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ANDRE THOMKINS "Eternal Network" - Kunsthalle Düsseldorf

Ein Ei, ein Knopf, eine Garnrolle: „Knopfei“. Könnte man selbst auch drauf kommen. Ist man aber nicht. Also bleibt nichts anderes übrig als in die Kunsthalle Düsseldorf zu reisen und sich dort dieses einfache, nahe dem Dadaismus thronende Multiple von André Thomkins anzusehen, der einfach ein weißes Hühnerei auf dessen Spitze auf die Garnrolle platzierte und den Faden von der Rolle zu einem am Ei angebrachten Knopf führte.

links: Xylophon-Rad, 1984, Holz und Metall, 200 x 30 cm

rechts: Knopfei, 1958/77, Ei, Knopf, Faden, Holzspule, 11,5 x 5 x 5 cm

unten: Rauschhecke, 1960, Lackskin auf Papier, 20 x 21 cm, Durchmesser: 16 cm



André Thomkins (1930-1985), in Luzern in der Schweiz geboren, ließ sich bereits 1952 in rheinischer Umgebung nieder: Nach der Heirat mit Eva Schnell übersiedelte er von Paris nach Rheydt. Thomkins wird im Rheinland schnell bekannt, bekommt Aufträge wie Bühnenbildentwürfe und gestaltet öffentliche Plätze. Seine erste große Einzelausstellung zeigt die 1969 Galerie Felix Handschin in Düsseldorf. Thomkins betätigt sich bereits damals als Netzwerker, obwohl es diesen Ausdruck noch gar nicht gab. Freundschaften zu Daniel Spoerri, Erwin Heerich, Dieter Roth und Karl Gerstner trugen dazu bei, daß André Thomkins 1969 an der Ausstellung „Fruend, Friends, Freunde und Freunde“ in der Kunsthalle Düsseldorf teilnehmen konnte. Ein Umstand, der auch den Ausstellungstitel „Eternal Network“ beeinflusste.

Vor der Kunsthalle startete Thomkins seinerzeit mit Studenten der Kunstakademie aus der Klasse von Dieter Roth die Aktion „Die Sägler und Nagler - Wohnungsentwöhnung“. Es galt, bereitstehende Möbelstücke zu zersägen und auseinander zu nehmen und danach die Einzelteile in freier, unangemessener Form wieder zusammen zu setzen. Das bizarre Ergebnis: kaum als Möbelstücke wiedererkennbare Gegenstände, als Holzskulpturen hinterlassen von einem Künstler, der das Experiment liebte und „kunstfremde“ Materialien in seine Werke integrierte.

Die Verbindung zu Düsseldorf und zur Kunsthalle fußt nicht nur auf André Thomkins' rheinnahen Wohnwort Mönchengladbach sondern auch darauf, daß er in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Professor an der Kunstakademie tätig war. Nun zeigt die Kunsthalle erstmals das vielseitige, fast ausschweifende Schaffen des mit fünfundfünfzig Jahren an Herzversagen verstorbenen, auch als Schriftsteller tätigen Thomkins, der sich literarisch mit Palindrome und Anagramme beschäftigte. In der Ausstellung sind neben Aquarellen und Zeichnungen Thomkins' Objekte aus Alltagsgegenständen, aus Keramik und Gummi zu sehen. Außerdem stellen Eat-Art-Objekte, Collagen, Zeitungsüberzeichnungen sowie Beispiele städtebaulicher und architektonischer Ideen einen Großteil der Ausstellung dar. Düsseldorf zeigt als einige deutsche Stadt die umfassende Retrospektive, die vom Kunstmuseum Liechtenstein konzipiert wurde.
19.10.2013 – 05.01.2014
Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-8996240
E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de
Geöffnet: di – so 11 – 18 Uhr
Eintritt: 5,50/3,50 Euro
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
Weitere Infos: www.kunsthalle-duesseldorf.de
© 01. November 2013  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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