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OUTER SPACE - Bundeskunsthalle Bonn

Vor jedem Raketenstart dasselbe Ritual. Eine Stimme zählt von zehn rückwärts bis auf null die Zeit, die bis zum Abheben des stählernen Monsters vergeht. Eine Erfindung der Raumfahrtspezialisten? Weit gefehlt? Erfunden hat den Zählvorgang der Regisseur Fritz Lang, der für seinen Film „Frau im Mond“ (1929) eine spektakuläres Szenario für den Start einer Rakete suchte. Raketenpionier Hermann Oberth baute für den Film eine Rakete, den von Lang erfundenen Countdown übernahm später die NASA und verzierte damit ihre Raketenstarts.

Links: Die geborgene Mercury-Kapsel Liberty Bell 7 vor der Restaurierung,1999

Rechts: Vorne: Russischer Orlon-Raumanzug für Außenbordeinsätze auf der ISS, Sajut und Mir, Kunststoff

hinten (v.l.): Version des A7L-Raumanzugs, wie ihn Neil Amstrong bei der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 trug Raumanzug des russischen Test-Kosmonauten Alexander Fedorowitsch Poleschtschuk, um 1993, Diverse Kunststoffe, Textil, Metall, Foto: David Ertl, 2014

Unten: Bauähnlicher Kommandoleitstand des Raumschiffs Orion aus der TV-Serie „Raumpatrouille”, Foto: David Ertl, 2014

„Seit Menschengedenken ist der Weltraum Sehnsuchtsort und Projektionsfläche, aber auch Ort von Unbekanntem und Bedrohlichem gleichermaßen.“ Ein Satz aus dem Katalog der großen, interdisziplinären Ausstellung „Outer Space“ in der Bundeskunsthalle in Bonn, der in Kurzform ein menschliches Phänomen illustriert – die Suche nach dem Neuen, dem Unbekannten, dem Schicksal, der außerirdischen Realität. Neben dem Menschheitstraum Fliegen ist der Aufbruch in den Weltraum, in das, was außerhalb des Erdkörpers existent zu sein scheint, ein Wunscherfüllungsgedanke gewesen, der nicht erst seit den Tagen der erfolgreichen bemannten Raumfahrt gehegt und gepflegt wird. Peter Paul Rubens wagte sich aus künstlerischer mit irdischen Mitteln und Stilelementen daran, die Existenz eines Weltraumsystems darzustellen – sein Ölgemälde „Die Geburt der Milchstraße“ (1636-1638) füllt den ersten der zwölf assoziativ gestalteten Ausstellungsräume mit barocker Wucht. Dort ist auch eine Kopie der „Himmelsscheibe von Nebra“ zu sehen, die 1999 auf dem Mittelbergplateau gefunden wurde und den Kosmos darstellt. Sie ist dreitausendsechshundert Jahre alt und zeigt die Sonne, die Mondsichel und zweiunddreißig goldene Sterne. Die Ausstellung, die in enger Kooperation mit dem „DLR – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ entstand, zeigt mehr als dreihundert Exponate aus Kunst, Naturwissenschaft und Raumfahrttechnik von fünfundneunzig Leihgebern: Raumanzüge, Fotografien, Werke der klassischen Moderne von Max Ernst und Odilon Redon, Installationen von Agnes Meyer-Brandis, Via Lewandowsky, Ilja Kabakow), Filme, Mondstaub und dokumentarisches Material wie Zeitschriften, Manuskripte und so weiter.
Zwölf Themen in zwölf Räumen – die Bundeskunsthalle steht total im Zeichen der Raumfahrt. Vor dem Gebäude grüßt das zwölf Meter hohe Modell einer Ariadne 5, der in Europa von der ESA (Europäische Weltraumorganisation) entwickelten Rakete, die insbesondere Satelliten in die Umlaufbahn der Erde transportiert. Sie zweigt sich im Vergleich zur Saturn-V-Rakete mit einer Höhe von einhundertzehn Metern fast kleinlich. Im Foyer des Museums steht das Modell der ISS (International Space Station), die seit 2000 einen Außenposten der Menschheit im All positioniert. Nebenan, im Kunstmuseum Bonn, zeigt der amerikanische Künstler, Autor und Geograf Trevor Paglen seine nach langwierigen Recherchen zusammengetragenen Beweise für eigentlich nicht öffentlich zugängliche Aktionen, auch geheimer Art, im Weltraum: Spionage- und Militäroperationen, Weltraumschrott, geheime amerikanische Raumflugkörper.

Die Ausstellungsräume in der Bundeskunsthalle präsentieren folgende Themenbereiche: Lift Off, Rakete, Failures Is Not An Option, Outer Space, Alltag, Licht und Schatten, Schweben und Stürzen, Richtkräfte, Triebwerk und Tierkreis, Kollision und Installationen. Sie dokumentieren auch den Wettlauf zwischen der UdSSR und den USA, den Weltraum für eigene Zwecke zu erobern. Mehrere Astronauten und Kosmonauten verloren dabei ihr Leben. Angesichts der ins Weltall hoch geschossenen fliegenden Kisten wundert sich der Laie, dass nicht mehr passiert ist und die überwiegende Zahl der Teilnehmer wieder zur Erde zurückkehren konnte. Der hoch dekorierte Jurij Gagarin ist ebenso auf Fotografien zu sehen wie Neil Armstrongs erster Schritt auf dem Mond.

Die historische Entwicklung des Menschheitstraumes, in die Sphären außerirdischer Galaxien vorzudringen, illustrieren der Himmelsglobus von Willem Janszoon Blaeu, planetarische Karten, Fotografien vom Mars. Insbesondere Literatur und Film wirkten bei der Popularisierung des „Outer Space“ mit. Der Roboter „R2-D2“ und der goldene Protokolldroide „C-3PO“ aus „Star Wars“ von George Lucas werden auch viele jüngere Besucher begeistern. Besonders stolz ist die Bundeskunsthalle darauf, mit der Raumkapsel „Liberty Bell 7“ ein Exponat zeigen zu können, das bisher die Vereinigten Staaten nicht verlassen hat. Mit ihr absolvierte Astronaut Virgil Grissom 1961 den zweiten erfolgreichen Weltraumflug der USA. In einem umfangreichen Begleitprogramm beschäftigt sich die Bundeskunsthalle unter anderem mit „Rendezvous mit einem Kometen“ (11. November), wenn zum ersten Mal in der Raumfahrtgeschichte eine Sonde (PHILAE) auf einem Planeten landen wird, „Sonne, Mond und Sterne“ (22. November) und „Welcome Home Alexander Gerst“ (8. Dezember), wenn der deutsche ESA-Astronaut nach einhundertsechsundsechzig Tagen zur Erde zurückkehrt.

Outer Space (-22.02.2015)
Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Tel.: 0228 – 91710
E-Mail: info@bundeskunsthalle.de
Geöffnet: di + mi 10 – 21 Uhr, do – so 10 - 19 Uhr
Eintritt: 10/6,50 Euro
Katalog 32 Euro
Weitere Infos: www.bundeskunsthalle.de www.dlr.de
© 01. November 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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