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Paul Chan: Selected Works - Schaulager Laurenz-Stiftung Münchenstein/Basel

Schatten und Licht – zwei wesentliche Bestandteile im Werk des amerikanischen Installationskünstlers Paul Chan. Schmale Lichtstreifen versetzen die archaischen Gegenstände wie einen schmalen Tisch, eine schmale, lang gezogene Bank?, in einen Kegel aus Helligkeit, die von einem üppigen Schatten umschlossen ist. Himmel und Erde: nämlich Licht und Schatten, benutzt Paul Chan als Korrespondenzgrundlage für ein komplexes Werk, das den Naturgesetzen ebenso folgt wie den Ideen der Künstlerseele.

„Das Auge ist kein unsensibles Loch, das man einfach mit einer Flut leuchtender Bilder füllen und überschwemmen kann. … Wir sehen nicht unbedingt mehr, je mehr wir zu sehen bekommen (oder zu sehen gezwungen werden)“ schreibt Paul Chan in seinem Essay „Über das Licht als Mitternacht und Mittag“.

In einer derartig „lichten“ Dimension verkörpert sich ein Werk in einer Ausstellung, die es für den 1973 in Hongkong geborenen und in New York lebenden Künstler Paul Chan so, in dieser Größenordnung und konzentrierten Werkdichte, noch nicht gegeben. Das Schaulager der Laurenz-Stiftung Münchenstein bei Basel präsentiert den jungen Künstler, der 2012 an der documenta 13 in Kassel teilgenommen hat und an der 53. Biennale in Venedig 2009 teilgenommen hat, mit einer umfassenden Ausstellung. Diese Schau nahm Chan wiederum zum Anlass, das eigene künstlerische Schaffen neu zu denken und aus diesen neuen Gedanken heraus weiterzuführen. Die Ausstellungsarchitektur wurde dabei eigens für diese Veranstaltung entworfen, neue und bestehende Werke nahmen sich gegenseitig in den Arm und bereichern unmittelbar das bisherige Wirken Chans.

Die zeitgenössische Kunst braucht immer wieder neue Stimmen, um die Zeitgenossenschaft nicht nur zu dokumentieren sondern sie in künstlerischer Wahrnehmung zu würdigen. Für die Aufgabe ist Paul Chan zweifellos eine der originellsten Stimmen der gegenwärtigen Kunst, die 2007 mit der großformatigen Digitalprojektion „The 7 Lights“ eine besondere Aufmerksamkeit erfuhr. Seine Basis und sein Ideenreichtum speisen sich nicht nur aus dem Verhältnis von zwischen Licht und Schatten, sie nimmt explizit Bezug auf die Auswirkungen und -wüchse des WorldWideWeb und verknüpft dessen Überflussinformationen auch dazu, Videos und Installationen zu präsentieren.

Frühe Videoinstallationen wie „My birds... trash... the future“ von 2004 sowie eine Auswahl aus der Serie „The 7 Lights“ beleuchten im Wortsinne die Effektivität von Chans Arbeiten. Wände, Boden und Tische benutzte Chan als Projektionsfläche für großformatige Lichtbilder in Trapezform. Aus den Projektionen aus Licht und Schatten entsteht die Frage nach der Welt, die da draußen, auf der anderen Seite eines imaginären Fensters, vorbei zieht. Erstmalig zeigt das Schaulager die 1005 bemalten Bucheinbände der Arbeit „Volumes“ (2012): der Inhalt der Bücher, d.h. die Seiten, wurden vom Künstler entfernt, das Skelett, die Bucheinbände, vom Künstler bemalt. Ein für die Ausstellung neue geschaffenes Werk, „Arguments“, folgt Chan die Beziehungsgeflechte in den Dingen: „Was ist ein Ding? Gibt es eine unveränderliche Natur im Kern eines Dings? Oder setzt sich der Wert eines Dings nicht vielmehr daraus zusammen, in was für eine Beziehung es zu den Dingen ausserhalb seiner selbst tritt, anstatt dass es eine Essenz eines Dings gäbe?“ (Katalogtext) Hier bedient sich der Künstler vieler Stromkabel, die aus in der Wand eingelassene Steckdosen kommen. Verzweigungen, Verknotungen oder ins Leere laufende Kabel – alles setzt sich damit auseinander, was „Arguments“ im Sinne von Darstellung, Beweis oder Konflikt und Streit bedeutet.

Im Untergeschoss des Schaulagers, in den Räumen 19 – 21, fragt Chan: „Ist Sex das Gesetz in Verkleidung?“. In Tuschzeichnungen verknoten sich auf den Kern reduzierte Figuren, es stapeln sich Werke wie zurückgelassene Möbel oder nicht mehr benötigte Akten, die in Hinterzimmern oder Abstellkammern kein Dasein mehr fristen. Paul Chan streift in diesem Werkkomplex, der aus Teilen der Arbeit „Sade for Sade's sake“ besteht, unter anderem durch die Schriften des Marquis de Sade, der ausführlich und penibel genau sexuelle Praktiken und ausschweifende Gewalttaten schilderte.
Bis 19.10.2014
Schaulager Laurenz-Stiftung, Ruchfeldstrasse 19, 4142 Münchenstein/Basel, Schweiz
Tel.: 0041 61 3353232
E-Mail: info@schaulager.org
Geöffnet: di, mi, fr, 12 – 18 Uhr, do fr 12 – 22 Uhr, sa, so 12 – 18 Uhr
Eintritt: CHF 18/12 für drei Eintritte
Weitere Infos: www.schaulager.org
© 01. Juli 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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