim Mahama bereits auf der documenta 14 für Aufsehen gesorgt. Jetzt hat er das Schlossgebäude in Herne mit Jutesäcken in eine monumentale Skulptur verwandelt. Diese groben Stoffsäcke sind das landestypische Verpackungsmaterial seiner Heimat, mit dem nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kohle über weite Strecken transportiert wird.
Die Ausstellung im Duisburger Museum Küppersmühle schließt die Ausstellungsreihe mit der „Hommage an Jannis Kounellis“, dem Pionier der Arte Povera-Bewegung. Neben Stahl, Stein und Stoff ist Kohle eines der grundlegenden Elemente, aus denen er seine raumgreifenden Installationen geschaffen hat. Seine Arbeiten treffen auf Werke von Ayfle Erkmen, Anselm Kiefer, Michael Sailstorfer, Sun Xun, Timm Ulrichs und Bernar Venet, die der Kunst des großen Vorbilds Tribut zollen, indem sie die archaische Kraft des Themas Kohle zelebrieren.

"Hommage an Jannis Kounellis”
Kunst & Kohle
Museum Küppersmühle für Moderne Kunst
Duisburg und 16 weitere Standorte
Mai – Oktober 2018
www.ruhrkunstmuseen.com/
© 01. August 2018  WESTZEIT ||| Text: Till Barz ||| Datenschutz
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