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SMART NEW WORLD - Kunsthalle Düsseldorf

Die Privatsphäre ist tot. Der Überwachungsstaat behauptet sich nicht erst seit Edward Snowdens Enthüllungsmarathon über die Missetaten der NSA. Was George Orwell in seinem Roman „1984“ voraus gedacht hat, lähmt längst, wenn auch in subtilerer, hinterlistigerer Weise, den freien Gedankenaustausch in einer freien Gesellschaft. Die Ausstellung „Smart New World“ in der Kunsthalle Düsseldorf geht diesen und weiteren Fragen nach, die den informations- und kommunikationstechnischen Umbrauch weltweit benennen.

Kenneth Goldsmith, Printing out the Internet, 2013, Labor, Mexiko-Stadt

Abb. unten: Laura Poitras, Filmstills aus Mission Data Repository, Utah, USA, 2014

Seit dem die Speicherkapazität moderner Computer und Server scheinbar grenzenlos wächst, schrauben sich auch die gesammelten Daten in fast nicht mehr nachvollziehbare Größenordnungen. „'Big Data' is watching you" – ein neues Schlagwort tut sich in diesem Zusammenhang auf, denn der „Big Brother“ ist schon lange kein Aushängeschild mehr für Angst und Repressionen. Dreizehn Künstler bzw. Künstlergruppen beschäftigen sich in Installationen, digitale Bildproduktionen, Filme und Performance dem globalen Prozessen der Digitalisierung - „Smart New World“ ist dabei, die Gesellschaften weltweit grundlegend zu verändern.

Xavier Cha (*1980, USA), Simon Denny (*1982, Neuseeland), Aleksandra Domanović (*1981, Serbien), Omer Fast (1972, Israel), Christoph Faulhaber (*1972, Deutschland), Kenneth Goldsmith (*1961, USA), International Necronautical Society, Korpys/Löffler (*1966/*1963, Deutschland), Trevor Paglen (*1974, USA), Laura Poitras (*1964, USA), Tabor Robak (*1986, USA), Santiago Sierra (*1966, Spanien), Taryn Simon (*1975, USA) beteiligen sich mit unterschiedlich besetzten Arbeiten an der Darstellung des Status quo im digitalen Alltagsgeschehen, das eigentümlich unaufgeregt vom Großteil der Bevölkerung hingenommen, ignoriert wird.

„Jedes Bild ist ein leeres Bild“ von Christoph Faulhaber suggeriert, dass den Inhalten von Bildern nicht mehr zu trauen ist. Was das Bild auch zeigen mag, es besitzt keinerlei vertrauensbildende Informationen, weil der Verdacht der Manipulation zu dominant geworden ist. Faulhabers filmische Biographie rüttelt an den Methoden staatlicher Überwachungsapparate, die sich im Allgemeinen tummeln, ohne konkrete Anlässe Daten über Menschen sammeln, speichern und, natürlich, gegen die Bevölkerung, gegen den Einzelnen verwenden. Kenneth Goldsmith streitet für Informationsfreiheit und Bildungsgleichheit und erklärt privatisierte Informationen zu einem öffentlichen Gut. Er zeigt aber auch die unermessliche Datenflut in seiner Installation „Printing Out The Internet“. Taryn Simon greift konzeptionell in die Bilderüberflutung des WorldWideWeb ein: „Abstraction“ visualisiert das Problem von Suchmaschinen, die niemals ihre angebliche Neutralität untermauern können. Sie bestimmen unsere Vorstellungswelt. Laura Poitras war neben Glenn Green­wald die ers­te Person, die Zu­griff auf die von Ed­ward Snowden zur Verfü­gung gestell­ten Do­ku­men­te der weltweit registrierten, aber nur halbherzig bis gar nicht bekämpften globalen Überwachungs- und Spionageaffäre hat­te. Sie zeigt Film­mate­ri­al über den Neubau des NSA-Über­wa­chungs­ge­bäu­des in Bluffdale/Utah, das sie vie­le Jah­re lang do­ku­men­tiert hat.
Unabdingbares Erfordernis für den Ausstellungsbesuch ist das vom Netzwerk International Necronautical Society (INS), eine neoavantgardistische, streng hierarchisch organisierte Gruppe aus Künstlern, Schriftstellern und Philosophen, entwickelte Einlassverfahren: Jeder Besucher schließt mit seiner Unterschrift einen Verbrauchervertrag auf Basis der philosophischen Doktrin der INS ab. „Die Unterzeichnung dieser Erklärung, die auf den Bedingungen der digital-kapitalistischen Gegenwart basiert, ist unabdingbare Voraussetzung für den Besuch der Ausstellung.“

Bis 10.08.2014
Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-8996240
E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de
Geöffnet: di – so 11 - 18 Uhr
Eintritt: 6/3 Euro
Weitere Infos: www.kunsthalle-duesseldorf.de
© 01. Juli 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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