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Horst: Photographer of Style - NRW-Forum Düsseldorf

Als Models noch kein 'Super' im Titel trugen und nicht im Fernsehen gecastet, sondern im Bekanntenkreis und auf Redaktionsfluren entdeckt wurden oder, was auch nicht selten vorkam, Damen von gesellschaftlichen Rang waren, da hatte die Modefotografie ihr Coming-out. Und ein gebürtiger Deutscher war einer der Männer der Stunde.

Links: Round the Clock, New York, 1987, © Condé Nast / Horst Estate

Rechts: Dress by Hattie Carnegie, 1939, © Condé Nast / Horst Estate



Horst P. Horst, der 1906 als Horst Paul Albert Bohrmann in Weißenfels an der Saale das Licht der Welt erblickt hatte, legte 1943, nach seiner Einbürgerung in die USA, den seinerzeit nicht so klangvollen Nachnamen ab. Als Modefotograf war er da längst etabliert. In den 30er-Jahren hatte die Fotografie die Zeichnungen aus den Modemagazinen verdrängt. Die Protagonisten dieser Entwicklung hießen, neben Horst, George Hoyningen-Huene, Mentor und zeitweiliger Lebenspartner von Horst, Adolphe de Meyer, Edward Steichen und Cecil Beaton.

Die Retrospektive „Photographer of Style“ im Düsseldorfer NRW-Forum, kuratiert vom Victoria und Albert Museum in London, bietet mit rund 250 Arbeiten einen Überblick über Horsts 60 Jahre währendes Schaffen – auch jenseits der Mode. Im Mittelpunkt der Schau steht seine Arbeit in den 30er-Jahren für Magazine, vor allem für die in unseren Tagen 100 Jahre alt gewordene „Vogue“. Für die Zeitschrift war er zunächst in Paris und später in New York tätig. Seine Liebe für das Spiel von Licht und Schatten, für dramatische Hell-/Dunkel-Kontraste, hatte Horst schnell entdeckt. Sein Ziel: die Idealisierung der Schönheit.

Vor allem mit Anleihen beim Schönheitsideal der Antike komponierte Horst seine stilbildenden Schwarzweiß-Fotos im Studio. Die Fotomodelle lehnen an Säulen-Attrappen oder verharren in Posen, die sie wie Statuen erscheinen lassen. Als lebende Skulpturen betrachtete der Fotograf seine Modelle. Die liegende „Odaliske“ erinnert dagegen an einen malerischen Topos aus dem 19. Jahrhundert. Dabei war Horst durchaus an der Kunst seiner Zeit interessiert. Art Déco-Einflüsse sind unübersehbar. Von Salvador Dali ließ sich Horst Kulissen für Foto-Sets entwerfen und zu surrealen Stillleben inspirieren – etwa mit Vogelkäfig, Spiegel und Bücherstapel. Ein Porträt zeigt Dali mit geschlossenen Augen. Sich von Horst porträtieren zu lassen, war seinerzeit das Gebot der Stunde. Die Ausstellung zeigt Marlene Dietrich und Rita Hayworth, Gary Cooper und Luchino Visconti, Coco Chanel und Elsa Schiaparelli.
Sein Credo „To make people look good“ hat Horst aber vorrangig in der Modefotografie umgesetzt. Stets akkurat gescheitelt, mit Krawatte und meist rauchend agierte er am Set und fotografierte vor allem Abendgarderobe. Das berühmteste Foto ist ein Rückenakt, das Mainbocher Corset. Nicht aufdringliche Erotik, sondern zurückhaltende Eleganz zeichnet die makellose Komposition im geheimnisvollen Halbdunkel aus: typisch Horst. Der Designer Main Bocher lobte: „Ihre Bilder sind perfekt.“
Die Düsseldorfer Ausstellung, einzige Station in Deutschland, dokumentiert mit zahlreichen „Vogue“-Titeln aus den 30er- und 40er-Jahren, dass Horst den Schritt zur Farbe erfolgreich vollzog. Statt eines mysteriösen Reiches der Schatten inszenierte er nun prallbunte Modewelten. Das auf dem Rücken liegende Badeanzug-Model kann nicht nur einen roten Luftballon mit den Füßen balancieren, es liest auch noch dabei.
Reisefotografien (Israel und Persepolis), Naturaufnahmen im Stile Karl Blossfeldts und männliche Akte, die ein Robert Mapplethorpe gekannt haben muss, zeigen weniger bekannte Facetten des umfangreichen Werkes des Documenta-Teilnehmers (1977). Für das Magazin „House and Garden“ fotografierte Horst Interieurs in Luxusvillen von Karl Lagerfeld oder Cy Twombly. An seine frühen Erfolgsjahre konnte er indes nicht mehr anknüpfen. Über seine Vorstellung von Perfektion war die Zeit hinweggegangen. Mit der Fotografie schloss er jedoch erst wenige Jahre vor seinem Tod ab. Er konnte kaum noch sehen. Horst P. Horst starb 1999 in Florida. Sein Name findet sich heute in jedem Foto-Nachschlagewerk.

(Horst: Photographer of Style (-22.05.2016)
NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2
Mo-So 11-18h, Fr + Sa 11-20h
Info: 0211/8926690, info@nrw-forum.de
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Katalog im Knesebeck Verlag 49,95 Euro
© 01. März 2016  WESTZEIT ||| Text: Uli Traub
Kunst

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