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Avatar und Atavismus. Outside der Avantgarde - Kunsthalle Düsseldorf

Atavismus ist ein Begriff, der das Vergangene wiederbelebt, in dem „das Wiederauftreten von Merkmalen der Vorfahren die den unmittelbar vorübergehenden Generationen fehlen (bei Pflanzen, Tieren und Menschen),“ offensichtlich werden. So definiert es der „Duden – Das Fremdwörterbuch“ und fügt eine zweite Bedeutungsebene an: „entwicklungsgeschichtlich als überholt geltendes, unvermittelt wieder auftretendes körperliches oder geistig-seelisches Merkmal“.

Georg Herold. Nachweis höherer Intelligenz (Neanderthaler/ Einstein), 1984, Dispersion auf Nessel, Holzlatten, 110 x 155 cm

Atavismen werden oftmals als Missbildungen wahrgenommen, so auch „Hirsuties papillaris penis“ (von lateinisch „hirsutus“ = rau, „papilla“ =Warze, „Corona glandis“ - Eichelkrone) - eine Reihe weißlicher, hautfarbener oder rötlicher warzenartiger Bildungen, die am Eichelrand bis zum Vorhautbändchen des Penis des Menschen vorkommen. Im Deutschen werden diese Merkmale gelegentlich als „Hornzipfel“ oder „Hornzipfelchen“ bezeichnet. Ebenso können ein herausgewachsenes Steißbein und zusätzliche Brustwarzenpaare beim Menschen als atavistische Merkmale auftauchen. Bei Rindern bilden sich gelegentlich drei statt zwei Klauen, Meeressäuger wie Wale und Delphine bilden Extremitäten, die Beinen von Landwirbeltieren ähnlich sind.



In der Kunst der 1980er Jahre setzten überraschend auftauchende Köpfe, Hände und andere Körperteile einen der Urform entsprechenden Anker. Damit begehrten namhafte Vertreter westlicher Kunst aus verschiedenen Generationen gegen die Leistungen der Moderne auf. Diese Manifestation äußerte sich durch zerstückelte Körper, dem Tier als Alter Ego des Menschen und einen grundsätzlichen wilden Denken. Dabei ist eine enge Bindung an Outsider-Kunst (vornehmlich durch Menschen mit extremen psychischen Belastungen, Sonderlinge, Grenzgänger, Gefängnisinsassen) nicht zu übersehen. Die Ausstellung „Avatar und Atavismus. Outside der Avantgarde“ versucht, diese Phänomene durch Gegenüber- und Zusammenstellung sichtbar zu machen. Bekannte Künstlerinnen und Künstler zeigen Arbeiten zwischen Obsession, Narration und Ironie, wie sie die postmoderne Wende nach 1978 möglich machte. Walter Dahn, Martin Disler und Georg Jiri Dokoupil zeigen ihre Werke des „wilden“ Jahrzehnts in einem Raum, während im weiteren Fortgang der Ausstellung künstlerische Positionen von Franz West, Rosemarie Trockel, Günther Förg, Thomas Schütte und Mike Kelley auch neue Avatare entstehen lassen. Vor allem ist es die Sichtbarmachung der künstlerischen Blickwinkel einer Generation davor - von Louise Bourgeois über Maria Lassnig bis Georg Baselitz und Bruce Naumann -, die im gleichen Zeitraum eine ähnliche Grundeinstellung an den Tag legten.



Diese Tendenz setzen nach 2000 Künstler wie Kai Althoff, André Butzer, Andy Hope 1930 oder Dana Schutz mit individuell ausgearbeiteten Akzenten fort. Andreas Hofer, der sich seit 2010 Andy Hope 1930 nennt, entwickelt in seinen Arbeiten verschiedene Erzählstränge, die zu einer komplexen Ikonografie führen. Er stellt der Moderne Trümmer der Geschichte, Elemente aus der Gegenwart und fantastische Zukunftsblicke gegenüber. Tal R und Jonathan Meese stellen einen Teil ihrer gemeinsamen Arbeit „MOR (Mutter) Rosa Burg“ aus, in der es vor Avataren nur so wimmelt. Dana Schutz provoziert mit einer kraftvollen Malerei, deren Themen sie in der Obszönität des Lebens findet. Die Figuren von Thomas Zipp beleben durch ihre Irrationalität und grenzgängerische Anwesenheit den figurativ beeinflussten Malereistil von heute, ohne den Atavismus außer Acht zu lassen.



KünstlerInnen wie Georg Brinkschulte, Sabina de Martini, Giorgio Dorigo, Alfred Stief, Karl Burkhard nehmen ebenfalls teil und repräsentieren u.a. das Kunsthaus Kannen Münster, die Kunst-Praxis Soest e.V., MalZeitler Duisburg und ULSS Feltre/Italien.
Bis 08.11.2015
Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 899620
E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de
Geöffnet: di – so, Feiertage 11 – 18 Uhr, jeder 2. Sonntag im Monat: Familientag
bei freiem Eintritt
Eintritt: 6/3 Euro
Weitere Infos: www.kunsthalle-duesseldorf.de
© 01. Oktober 2015  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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