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LLYN FOULKES - Museum Kurhaus Kleve

Sollte Atlas, der griechische Titan und Träger des Himmelsgewölbes, tatsächlich diese schwere, himmlische Gesamtlast mit seinen Schultern gestützt haben, dann schultert der amerikanische Künstler Llyn Foulkes einzelne Bestandteile eines überirdisch erscheinenden künstlerischen Komplexes, in dem er sie als unübersehbare Zeichen (s)einer individuellen Denkansätze und -ausführungen in immer wieder neuen Rollen und Projekte präsentiert.

Oben: O’Pablo, 1983, Acryl und wiederverwendete Materialien. 208,3 x 251,5 x 22,9 cm

Unten: Pop, 1985 - 1990, Mixed media mit Soundtrack, 213,4 x 312,4 x 7,6 cm, The Museum of Contemporary Art, Los Angeles.

Dabei ist entscheidend, welche plastischen, handgreiflich erfahrbaren Gedankenmonumente aus dem Geist des Künstlers als Impulsgeber solche Werke entstehen, wie sie – wie bei Foulkes – innerhalb von mehr als fünf Jahrzehnten stets neu und vollkommen unerwartet in den Kunstbetrieb hinein drängen. Wo der american way of life seine Spuren hinterlässt, platzierte Llyn Foulkes zusätzliche Markierungszeichen, die mit zwei Worten die Möglichkeit umfassender Statements bieten: Hollywood und Disney. Llyn Foulkes ist zwar ein erbarmungsloser Kritiker gesellschaftlicher Zustände, sein waches Auge nimmt sich darüber hinaus die Freiheit, in Kunst (und Musik) dem Strom des Kommerzes und spekulativer Verirrungen Paroli zu bieten.

Ein Star ist geboren – Llyn Foulkes kam am 17. November 1934 in Yakima (Washington) zur Welt, ein winziges Stück aus dem Himmelsgewölbe auf die Erde geworfen und nur von Frauen erzogen (sein Vater brannte nach Hollywood durch) und der neben der Musik großes Interesse für Donald Duck und Mickey Mouse entwickelte, zwei Comicfiguren, die er in eigenen Zeichnungen kommentierte. An der amerikanischen Westküste entwickelte Foulkes ein monumentales Werk, dass in den fünfziger Jahren mit surrealistischer Malerei begann und sich über Combine Paintings und Assemblagen (Utensilien wie Teerkräusel, Tierknochen, Postkarten, Fundobjekte) bis in die siebziger Jahre mit rätselhaften Porträts fortsetzte. Mitte der sechziger Jahre trat er der Band „City Lights“ seines Dichter-Freundes Rick Smith als Schlagzeuger bei. Am Ende des Siebzigerjahrzehnts begann Foulkes mit dem Bau einer gigantischen Musikmaschine („The Machine“), die aus Pfeifen, Hörner, Trommeln und Bässen jedweder Art bestand und ständig größer und komplexer wurde, ohne dass jemals der Tag der Fertigstellung auch nur annähernd heran rückte.

Dann wurde, in den achtziger Jahren, Mickey Mouse zum zentralen Darstellungspunkt. Als erste Arbeit mit der Disney-Figur entstand ein grünes Holzkreuz mit dem Bild einer Pionierfrau, deren Kopf aus der Comicfigur besteht (1983). Mit dem außergewöhnlichen Werk „Made In Hollywood“ (1983) betritt Foulkes dreidimensionale Realitäten. Wie eine Bühne erscheint das tiefsinnige Gemälde, dass wieder Gegenstände des Alltags verwendet: einen Revolver, ein Foto seiner Kinder, eine Mitteilung aus dem „Mickey Mouse Club Handbook“. In Foulkes' Mickey Maus-Welt fällt auf, dass er die Comicfigur nicht als zentralen Mittelpunkt für seine Bilder benutzt sondern sie in satirischer Weise als hohles Bekenntnis der Amerikaner zu ihren trivialen Mythen in die surreale Welt einbaut. 1985 begann Llyn Foulkes mit der Arbeit an dem überdimensionalen Gemälde „Pop“, an dem er bis 1990 arbeitete. Das Werk zeigt eine häusliche Szene, in der ein besorgt schauender Foulkes von seinen beiden Kindern flankiert wird. Eine integrierte echte Stehlampe, Polsterreste, Jalousien und weitere Fundstücke führen die Malerei eine bedrohlich erscheinende Wirklichkeit, ein Eindruck, der vom Soundtrack, den Foulkes komponiert hat, noch verstärkt wird.

Llyn Foulkes verfolgte im Verlauf der nächsten Jahre seinen Kampf gegen Disney, seine Frau trennte sich von ihm. Er begann die Arbeit an „The Awakening“, die mehr als fünfzehn Jahre in Anspruch nahm. Eine seiner besten Werke beendete Llyn Foulkes im Jahre 2005: „The Lost Frontier“, eine perfekte Tiefenillusion mit Blick auf das im Hintergrund kaum wahrnehmbare Los Angeles. Auch hier wieder: Mickey Mouse. Verkohlte Gesteinsbrocken nehmen fast den gesamten Vordergrund ein, und wieder ist es eine Pionierfrau mit Mickey Mouse-Kopf, die, bewaffnet mit einem Schnellfeuergewehr, Wache hält. „The Awakening“ und „The Last Frontier“ zeigte Llyn Foulkes auf der documenta 13 vor zwei Jahren.

Als erstes europäisches Museum zeigt das Museum Kurhaus Kleve eine umfassende Retrospektive des Werkes von Llyn Foulkes mit etwa einhundert Arbeiten. Im eigens entwickelte Begleitprogramm bildet sich die Wechselwirkung von bildender Kunst und experimenteller Musik heraus. Llyn Foulkes gehört in die Reihe amerikanischer Künstler, die im Museum Kurhaus seit vielen Jahren zu einer identitätsstiftenden Programmatik beigetragen haben: Mark Tansey, Denise Green, Robert Indiana, Alex Katz und Carl Andre.

Llyn Foulkes (-02.03.2014)
Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung,
Tiergartenstraße 41, 47533 Kleve
Tel.: 02821-750 10, info@museumkurhaus.de
Di-So 11-17 Uhr
Eintritt: 7/4,50 Euro
Zur Ausstellung sind ein englischer Katalog (35 Euro) und ein deutschsprachiges Booklet (3 Euro) erschienen
Weitere Infos: www.museumkurhaus.de
Weitere Infos: www.museumkurhaus.de
© 01. Februar 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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